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Kolumne "Ende der Reise":Endlich wieder Stau

Die Vorfreude auf die Rückkehr des Urlaubs hat die Menschen ergriffen. Selbst Radler sind kaum noch zu stoppen.

Von Stefan Fischer

Weiß noch jemand, was Staumeldungen sind? Früher, als während der Schulferien Millionen Menschen gleichzeitig in Richtung Mittelmeer sowie Nord- und Ostsee aufgebrochen sind und mit ihren Fahrzeugen die Autobahnen des Landes verstopft haben, wurde im Radio vermeldet, was ohnehin alle gemerkt haben, die unterwegs in die Ferien waren - nichts geht mehr.

Seit Monaten aber: Funkstille. Weil kaum jemand eine Reise antreten konnte, stauen sich auch keine Autos mehr. Dass der Deutschlandfunk seine Verkehrsmeldungen Anfang Februar 2020, also unmittelbar vor Beginn der Pandemie hierzulande, komplett abgeschafft hat, mag Menschen, die zu Verschwörungen neigen, ein weiterer Beleg dafür sein, dass die Medien eingeweiht waren in das, was kommen würde, instruiert von der Kanzlerin und Bill Gates ... aber das ist eine andere Geschichte über Staus, die nicht auf Autobahnen spielt, sondern in Gehirnwindungen.

Nun sieht es allerdings so aus, als könnten die Staumeldungen im Radio demnächst wieder mehr Zeit in Anspruch nehmen. Viele Menschen drücken in Gedanken bereits vorfreudig das Gaspedal durch, es drängt sie an den Gardasee, nach Istrien und Rügen. Alles wieder wie früher?

Offenkundig nicht. Immer mehr Menschen steigen um aufs Rad. Die Händler sind ausverkauft, der Radtourismus boomt. Ob es diesen Menschen wirklich um Nachhaltigkeit geht oder ob sie nur die langen Staus endgültig leid sind: Sie werden vom Regen in die Traufe kommen. Statt Abgasen nun Achselschweiß, und Raser wie Rüpel wird es auch auf den Landstraßen geben, unterwegs auf zwei Rädern.

Das lassen jedenfalls zwei Meldungen aus den vergangenen Tagen vermuten: In München wurde ein Radler gestoppt, der sein Bike so aufgerüstet hatte, dass er damit bis zu hundert Kilometer pro Stunde schafft, also genauso schnell an die Adria kommt wie mit dem Auto. Und in Franken hat ein Mann sein Rad als Rammbock benutzt in einem Streit ums Schlangestehen. Aber Daheimbleiben ist definitiv keine Lösung.

© SZ/mai
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