EU-Report zu Badegewässern So sauber geht man in Deutschland und Europa baden

Abtauchen am Timmendorfer Strand in der Ostsee

(Foto: dpa)
  • Nur fünf Badestellen in Deutschland waren einem EU-Bericht zufolge im vergangenen Jahr "mangelhaft".
  • Europaweit ist die Qualität ebenfalls hoch. Von mehr als 21 000 getesteten Orten erfüllten mehr als 96 Prozent die Minimalanforderungen.
  • Die Untersuchungen nehmen die Behörden in den Ländern selbst vor. Sie achten dabei vor allem auf zwei Darmbakterien - E.coli und Darm-Enterokokken. Wie vermüllt der Strand ist, spielt keine Rolle.

Ein Sprung ins Wasser soll Spaß und Erfrischung bescheren - und nicht Bauchschmerzen oder Schlimmeres. Daher werden immer wieder Proben an Badegewässern wie Seen oder Stränden genommen, um zu prüfen, ob sie den europäischen Mindeststandards genügen.

Die gute Nachricht: Seit 40 Jahren arbeitet die EU darauf hin, dass Badende nicht mehr arglos in Kloaken tauchen, die von Fäkalien oder Jauchegruben verunreinigt wurden - und sie ist weit gekommen. In den EU-Ländern sowie Schweiz und Albanien erfüllen nun mehr als 96 Prozent der Badestellen zumindest die minimalen Anforderungen an die Wasserqualität.

Die noch bessere Nachricht: Etwa 85 Prozent der mehr als 21 000 getesteten Badeorte entsprachen in einem aktuellen EU-Report dem strengsten Standard "ausgezeichnet". Die wenigen mangelhaften Gewässer sollten am besten für die jetzige Badesaison gesperrt werden, bis der Grund für die Verunreinigung beseitigt wurde. Dazu gehören etwa schadhafte Abwassersysteme, aber auch überlaufende Kanäle nach Starkregen. Urlauber sollten daher nach heftigen Regengüssen selbst an Badeplätzen vorsichtig sein, die als bakterienfrei gelten.

Wie schneiden Seen und Strände in Deutschland ab?

In Deutschland bleibt das Baden in fast allen Flüssen, Seen und an den Küsten ein sauberes Vergnügen. Nach dem EU-Bericht zur Qualität der Badegewässer erfüllen knapp 98 Prozent der 2292 untersuchten deutschen Badestellen die Mindeststandards. Nur fünf Stellen in Deutschland bekamen den Stempel "mangelhaft": Es handelt sich um zwei Badeplätze in Niedersachsen am Dümmer (am Seeufer in Lembruch), außerdem in Baden-Württemberg um den Finsterroter See in Wüstenrot und die Kocherbadebucht in Künzelsau. In Mecklenburg-Vorpommern ist eine Stelle in Tremt (Gemeinde Sundhagen) zwischen Stralsund und Greifswald betroffen.

Wo kann man im Ausland unbesorgt baden?

Im Jahr 2016 wiesen alle überprüften Badegewässer in Estland, Griechenland, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Österreich, Rumänien, Slowenien und Zypern mindestens eine ausreichende Qualität auf.

Qualität der europäischen Badegewässer 2016

Und wo sollte man vorher in die Gewässer-Karte schauen?

Von der Badesaison 2015 zur Saison 2016 ging die absolute Zahl der mangelhaften Badegewässer zurück: von 383 auf 316. Den höchsten Anteil an Badegewässern mit mangelhafter Qualität verzeichneten Irland (sechs Badegewässer), das Vereinigte Königreich (20 Badegewässer) und die Slowakei (ein Badegewässer). Deutlich verschlechterte sich Italien, wo 22 Badegewässer von bislang ausreichender oder besserer Qualität nun "mangelhaft" getestet wurden. Auch in Spanien, Frankreich, den Niederlanden und Dänemark muss man nacharbeiten: Dort sank die Qualität von mehr als fünf Badegewässern von "ausreichend" oder besser auf "mangelhaft".

Was passiert jetzt an den mangelhaften Gewässern?

Laut der europäischen Umweltagentur EEA gibt es zunächst nur Empfehlungen: So sollte für alle Badegewässer, die in der Saison 2016 eine mangelhafte Wasserqualität aufwiesen, nun ein Verbot verhängt oder zumindest vom Baden abgeraten werden. Außerdem sollen Maßnahmen ergriffen werden, um die Verschmutzungen zu verringern oder zu verhindern. Wird ein Badegewässer in fünf aufeinanderfolgenden Jahren als mangelhaft klassifiziert, droht ein dauerhaftes Badeverbot oder eine Warnung. Dies droht in Deutschland übrigens dem Finsterroter See bei den anstehenden Messungen 2017.

Warum haben es Länder mit Meereszugang grundsätzlich leichter?

Im vergangenen Jahr hatten 97 Prozent aller Küstenbadegewässer und 94 Prozent aller Binnenbadegewässer in der EU eine mindestens ausreichende Qualität. Allgemein ist die Wasserqualität an der Küste besser als die der Binnenbadegewässer. Laut Umweltagentur liegt das an der höheren Selbstreinigungsfähigkeit des Meeres. Außerdem sind viele Badestellen an den Binnengewässern an kleineren Seen und langsam fließenden Flüssen - insbesonders im Sommer sind sie damit nach starkem Regen anfälliger für kurzzeitige Verschmutzungen.

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Wo gibt es aktuelle Informationen über die Badewasserqualität 2017?

Da Urlauber und Freizeit-Schwimmer aber gerne wüssten, wie es momentan um das Wasser steht, das sie erfrischen soll, stellen etwa die deutschen Bundesländer die Ergebnisse ihrer regelmäßigen Proben bereit (umweltbundesamt.de/wasserqualitaet-in-badegewaessern).

Wie ist die Entwicklung in den vergangenen Jahren?

Der Anteil der getesteten Badegewässer mit "ausgezeichneter" Wasserqualität ist von 78 Prozent im Jahr 2011 auf nunmehr 85 Prozent im Jahr 2016 gestiegen.

Auf welche Keime genau wird das Wasser untersucht?

Zum einen auf E.coli-Bakterien (Escherichia-Coli), diese kommen im Darm vieler Tiere vor und gelangen etwa durch Vogelkot oder von Kuh- und Schafweiden in Ufernähe auch in Badegewässer. Meist sind die Fäkalkeime harmlos. Einige E.-coli-Bakterien können aber beim Menschen Übelkeit, Durchfall und Fieber verursachen. Bisweilen führen die Keime zu Harnwegsinfektionen, die in schweren Fällen die Nieren schädigen könnten. Wird eine Badestelle etwa von zu vielen Vögeln als Nistplatz genutzt, müssen die Menschen eventuell woanders ins Wasser gehen.

Desweiteren deuten Darm-Enterokokken ebenfalls auf fäkale Verschmutzungen hin - nur droht hier bei Verschlucken keine Infektion. Gelangen die Enterokokken aber über Wunden in den Körper, können sie schwere Erkrankungen verursachen.

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