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Fotograf Olaf Heine:"Wer nur nach Rio reist, kann nicht behaupten, er habe Brasilien gesehen"

Hatten Sie das Gefühl, selbst ein Teil dieser Stimmung zu sein?

Ich weiß nicht, ob ich das überhaupt sein wollte. Ich bin als Fotograf lieber der stille Beobachter. Aber ich habe versucht, das Gefühl zu absorbieren und in meine Arbeit einfließen lassen. Sonst bin ich sehr organisiert, aber in Brasilien habe ich gelernt, mich treiben zu lassen. Was auch daran lag, dass ich auf Übersetzer angewiesen war oder mich mit Händen und Füßen verständigen musste. Dann dauert alles ein bisschen länger und ich wurde geduldiger. Aber meine Fotos wurden dadurch noch spontaner und sinnlicher.

Ausschlaggebend für Ihren ersten Besuch in Brasilien war Oscar Niemeyer. Was hat Sie gereizt?

Ich wollte vor allem Brasília sehen und habe Oscar Niemeyer kurz vor seinem Tod sogar noch getroffen. In São Paulo und Rio de Janeiro wollte ich die kurvigen, leichten Linien in Bildern auffangen, sei es in Niemeyers Architektur, in der Landschaft oder in den Körper von Tänzern und Surfern. Und in Brasilien gibt es so viele schöne Orte. Niemand, der nur nach Rio reist, kann sagen, er habe Brasilien gesehen.

Wohin sollte man denn unbedingt fahren?

Brasilien Brazil WM 2014 Olaf Heine Rio

Dünen in Mangue Seco im Norden Brasiliens

(Foto: Photo © 2014 Olaf Heine)

Der Norden ist landschaftlich unfassbar schön und wird umso schöner, je weiter nördlich man kommt. Etwa in Mangue Seco an der Grenze zwischen den Bundesstaaten Bahia und Sergipe: eine Halbinsel, die zum Teil nur aus riesigen, weißen Sanddünen besteht.

Oder der Nationalpark Jericoacoara im Bundesstaat Ceará, der vor allem unter Wind- und Kitesurfen berühmt ist: Zwischen den Wanderdünen, die bis zu 20 Kilometer ins Land reichen, sind Süßwasserseen versteckt. Damit das Idyll im Fischerdorf mit Palmen erhalten bleibt, ist dort zum Beispiel Straßenbeleuchtung verboten - immerhin gibt es inzwischen Strom.

Und was empfehlen Sie Reisenden, die lieber in der Nähe von Rio oder São Paulo bleiben wollen?

Nahe São Paulo liegt die Ilhabela: Dieses ruhige und kleine Eiland mit tollen Stränden heißt genau richtig "schöne Insel". Und natürlich Rio de Janeiro selbst: Im Viertel westlich von Ipanema, Leblon, gibt es tolle Bars; und in dem deutschen Auswandererviertel Santa Teresa treffen sich Künstler.

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Casa das Canoas von Oscar Niemeyer in Rio de Janeiro

(Foto: Photo © 2014 Olaf Heine)

Mir gefällt auch das Casa das Canoas, Oscar Niemeyers erstes eigenes Wohnhaus, das 1951 in São Conrado in Rio errichtet wurde. Der Besucher geht einen Hang hoch und da steht es, mitten zwischen grünen Bäumen - und fühlt sich wie im Dschungel. Ein Stockwerk ist fast vollständig von Glaswänden umgeben, darüber scheint auf dünnen Stahlträgern das kurvige Flachdach zu schweben. Derzeit wird das Haus allerdings restauriert.

Was raten Sie da enttäuschen Niemeyer-Fans?

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Das zeitgenössische Museu de Arte Contemporânea in Niterói

(Foto: Photo © 2014 Olaf Heine)

Sie fahren am besten nach Niterói: Die Stadt liegt auf der anderen Seite der Guanabara-Bucht und bietet so einen schönen Blick auf Rio. Außerdem gibt es dort den Caminho Niemeyer mit drei schönen Gebäuden, die er erbaut hat. Und ein gelandetes Ufo: Das zeitgenössische Museu de Arte Contemporânea wurde ebenfalls von Oscar Niemeyer entworfen und liegt wunderschön auf einer Felsspitze gegenüber dem Zuckerhut.