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Florianopolis in Brasilien:Fischer und Surfer kämpfen gemeinsam dafür, dass die Natur bleibt, wie sie ist

Wärme und Sonne haben auch die Holländerin Kim Hanskamp nach Florianópolis gezogen. Wichtiger sind ihr allerdings zwei andere Dinge. "Es ist eine der besten Gegenden zum Surfen im ganzen Land", erzählt sie. Die Surffotografin hat fünf Jahre in Brasilien gelebt und in der Zeit einen Großteil der Küste bereist. Mit den 42 Stränden auf der Insel, von denen man an 20 surfen kann, ist die Vielfalt groß. "Es ist fast egal, woher Wind und Wellen kommen, man findet fast immer einen Spot, der gerade passt." Kein Wunder, dass der aktuelle Surfweltmeister, der Brasilianer Adriano de Souza, auch nach Florianópolis gezogen ist.

"Aber für mich als alleinreisende Frau zählt noch etwas anderes: Ich fühle mich hier überall sicher", sagt Hanskamp. In Brasilien ist das nicht selbstverständlich. Laut Regierung kommen auf 100 000 Einwohner pro Jahr 29 Morde. Hier im Staat Santa Catarina sind es 12,8. Das ist der niedrigste Wert aller 27 Bundesstaaten.

Im Gegensatz zum Norden des Landes, der schon in der Kolonialzeit von reichen Großgrundbesitzern und deren Sklaven geprägt wurde, stammen die Bewohner Santa Catarinas hauptsächlich von Immigranten aus Deutschland und Italien ab. Sie kamen vor allem im 19. Jahrhundert und gründeten hier kleinere Betriebe und familiengeführte Farmen, die zu relativ breit gestreutem Wohlstand führten. Somit leben heute nur sieben Prozent der Einwohner Santa Catarinas unter der Armutsgrenze - weniger als in jedem anderen Bundesstaat.

Doch all diese Vorzüge bringen auch Probleme. "Es ziehen so viele Leute hierher, dass die Infrastruktur nicht mithalten kann", erklärt André Rovai, der an der Universität UFSC in Florianópolis das Management natürlicher Ressourcen unterrichtet. So hat sich in den vergangenen 35 Jahren die Einwohnerzahl von Florianópolis auf 470 000 Menschen fast verdreifacht. Wenn rund um Silvester und Karneval etwa eine Million Touristen auf die Insel strömen, wird es dort so voll, dass man kein Hotelzimmer mehr bekommt.

"Bei Neubauten hält sich nur jeder Zehnte an die eingereichten Pläne", erklärt Rovai. "Deswegen wird auch nur die Hälfte des Abwassers hier ordentlich behandelt, der Rest fließt in undichte Tanks und ins Meer." In einigen Buchten, die von Strömungen geschützt und nahe an Touristenzentren liegen, ist die Wasserverschmutzung im Sommer so groß, dass die Behörden vom Baden abraten. "Aber das Gute ist, dass viele gerade wegen der schönen Natur hierher ziehen und sich dann auch dafür einsetzen", erklärt Rovai, der vor acht Jahren mit seiner Familie nach Florianópolis gekommen ist. "Drei wichtige Gruppen hier sind die Fischer, die Surfer und engagierte Ökos - und wir geben alles für diese Insel."

Reiseinformationen

Anreise: Zum Beispiel mit Air Europa und Gol über Madrid und São Paulo nach Florianópolis, hin und zurück ab ca. 900 Euro. Lufthansa fliegt von München direkt nach São Paulo, weiter mit TAM, hin und zurück ab ca. 1000 Euro.

Unterkunft: Zum Beispiel The Search House in Barra da Lagoa, Hostel in Strandvilla mit Garten und Pool, Schlafsälen sowie einem Doppelzimmer, ab 15 Euro pro Nacht, www.thesearchhouse.com.br; Hotel Costa Norte Ingleses im Norden der Insel, DZ pro Nacht 74 Euro, www.hoteiscostanorte.com.br

Reisearrangement: Der Veranstalter Ruppert Brasil bietet verschiedenste Rundreisen durch das Land an, www.ruppertbrasil.de

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