Ende der Reise Urlauber von Welt

Machen wir uns nichts vor, es hat sich herumgesprochen, dass wir Deutschen allen beinahe alles abkaufen. Solange sie nur recht charmant dabei tun!

Von Stefan Fischer

Die größte Furcht des Deutschen ist insbesondere auf Reisen die, übervorteilt zu werden. Also hält er sein Geld schön beisammen, vom Sparen versteht er schließlich etwas. Von anderen Dingen versteht er unterdessen nicht ganz so viel, und so neigt der deutsche Tourist trotz seiner eingangs erwähnten Grundangst zur Leichtgläubigkeit. Er lässt sich etwa von den Griechen vorgaukeln, sie könnten kochen. Von den Korsen, sie seien gastfreundlich. Und von Wellness-Hoteliers, sie verstünden etwas von Lebensart.

Machen wir uns nichts vor, es hat sich inzwischen bis in die letzten Winkel der touristischen Welt herumgesprochen, dass wir allen beinahe alles abkaufen - und das im Wortsinne. Solange sie nur recht charmant dabei tun und uns das Gefühl geben, durch sie zur Weltläufigkeit zu finden. Also einen Begriff von Kulinarik und Gastfreundschaft zu entwickeln. Oder am Ende gar von Entspannung und Lässigkeit.

So wie zum Beispiel die depressiven Finnen. Wie gut also, dass wir ihnen fortan in ihre Wälder und an ihre mückenverseuchten Seen hinterherziehen können, um uns, nein, nicht das Fürchten lehren zu lassen, sondern die Lebensfreude. Und zwar auf gesicherten pauschaltouristischen Pfaden. Die dortige Tourismusorganisation Visit Finland hat das Programm "Rent a Finn" ersonnen und preist Einheimische an, die wir mieten können und die uns dann auf einem gemeinsamen Ausflug vorleben, wie man einfach mal die Klappe hält und überdies einen Tag in der Einsamkeit verplempert mit sinnlosem Nichtstun. Was zum Abbau von Stress und folglich zum puren Glück führen soll. Sie müssen es ja wissen, die Finnen, mit ihrem Faible für wolkenverhangene Filme und tieftraurigen Tango.

Wir werden natürlich hinfahren, landlustig auf entlegene Natur konditioniert, wie wir sind. Bis uns der nächste neueste Schrei einer staatlichen Tourismusoffensive erreichen wird. Und wir in Russland oder der Türkei an unserer Selbstironie feilen werden, in China an unserem Individualismus und in den USA an unseren Manieren. Anschließend wird uns definitiv niemand mehr über den Tisch ziehen können.