Reisepionier Abel Tasman Knapp daneben ist auch vorbei

Ein Gemälde von Jacob Cuyp zeigt Abel Tasman mit Frau und Tochter um das Jahr 1637.

(Foto: imago stock&people)

Eine Mischung aus Hab- und Neugier trieb Europäer einst über den Pazifik Richtung Neuseeland. Abel Tasman stieß 1642 auf Land - die ganz große Entdeckung verpasste er aber.

Von Irene Helmes

Mit Ende 30 unbekannte Ufer im Ozean zu finden, auf diesen Karrierehöhepunkt darf längst kein Mensch mehr hoffen. Im 17. Jahrhundert sah das noch anders aus. Abel Janszoon Tasman war so ein Glücklicher - und trotzdem wirkt seine Geschichte heute fast tragikomisch.

Serie Reisepioniere

In loser Folge stellen wir Ihnen hier denkwürdige Weltenbummler vor.

Zu Tasmans Lebzeiten wetteifern die europäischen Seemächte um Entdeckungen auf der Südhalbkugel. Gerade der Niederländischen Ostindien-Kompanie geht es in erster Linie um Macht und Reichtum. Sie schickt ihre Schiffe oft mit klaren Instruktionen los, welche Seewege zu erkunden sind. Was dann passiert, ist eine andere Frage: Selbst erfahrene Kapitäne können sich in den Weiten der Meere nur schwer orientieren und finden immer wieder Orte, die sie gar nicht gesucht haben.

So gelangt auch Tasman nach Neuseeland. 1603 im niederländischen Dorf Lutjegast geboren, segelt er als junger Mann in die Welt hinaus. Seine zweite Frau Jannetje und Claesgen, die Tochter aus erster Ehe, holt er zwar an den Stützpunkt der Niederländischen Ostindien-Kompanie in Batavia (heute Jakarta) nach. Doch statt Familienleben stehen Einsätze gegen Schmuggler und abenteuerliche Erkundungstouren bis nach Japan auf der Tagesordnung. Über die Bildung oder sonstige Vorzüge Tasmans ist wenig überliefert, doch er arbeitet sich schnell vom einfachen Matrosen zum Kapitän hoch.

"Aber wir konnten kein Wort verstehen"

Im August 1642 geht es mit den zwei Schiffen Heemskerck und Zeehaen auf große Fahrt Richtung Süden. Er soll eine direkte Passage zum "Goldland" Chile suchen, das zu dieser Zeit recht nahe vermutet wird. Nichtsahnend umrundet der Kommandant Tasman als Erster Australien (das er eigentlich genauer erforschen soll), erkennt im späteren Tasmanien Neuland und ist auf weitere Entdeckungen gefasst. Diese lassen tatsächlich nicht auf sich warten. "Gegen Mittag am 13. Dezember sichteten wir eine große Landmasse mit starker Bodenerhebung, etwa fünfzehn Meilen entfernt im Südosten", hält Tasman im Logbuch fest, und weiter: "Wir drehten direkt auf das Land zu, feuerten einen Schuß ab und hißten die weiße Flagge, worauf die Offiziere der Zeehaen an Bord unseres Schiffs kamen. Gemeinsam beschlossen wir, so bald wie möglich zu landen." Sie befinden sich, ohne es zu wissen, vor der Westküste der Südinsel Neuseelands. Von dieser haben weder die Ostindien-Kompanie noch die Mannschaft etwas geahnt.

Während der folgenden Tage schippert die Expedition vor der Küste entlang. Rauchsäulen verraten, dass Menschen an Land leben. Der erste Kontakt mit den Maori erfolgt am 18. Dezember. Kanus nähern sich den Schiffen. Wie Tasman im Logbuch schreibt, "begannen die Männer in den zwei Kanus, uns mit ihren rauen, lauten Stimmen etwas zuzurufen, aber wir konnten kein Wort verstehen".

Sprache scheitert, Musik scheint einen Versuch wert: "Sie bliesen auch oft in ein Instrument, das einen Ton hatte wie eine Mohrentrompete. Wir ließen einen unserer Seeleute, der ein wenig Trompete blasen konnte, als Antwort ein paar Melodien spielen." Wirklich voran kommen die internationalen Beziehungen dadurch leider auch nicht: "Nachdem dies auf beiden Seiten eine Weile vor sich gegangen war und es immer dunkler wurde, hörten die Leuten in den Kanus endlich auf und paddelten zurück." Tasman lässt doppelte Wache halten und die Kanonen vorbereiten - "um für unliebsame Zwischenfälle gewappnet zu sein und uns verteidigen zu können, falls diese Leute etwas Böses im Schild führten".

Ein Gemälde zeigt die Konfrontation in der "Bucht der Mörder".

(Foto: imago stock&people)

Am nächsten Morgen wagen sich 13 Menschen im Kanu nah an Tasmans Schiff heran. Dieser fühlt sich durch ihr schwarzes, zusammengebundenes Haar an Japan erinnert, "aber es war länger und dicker, und im Haarbüschel steckte eine große, dicke weiße Feder". Sofort fällt dem Niederländer auf, wie geschickt die Männer ihre Boote manövrieren. Tasman und seine Begleiter wollen nun einen Landeversuch wagen, "da der Ankerboden gut war und die Leute dort (wie es uns schien) Freundschaft erstrebten". Doch kurz darauf ändert sich alles: Tasman beschreibt ein Durcheinander an Gesten und Bewegungen mit Kanus und Booten, das zum Tod von vier Europäern führt - scheinbar durch einen Angriff aus heiterem Himmel. Erst als Reaktion darauf, so schreibt zumindest Tasman im Logbuch, folgt Gewalt von europäischer Seite, als seine Leute in Notwehr das Feuer eröffnen.

Nachdem sich alle zurückgezogen haben, ergeht an Bord ein neuer Beschluss: "Da uns die scheußliche Untat der Eingeborenen, die sie am Morgen gegen vier Mann der Zeehaen-Besatzung verübt hatten, eine Lektion erteilt hatte, betrachteten wir die Eingeborenen dieses Landes als Feinde; und daher würden wir nun an der Küste entlang nach Osten fahren, um zu sehen, ob wir geeignete Stellen finden könnten, wo Wasser und Proviant zu holen wären. Vor dieser Mordstelle - der wir den Namen 'Bucht der Mörder' beilegten - gingen wir vor Anker, um unseren weiteren Kurs zu beschließen". Die Entdeckung bekommt "den Namen 'Staten-Land' zu Ehren der niederländischen Generalstaaten. Dieses Land sieht sehr schön aus und wir glauben, es ist die Hauptküste des unbekannten Südlands. Unserer Route gaben wir den Namen 'Abel-Tasman-Passage' zu Ehren des ersten, der sie befuhr".