Hin und weg:Fliegen mit Winterspeck

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Hin und weg: In den USA geht man davon aus, dass Flugpassagiere in der kalten Jahreszeit mehr wiegen.

In den USA geht man davon aus, dass Flugpassagiere in der kalten Jahreszeit mehr wiegen.

(Foto: Imago/Martin Bäuml Fotodesign)

Wegen des gestiegenen Durchschnittsgewichts der Passagiere muss eine Airline sechs Plätze frei halten. Und wer zahlt jetzt dafür?

Glosse von Dominik Prantl

Winter wird's, die Nächte ziehen sich in die Länge - und die Menschen werden dick. Dies ist nicht nur eine urbayerische, aufgrund langjährigen Adventsplatzerl-Konsums gefestigte Erfahrung, sondern auch eine von der sehr unbayerischen, nichtsdestoweniger sehr anerkannten Bundesluftfahrtbehörde der Vereinigten Staaten (FAA) vertretene Erkenntnis. Zumindest der Durchschnittsamerikaner geht gemäß der FAA offenbar dermaßen aus dem Leim, dass die Luftfahrtaufsicht im Winter von einem höheren Passagiergewicht der Kunden ausgeht. Deshalb hat man das "dafür herangezogene Durchschnittsgewicht 2019 markant erhöht", wie es auf dem Portal für Luftfahrtnachrichten aero.de heißt. Das fällt dann auch kostenkalkulatorisch echt ins Gewicht: Die Fluggesellschaft United Airlines muss etwa auf Flügen des Typs Boeing 757 bis 30. April sechs Sitze frei lassen, damit wegen des Winterspecks der Passagiere nicht gleich das ganze Flugzeug absackt.

Spätestens damit ist man theoretisch auch mittendrin in der Frage, mit der sich die Branche über den Wolken schon seit Längerem beschäftigt: Wer zahlt jetzt die sechs ungenutzten Sitze? Alle Passagiere, ob dick oder dünn, anteilig gemeinsam, wie das üblicherweise der Fall ist? Oder doch nur jene, die zuletzt zu viel vom Thanksgiving-Truthahn erwischt haben?

Michael O'Leary, Chef der Billigfluggesellschaft Ryanair mit trumpistischen Zügen, lieferte dazu den eher wenig ausgewogenen Debattenbeitrag, niemand wolle neben einem "really fat bastard" an Bord sitzen. Er sei von der Zahl der Kunden, die korpulente Mitreisende besteuern möchten, überrascht gewesen. Dabei ist inzwischen bei allen Fluglinien, die besonders kräftige Passagiere schon einmal stärker zur Kasse bitten wollten, bekannt, dass man auch in der von Völlerei geprägten Vorweihnachtszeit gar nicht leichtfüßig genug um dieses Thema herumschleichen kann.

Alleine die Ankündigung von Uzbekistan Airways, die Fluggäste einfach nur wiegen zu wollen, um das Durchschnittsgewicht der Reisenden zu ermitteln, quittierte die Bild einst mit den Worten: "Bei dieser Airline zahlen Moppel drauf". Die Mini-Fluggesellschaft Samoa Air führte 2013 wiederum ein System ein, wonach sich der Flugpreis nach dem Gesamtgewicht der einzelnen Passagiere inklusive Gepäck berechnete. Medienberichten zufolge bezeichnete sogar manch Leidtragender das Vorgehen als gerecht. Samoa Air wurde nur zwei Jahre später aufgelöst.

Interessant sind in diesem Zusammenhang übrigens die von der FAA veröffentlichten Werte: Bei männlichen Passagieren geht die US-Luftfahrtaufsicht von einem Durchschnittsgewicht von 93 Kilogramm aus, bei Frauen von 84 Kilogramm, inklusive Handgepäck. Womit der assoziative Rahmen für eine zweite Meldung gespannt ist. So hat die British Airways kürzlich ihre "Richtlinien für Haarpflege, Schönheit und Accessoires" überarbeitet. Crew-Mitglieder dürfen fortan Make-up, Nagellack oder Drei-Tage-Bart tragen - und das unabhängig vom Geschlecht. Bei so viel neuem Genderbewusstein würde einem eine Debatte, ob Frauen künftig vielleicht nur 84/93stel des Flugpreises für Männer zahlen sollten, dann doch irgendwie schwer auf den Magen schlagen.

Hin und weg: Dominik Prantl wundert sich als Leichtgewicht am Flughafen immer wieder, warum gerade sein Koffer so genau gewogen und als Übergepäck deklariert wird.

Dominik Prantl wundert sich als Leichtgewicht am Flughafen immer wieder, warum gerade sein Koffer so genau gewogen und als Übergepäck deklariert wird.

(Foto: Bernd Schifferdecker (Illustration))
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