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Aschewolke: Flugsperren aufgehoben:Entwarnung am Himmel

Die Passagiere in Hamburg und Bremen konnten als Erste aufatmen: Die Aschewolke des isländischen Vulkans Grímsvötn legte die Flughäfen in den norddeutschen Städten nur bis Mittag lahm. In Berlin blieb der Luftraum zunächst gesperrt - mittlerweile dürfen aber auch in der Hauptstadt wieder Flieger starten und landen.

Das Chaos durch die isländische Aschewolke blieb aus: Früher als erwartet hat die Deutsche Flugsicherung (DFS) den Luftraum über Hamburg, Bremen und Berlin wieder freigegeben. In Bremen haben die Flugzeuge seit elf Uhr wieder eine Start- und Landeerlaubnis, in Hamburg gelte die Erlaubnis seit zwölf Uhr, erklärte eine DFS-Sprecherin. In der Hauptstadt dürfen seit 14 Uhr wieder Flugzeuge starten und landen. Als Begründung hieß es, die Aschekonzentration sei nicht mehr kritisch. (Informationen der Flughäfen Berlins). Damit steht auch den Reiseplänen von Schwedens Kronprinzessin Victoria und ihrem Mann Daniel nichts mehr im Weg. Nach Angaben einer Botschaftssprecherin kann das Paar wie geplant am Abend von München nach Berlin weiterfliegen.

Vulkanausbruch legt Flugverkehr lahm

Fußball am Terminal

Die Aschewolke aus dem Vulkan Grímsvötn hatte zuvor besonders den Luftverkehr in Norddeutschland massiv behindert. Seit dem frühen Morgen galt ein Flugverbot für die Flughäfen in Hamburg, Bremen und Lübeck. In Hamburg (zu den Informationen des Flughafens) wurden ab sechs Uhr alle Starts und Landungen gestrichen, erklärte eine Flughafensprecherin. Nach dem nächtlichen Flugverbot war der Betrieb am Morgen gar nicht erst aufgenommen worden. Für Mittwoch waren ursprünglich 433 Starts und Landungen mit etwa 43.000 Passagieren geplant.

Agenturberichten zufolge blieben die meisten Passagiere gelassen und zeigten Verständnis für die Sperrung. An den Schaltern der Fluglinien bildeten sich kleinere Schlangen, es wurden Kaffee und andere Getränke verteilt. "Die Menschen sind verständnisvoll", sagte ein Flughafen-Mitarbeiter, der an einem Informationsschalter den Reisenden Auskunft gab. "Es ist alles entspannter als im vergangenen Jahr." Damals fehlten noch genauere Informationen.

Auch der Flugbetrieb in Bremen (zu den Informationen des Flughafens) war an diesem Mittwoch lahmgelegt worden. "Bis Mittag werden 21 Abflüge und 19 Ankünfte gestrichen", so ein Sprecher. "Sowohl innerdeutsche als auch europäische Flüge mussten gestrichen werden", fügte er hinzu. In Lübeck wurde ein geplanter Flug nach Pisa abgesagt.

Der Flugraum über Hannover wurde nicht gesperrt. Dennoch habe es vereinzelte Flugausfälle gegeben, sagte eine Sprecherin. Am Morgen waren zwölf Flüge ausgefallen, darunter einige in den Norden Europas.

Betroffen von den Einschränkungen war auch der Flughafen in Frankfurt am Main, wo mehrere Verbindungen nach Norddeutschland und Berlin abgesagt wurden. Von Chaos aber war in Frankfurt nichts zu spüren.

Auch die bayerischen Flughäfen blieben von den Auswirkungen der Aschewolke nicht verschont: In München und Nürnberg waren zahlreiche Flüge ausgefallen. Betroffen waren am Morgen vor allem Flüge von Lufthansa und Air Berlin nach und aus Hamburg und Bremen, teilte ein Sprecher des Münchner Flughafens mit.

Auch auf den Airports in Nordrhein-Westfalen machten sich die Auswirkungen der Aschewolke bemerkbar. Betroffen waren unter anderem Flüge nach Hamburg, Oslo, Stockholm, Göteborg und Sylt.

Am Stuttgarter Flughafen wurden laut einem Sprecher zwölf Flüge von den Fluggesellschaften abgesagt. In Karlsruhe konnten nach Angaben auf der Website des Flughafens drei Flüge nicht starten. Am Flughafen in Friedrichshafen mussten einem Sprecher zufolge vier Hin- und Rückflüge gestrichen werden.

Meteorologen teilten mit, dass Grímsvötn seit dem frühen Morgen nur noch Dampf und keine Asche mehr in den Himmel spie. Der letzte Ausstoß sei um 4.10 Uhr gemessen worden. Um 5 Uhr sei dem Vulkan keine Asche mehr entwichen, sagte der Meteorologe Hrafn Gudmundsson. Dies bestätigten die europäische Luftfahrtbehörde Eurocontrol und britische Behörden.

Die Aschekonzentration dürfte auch in diesem Jahr nicht den Grenzwert von zwei Milligramm pro Kubikmeter Luft erreicht haben. Dies ist der kritische Wert, ab dem alle Turbinenflugzeuge am Boden bleiben müssen. In der Stufe darunter, von 0,2 bis zwei Milligramm, darf unter Auflagen noch geflogen werden.

Geringere Aschekonzentration in der Luft

Aktuellen Messungen zufolge fiel die Konzentration geringer aus als nach dem Ausbruch des Vulkans Eyjafjalla im vergangenen Jahr, teilte der Physiker Cornelius Schiller vom Forschungszentrum Jülich mit. "Man kann im Vergleich zu den Bildern, die wir im letzten Jahr gemacht haben, ablesen, dass die Konzentrationen nicht so hoch sind", sagte Schiller nach Messungen mit dem Lasersystem LIDAR in Schleswig-Holstein. Allerdings würden noch keine konkreten Daten vorliegen.

Die Jülicher Forscher messen die Wolke mit dem Lasersystem LIDAR. Das System schickt einen Laserstrahl in den Himmel und analysiert den Anteil des aus der Atmosphäre zurück gestreuten Lichts. Untersuchungen des Deutschen Luft- und Raumfahrzentrums (DLR) ergaben, dass im vergangenen Jahr, als der Vulkan Eyjafjalla mit seiner Asche den internationalen Flugverkehr ausbremste, die Aschekonzentration bei unter 0,2 Milligramm lag - also unter dem inzwischen definierten Grenzwert.

Forscher nehmen Proben aus der Aschewolke

Die Wissenschaftler ergänzten die Laser-Messungen zusätzlich mit Daten, die auf einem Messflug gewonnen wurden. Dabei wurden direkt aus der Aschewolke Proben genommen. Nur mit diesen zusätzlichen Daten könnten sie die genaue Aschekonzentration in der Wolke bestimmen, sagte Schiller. Das Lasersystem allein könne die Konzentration nur bis zu einem gewissen Grad messen. Entscheidend für eine präzise Aussage sei aber auch die Größe der Ascheteilchen, die bei der Flugmessung mit einem Gerät des Deutschen Wetterdienstes erfasst wurde. Wann die Auswertung der Messungen vorliegt, ist unklar.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit hatte am Vortag die Festlegung der Grenzwerte kritisiert. Zwar seien sie sinnvoll, sagte Cockpit-Sprecher Jörg Handwerg in einem Interview mit den Zeitungen der Essener WAZ-Mediengruppe. Allerdings gelten die Grenzwerte nicht für ganz Europa. Handwerg kritisierte außerdem das Zustandekommen der Grenzwerte: "Die jetzt geltenden Werte wurden nicht im Test ermittelt." Man habe "konservative Werte zugrunde gelegt, einen Sicherheitspuffer draufgelegt und ein wenig gerechnet".

Süden und Westen dürfte verschont bleiben

Inzwischen meldet der Deutsche Wetterdienst (DWD), dass die Aschewolke aus Island nach Nordosten abziehe. "Am Nachmittag wird sich die Zone mit mäßiger und hoher Aschekonzentration in den Nordosten Deutschlands verlagern", hieß es von Seiten des DWD. Eine Zone mit geringer Konzentration erstrecke sich über das südliche Niedersachsen und Sachsen-Anhalt bis nach Brandenburg. "Der Süden und Westen Deutschlands sind weiterhin nicht von der Aschewolke betroffen."

In der Nacht zum Donnerstag kommt der Wind Meteorologen zufolge voraussichtlich aus Südwest. Die Zone mit der mäßigen bis hohen Aschekonzentration ziehe dann zur Ostsee und nach Polen ab. Aschereste, die im Norden und Osten bleiben, würden im Laufe der Nacht weiter verdünnt.

Island: Vulkan Grímsvötn

Und es wurde dunkel