Fernreisen im Herbst 2021:Auf nach Afrika

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Sehnsucht Safari: In Tansania, hier am Ngorongorokrater, ist das möglich.

(Foto: Michelle Theall /imago images/Cavan Images)

Viele Länder außerhalb Europas stehen Touristen wieder offen, ohne dass Quarantäne droht. In manchen ist Urlaub sogar deutlich günstiger als zuvor. Ein Überblick.

Von Hans Gasser

Bunte Blätter anschauen, Hummer essen und Bären beobachten in Kanada? Wüstentour und Weihrauch kaufen in Oman? Oder lieber einen Cocktail an einem der langen weißen Sandstrände Phukets? All das geht seit Kurzem wieder, zumindest für Menschen, die geimpft oder genesen sind. Nach einem Sommer, in dem das Reisen in Deutschland und am Mittelmeer wieder eingeübt wurde, beginnt im anstehenden Herbst und Winter die klassische Fernreisesaison mit deutlich mehr wieder bereisbaren Zielen als noch vor einem Jahr.

Die Frage ist aber nicht nur: Wo kann man hin? Sondern auch: Wollen die Menschen überhaupt wieder weiter weg, oder haben sie immer noch Angst, sich zu infizieren, im Ausland zu stranden oder sind ihnen einfach die Einreise-Prozeduren zu aufwendig? Für Thailand, das bei den Deutschen nach den USA traditionell das zweitbeliebteste Fernreiseziel ist, trifft wohl Letzteres zu. Zwar gibt es seit einigen Wochen mit dem sogenannten "Sandbox-Modell" für Geimpfte die Möglichkeit, auf Phuket und drei kleineren Inseln quarantänefrei Urlaub zu machen. Man muss aber trotzdem insgesamt drei PCR-Tests machen, zwei davon im Land. Bei einem positiven Test müsste man die Quarantäne in einem Krankenhaus verbringen. Dass die Buchungszahlen deshalb sehr mau sind, wundert Matthias Huwiler, Fernreisechef beim Veranstalter FTI, nicht: "Das ist aktuell aufwendig und kompliziert, aber die Thailänder arbeiten derzeit daran, das System zu vereinfachen."

In Zukunft werden wohl viele Länder nur noch Geimpfte und Genesene einreisen lassen

Besser und sogar richtig gut laufe es da bei den Inseln im Indischen Ozean, allen voran den Malediven und den Seychellen. Dort genügt ein in Deutschland gemachter PCR-Test, der aber auch für Geimpfte verpflichtend ist. Die Buchungslage dort sei sehr gut, sagt Huwiler, und liege bei deutlich mehr als 60 Prozent des Vor-Corona-Niveaus im Jahr 2019. Ebenfalls nicht schlecht laufe Tansania mit der Insel Sansibar. Und dass seit 7. September Deutsche mit Impfnachweis wieder ins bis zu diesem Termin gesperrte Kanada reisen dürfen, wertet man in der Branche als sehr gutes Zeichen. Zwar werde es keinen riesigen Boom für kurzfristige Herbstreisen geben, sagt Huwiler. Aber das drittwichtigste Fernreiseziel der Deutschen sei damit zurück. "Wir hoffen, dass das auch die USA etwas unter Druck setzt." Die Vereinigten Staaten lassen Europäer immer noch nicht zu touristischen Zwecken einreisen, waren aber bis zur Pandemie die Nummer eins unter den Fernreisezielen.

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Kanada lässt wieder geimpfte deutsche Touristen ins Land, zum Beispiel in den Banff-Nationalpark, der auch im Herbst attraktiv ist.

(Foto: Boyer P/Andia.fr/imago images)

Viele asiatische Länder sind indes noch nicht wieder bereisbar, auch Australien und Neuseeland bleiben für Urlauber aus Europa weiterhin gesperrt. "Wir rechnen damit, dass viele Länder auf der Fernstrecke nur noch geimpfte oder genesene Urlauber einreisen lassen werden", sagt Huwiler.

Israel geht sogar so weit, seine Grenzen ab 19. September nur für Gruppenreisende zu öffnen, deren zweite Impfung maximal sechs Monate zurückliegt oder die eine dritte Auffrischungsimpfung bekommen haben.

Und manche Reiseveranstalter nehmen auch nur noch Geimpfte oder Genesene mit, so etwa der Rundreise-Anbieter Studiosus, zu dem auch Marco Polo gehört. Vom 1. Oktober an gilt dort 2 G. Das habe vor allem praktische Gründe, erklärt Studiosus-Sprecher Frano Ilic. So gelte etwa in Italien seit Anfang September 3 G, was zur Folge habe, dass nicht geimpfte oder genesene Teilnehmer alle 24 Stunden einen neuen PCR-Test machen müssten, um im Rundreisebus mitfahren zu dürfen. "Das zu organisieren, ist schwierig und stört die Gruppen-Harmonie etwas", so Ilic. Auch für Sehenswürdigkeiten oder Restaurants müsse man in immer mehr Ländern geimpft, genesen oder getestet sein. Auch Lernidee-Erlebnisreisen wird aus diesen Gründen vom 1. November an nur noch Geimpfte und Genesene mitnehmen. Laut einer Kundenbefragung bei Studiosus seien aber ohnehin 97 Prozent der Gäste geimpft, das Echo sei überwiegend positiv gewesen.

Und positive Signale sieht man bei Studiosus auch auf dem Fernreisemarkt. "Wir waren selbst angenehm überrascht, dass Länder wie Kanada, Oman, Jordanien, aber auch Namibia, Ecuador, Peru und Chile nicht mehr als RKI-Hochrisikogebiete gelten und somit für unsere Kunden wieder attraktiver werden", so Ilic. Jordanien sei wieder gefragt, mehrere Gruppen reisten dort ab Anfang Oktober hin. In Oman würden von Ende Oktober an wieder die ersten Reisen durchgeführt. Es tue sich was, und das sei erfreulich. Vom Fernreise-Niveau des Jahres 2019 sei man aber noch weit entfernt, so Ilic. Während Italien, Frankreich und Griechenland weiterhin sehr gut liefen, gebe es bei außereuropäischen Zielen noch Zurückhaltung. "Wir müssen nach 17 Monaten Pandemie das Reisen wohl wieder neu lernen", so Ilic.

Unter dieser Zurückhaltung leiden viele vom Tourismus abhängige Länder zum Beispiel in Afrika. "Autobahnen werden durch Nationalparks gebaut, Wilderer sind auf dem Vormarsch, weil die Ranger kaum noch bezahlt werden können", sagt Rainer Stoll, Chef des auf Natur-Fernreisen spezialisierten Veranstalters Travel to Nature, der gerade in Uganda war. Viele Deutsche hätten weiterhin Angst vor dem Virus, Bedenken wegen drohender Quarantäne oder unzureichenden Gesundheitssystemen in den Zielländern. Österreicher und Schweizer seien hier etwas reisefreudiger, da dort weniger restriktiv vor Ländern gewarnt werde und seltener Quarantäne drohe. In Costa Rica, einem Hauptziel des Veranstalters, zeige sich das deutlich. "Insgesamt sind wir über all unsere Ziele bei etwa 20 Prozent des Volumens von 2019", sagt Stoll, mit viel mehr rechne er auch nicht in diesem Jahr. Dabei seien je nach Zielgebiet die Flüge teilweise deutlich günstiger, zudem gewährten Hoteliers Nachlässe und beteiligten sich an der Gratis-Storno-Möglichkeit bis sieben Tage vor Reiseantritt. Allein, der Funke für die Fernreisen müsse erst noch richtig zünden.

© SZ
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