Kolumne "Ende der Reise":Insekten-Burger fürs Cockpit

Lesezeit: 2 min

Kolumne "Ende der Reise": Ach, waren das noch Zeiten, als man es sich im Flieger zum Essen bequem gemacht hat. Heute ist der Service manchmal holprig.

Ach, waren das noch Zeiten, als man es sich im Flieger zum Essen bequem gemacht hat. Heute ist der Service manchmal holprig.

(Foto: dpa)

Eine japanische Airline setzt künftig auf alternative Proteinquellen, während eine Veganerin im Flugzeug gar kein Essen bekommt. Dabei sind das wahre Problem zwei schlafende Piloten.

Glosse von Dominik Prantl

Nichts bringt die Reisecommunity auf dieser Welt so sehr zum Schäumen wie das Essen im Flugzeug. Klimawandel, schlafende Piloten, gecancelte Flüge (der Frequent Traveller, also der Vielflieger, sagt immer nur gecancelt, nie gestrichen!), alles offenbar irgendwie egal, solange das Futter über den Wolken passt. Käme beispielsweise eine Fluglinie auf die leider dumme Idee, die Gratis-Gummibärchen auch nur auf dem Inlandshupfer von Frankfurt nach Berlin zu streichen, wobei man jetzt spontan gar nicht weiß, ob nach Berlin überhaupt noch Flüge gehen, geschweige denn mit Gratis-Gummibärchen, gäbe es ein Gewitter im Internet, dass man als Fluglinie gar nicht mehr abheben möchte. Vor allem wenn das auch noch in der Business Class passiert, wo den ganzen Business-Menschen das Mitbringsel für die Kinder flöten geht.

Insofern ist es einigermaßen gewagt, was die japanische Billigfluglinie Zipair laut dem Fachmedium aerotelegraph.com gerade macht. Die bietet erstens Burger und Pasta mit pulverisierten Mittelmeergrillen an, um damit den Konsum alternativer, weniger klimaschädlicher Proteinquellen anzukurbeln. Wenn eine Airline mit der Emissionsreduktion bei den Proteinen anfängt, klingt das zwar ein wenig so, als würde ein notorischer Säufer wegen des Alkoholgehalts auf Hustensaft verzichten, aber okay: immerhin. Zweitens serviert Zipair - natürlich ausschließlich im Sinne der Umwelt - nur jenen Kunden an Bord Essen, die ein solches auch vorbestellt haben. Dies wirft erstens wiederum den Verdacht auf, ob der Schachzug mit der pulverisierten Mittelmeergrille schlicht die Vorbestellungsrate senken soll, und führt zweitens flugs zu einer kanadischen Reise-Microbloggerin.

Die hat auf einem Zehn-Stunden-Flug der Air Canada nach Frankfurt als veganes Essen nur eine Flasche Wasser und eine Serviette erhalten. Die große Frage lautete dabei, ob sie ihren Sonderwunsch nun wirklich rechtzeitig vor dem Flug angefordert hatte oder eben nicht. Weil eine schändlich behandelte Veganerin (#hungry) so oder so ein Riesenaufreger ist, ging die Sache gleich so dermaßen viral, wie es sich eine Bloggerin nur wünschen kann. Allerdings sollten sich die Ermittlungen der Netzgemeinde viel mehr auf einen anderen, bei zweitem Hinsehen durchaus ähnlich gelagerten Fall in der jüngeren Vergangenheit richten: Was genau fehlte jenen beiden müden Piloten der Ethiopian Airlines denn nun, die laut Bild vor Kurzem den Anflug auf Addis Abeba verschliefen? Ein paar vegane Gummibärchen? Ein ordentlicher Proteinburger? Oder doch nur ein starker Kaffee?

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