Jahrtausendealte Balanceakte:Felsen auf der Kippe

Wind, Wasser und das Wetter haben weltweit Gesteinsformationen geschaffen, die scheinbar kurz vor dem Kippen stehen - und doch schon seit Jahrtausenden halten.

Daniela Dau

10 Bilder

Geologie Felsen Erosion Verwitterung Arches Nationalpark

Quelle: Arches Nationalpark

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Verwitterungsprozesse haben auf der ganze Welt bizarre Gesteinsformationen geschaffen, die scheinbar kurz vor dem Kippen stehen - und doch schon seit Jahrtausenden halten.

Mitten im Arches-Nationalpark in Utah scheint der Balanced Rock den Gesetzen der Schwerkraft zu trotzen. Seine Form verdankt er Wind, Wasser und Wetter: Der Navajo-Sandstein des Sockels erodiert schneller als der darüber thronende Koloss aus Siltsein, eine Art verfestigter Schlamm. Der erste, wackelige Eindruck täuscht: Geht man ein Stück um den "Balanced Rock" herum, so sieht man, dass sein Schwerpunkt einigermaßen stabil auf dem Sockel ruht. Doch auch die Tage dieses Felsmonuments sind angezählt. Irgendwann werden die Elemente ihre Arbeit vollendet haben.

Geologie Felsen Erosion Verwitterung Sidobre Languedoc

Quelle: Claude Calcagno - Fotolia

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Das im Herzen des Naturparks Languedoc in Südfrankreich gelegene Sidobre ist das größte Granitplateau Europas. Aus dem 245 Millionen Jahre alten Gestein haben Wind und Wetter zahlreiche ungewöhnliche Felsformationen modelliert und die Natur hat in jüngeren Jahren eine pittoreske Heidelandschaft darübergelegt - ein Paradies für Wanderer, die im Wegenetz auf dem Sidobre auf so bizarr geformte Brocken wie den Peyro Clabado stoßen. In der galloromanischen Sprache, die in diesem Teil Frankreichs noch verbreitet ist, bedeutet das "genagelter Fels" - bleibt nur zu hoffen, dass dieser Nagel das tonnenschwere Gestein noch recht lange im Gleichgewicht hält.

Geologie Felsen Erosion Verwitterung El Torcal Andalusien

Quelle: neftali - Fotolia

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An den Stränden dieser Welt mühen sich ja viele Touristen, aus flachen Steinen möglichst hohe Säulen aufzutürmen. Im Naturpark El Torcal de Antequera in Andalusien hat das die Natur ganz allein hingekriegt und noch dazu in unzähligen tonnenschweren Ausgaben. Auf zwei Rundwanderwegen kann man sie betrachten und etwas über ihre Entstehung erfahren. Vor 100 Millionen Jahren war die Gegend nördlich der Provinzhauptstadt Malaga noch von Wasser bedeckt, Sedimente lagerten sich am Meeresboden ab und bildeten Schichten aus Kalkstein. Als sich das Wasser auf die Fläche des heutigen Mittelmeeres zurückzog, setzten Verwitterungsprozesse ein, denen die Gesteinsschichten unterschiedlich gut standhalten konnten. So erklärt sich die außergewöhnliche Form der Felsen im Park El Torcal, von denen eine der bekanntesten El Tornillo ist.

Geologie Felsen Erosion Verwitterung Burma

Quelle: AFP

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Gefährlich balanciert der Goldene Fels in Myanmar (Birma) auf einem Grat in 1100 Metern Höhe - der Legende nach lediglich gehalten von zwei Haaren Buddhas. Die Kyaikhtiyo-Pagode auf dem Granitblock, der etwa 170 Kilometer nördlich von Yangon (Rangun) liegt, gehört zu den größten Heiligtümern des Landes. Tausende Pilger kommen jedes Jahr hierher, um zu meditieren und kleine Plättchen Blattgold als Opfergabe anzubringen. Das dürfen allerdings nur die Männer, für Frauen sind die letzten Meter vor dem Felsen tabu.

Geologie Felsen Erosion Verwitterung Garden of Gods Colorado

Quelle: iStock

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Im "Garden of the Gods" dürfen sich auch ganz normale Erdenmenschen aufhalten. Das Parkgelände verdankt seinen hochtrabenden Namen der Phantasie von Landvermessern, die um 1859 die Gegend rund 100 Kilometer südlich von Denver für die Errichtung von Colorado Springs in Augenschein nahmen. Doch von Anfang an wurde der etwa 520 Hektar große Park als öffentliches Gelände angelegt und untersteht bis heute nicht der Nationalparkverwaltung der USA. Touristen und Einwohner von Colorado Springs nutzen das Gelände also kostenlos für ausführliche Mountainbike-Touren, zum Klettern, Wandern und Staunen über die spektakulären Felsformationen aus farbigem Sand- und Kalkstein, die so phantasievolle Namen tragen wie "Kissing Camels", "Weeping Indian" - oder ganz einfach "Balanced Rock" (im Bild).

Geologie Felsen Erosion Verwitterung Lysefjord Norwegen Kjeragbolten

Quelle: Casper Tybjerg/VisitNorway

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Für ein Erinnerungsfoto auf dem Kjeragbolten sollte man absolut schwindelfrei sein, ein bisschen Mut kann auch nicht schaden. Der fünf Kubikmeter große Stein hängt eingeklemmt in 1000 Metern Höhe über dem Lysefjord. Es könnte passieren, dass sich direkt neben den mutigen Touristen jemand in die Tiefe stürzt: Die steil aufragende Felswand im Süden Norwegens ist ein beliebtes Ziel für Basejumper.

Sind Sie auf Reisen auch schon einmal auf balancierende Felsen gestoßen? Wenn ja, dann schicken Sie doch Ihr Foto unter dem Stichwort "Felsen" an reisetipp@sueddeutsche.de - wir veröffentlichen die Bilder unserer Leser in einer Galerie! Ihr Bild sollte idealerweise das Format 900x600 px (72dpi) haben und es sollte sich um Landschaftsaufnahmen ohne erkennbare Personen handeln. Alle Bedingungen für die Einsendung finden Sie hier.

Geologie Felsen Erosion Verwitterung Nova Scotia Kanada

Quelle: iStock

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Seit vielen Jahren steht dieser schlanke Basalt-Pfeiler an der Küste von Nova Scotia in Kanada auf der Kippe - dabei scheint nur ein kleiner Stups zu genügen, um ihn ins Meer zu stürzen. Zunächst erfreute das Naturwunder vor allem die Einheimischen in der Gegend um Digby nahe der Bay of Fundy. Inzwischen hat sich der Tiverton Balancing Rock zur Touristenattraktion gemausert: Ein Spazierweg führt zu einer Plattform, von der aus Besucher den Blick über die St. Marys Bay und den Fels zu ihrer Rechten genießen können.

Geologie Felsen Erosion Verwitterung Devil's Marbles Australien

Quelle: REUTERS

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Ob der Teufel sich die Zeit in Australiens Outback mit Murmeln vertrieben hat? Glaubt man der Legende, so hat er danach sein Spielgerät einfach liegen gelassen: Europäische Siedler gaben den rätselhaften Brocken etwa 100 Kilometer südlich des Ortes Tennant Creek im Northern Territory den Namen Devil's Marbels (des Teufels Murmeln). Die Aborigines dagegen nennen ihre heilige Stätte Karlu Karlu, weil dort die Regenbogenschlange aus der Traumzeit ihre Eier abgelegt haben soll. Geologen sehen es erwartungsgemäß viel nüchterner: Ursprünglich war der Granit in dieser Gegend von anderem Gestein bedeckt, doch Verwitterungsprozesse brachten die rundlich geformten Felsen hervor.

Geologie Felsen Erosion Verwitterung Idol Rock Yorkshire

Quelle: Brinham Rocks

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Es sieht fast rührend aus, wie das kleine Gesteinsfüßchen des Idol Rock den riesigen Felsaufbau balanciert - 200 Tonnen dürften schwer zu halten sein. Unwillkürlich stellen sich bei der Betrachtung der Brimham Rocks im englischen Northern Yorkshire menschliche Regungen ein - vielleicht weil man bei so vielen reale Bezüge erkennen kann und sich statt grobem Fels einem Bären, Elefanten oder Nashörnern gegenübersieht. Ende der letzten Eiszeit legten die zurückweichenden Gletscher den kavernösen Süßwasserquarzit frei, aus dem die Brimham Rocks bestehen. Weil eine schützende Erd- oder Pflanzenschicht fehlte, konnte die Verwitterung sofort beginnen - und bis heute fortschreiten.

Geologie Felsen Erosion Verwitterung Timna Park Israel

Quelle: AFP

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Sogenannte Mushroom Rocks, also Pilz-Felsen, findet man in vielen Gegenden der Welt, meist sind es wüstenähnliche wie hier im Timna-Park in Israel. Pilzfelsen entstehen dann, wenn eine härtere Gesteinsform auf einer weicheren aufliegt und die Erosion der unteren Schicht größeren Schaden zufügen kann. Ganze Ansammlungen der pilzförmigen Formationen finden Besucher im Mushroom Rock State Park in Kansas oder im Naturpark Ciudad Encantada in der zentralspanischen Provinz Cuenca.

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© Süddeutsche.de/kaeb/lala
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