EukalyptusbäumeBei Karri, Marri und Jarrah

Lesezeit: 2 Min.

Eine Tour durch das Waldland Südwestaustraliens zeigt, wie sich die Wildnis zum Kulturland gewandelt hat.

Von Johanna Pfund

Dieser Wald ist verwirrend. "Es gibt Karri, Jarrah und Marri", erklärt Graeme Dearle. Alle gehören zur Gattung der Eukalyptusbäume. Die Jarrah haben eine längs geriffelte Rinde, die Marri eher eine knubbelige, die Karri ein glatte. Hunderte Jahre alt können die Karri werden und bis zu 90 Meter hoch. Im 20. Jahrhundert wurden die größten Bäume als Feuerwachttürme genutzt, heute sind sie Attraktionen, auf die Schwindelfreie hinaufklettern können, wie etwa auf den Gloucester Tree bei Pemberton. Eisenstifte dienen als Tritte und ziehen sich spiralförmig um den Baum zur Spitze hinauf, nur ein Drahtgitter dient als Geländer und Absturzsicherung. Aber den Baum hinauf möchte Dearle seine Gäste nicht führen. Statt dessen nimmt er sie mit auf eine Tour durch die Eukalyptuswälder bis an den Indischen Ozean.

Pemberton, ein Städtchen mit 750 Einwohnern, in dem Graeme mit seiner Familie lebt, ist in den Zwanzigerjahren groß geworden. Britische Soldaten erhielten hier nach dem Ersten Weltkrieg kostenlos Land. Eine Chance für viele, die in Großbritannien keine hatten. "Sie haben das Land so geformt, wie sie es aus ihrer Heimat kannten", erzählt der 47 Jahre alte Dearle. Sie rodeten Eukalyptuswälder, um Platz für die Schafzucht oder den Anbau von Getreide zu schaffen. So entstand eine hügelige, fast liebliche Gegend, die nicht von ungefähr an England erinnert. Nur die übrig gebliebenen Karri und Jarrah erinnern daran, dass man sich im Südwesten Australiens befindet. "Das Problem ist: Es wurde zu viel gerodet. Jetzt haben die Kängurus viel Weideland zur Verfügung und sie vermehren sich zu stark", erzählt Dearle. Aufforstungsprojekte sollen das Problem mildern. Dearle lässt auch pflanzen, einige Hundert Kilometer weiter im Landesinneren, im Getreidegürtel Australiens. Als ökologischen Ausgleich zu seinen Touren, bei denen er seine Gäste im Allradbus herumfährt.

Zunächst geht es über eine rotsandige Piste durch die Eukalyptuswälder. Auf mehrere Hundert Jahre schätzt Dearle einige der Bäume. Dazwischen steht ein kleines Gewächs, das aussieht wie eine schlecht frisierte Palme, eine Grasbaumart. Die Wildblumen zeigen mit ihren Blüten die Jahreszeiten an, Myrten und Wisteria setzen im Frühling leuchtende Punkte in das Graugrün der Eukalyptusbäume.

Der Wald endet jäh und macht Platz für eine Dünenlandschaft. Die Yeagarup-Dünen sind Vorboten des Indischen Ozeans, der aber ist noch neun Kilometer entfernt. "Für die Aborigines war das der Ort des wandernden Geistes", sagt Dearle. Er lässt Luft aus den Reifen, damit sie im Sand greifen. Die Tour geht jetzt quer über die Dünen, auf einer mit weißen Pfählen ausgesteckten Spur. Auf dieser Piste soll man bleiben, um den empfindlichen Untergrund im Nationalpark zu schützen. Über eine steile Abfahrt geht es schließlich nach unten, bis ans Wasser. Der Ozean schickt hohe Wellen an Land, der Wind pfeift. Kaum Besucher. Gut für die Wildnis.

Infos: www.pembertondiscoverytours.com.au

© SZ vom 27.12.2019 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

SZ Stellenmarkt
:Entdecken Sie attraktive Jobs

In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: