Ende der ReiseReben statt Rosenkohl

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Mit Schulgärten ist es meist eine unbefriedigende Sache. Da sät und gießt und jätet man das ganze Schuljahr über. Reif wird all das Gemüse dann in den Sommerferien, und die Ernte heimst der verhasste Hausmeister ein. Mit Wein ist das anders.

Von Stefan Fischer

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Fürs Leben lerne man und nicht für die Schule. Das sagen die Lehrer immer dann, wenn ihren Schülern partout nicht einleuchten will, warum sie sich mit diesem oder jenem Thema befassen sollen. Und dann lassen die Lehrer ihre Schüler doch die Hauptstädte aller afrikanischer Staaten auswendig lernen. Aber wer wird später schon Diplomat oder Reisejournalist?

Andere Wege geht eine Berliner Oberschule, da gibt es einen äußerst lebenspraktischen Unterricht. Die Schule besitzt nämlich eine Weinparzelle mit rund hundert Rebstöcken. Wer möchte, kann im Wahlfach also das Winzergeschäft erlernen.

Mit Schulgärten ist das ja gemeinhin eine unbefriedigende Sache. Da sät und gießt und jätet man das ganze Schuljahr über fleißig. Reif wird all das Gemüse dann aber in den Sommerferien, und die Ernte heimst der verhasste Hausmeister ein. Bliebe nur Rosenkohl, aber erstens mag den kaum ein Jugendlicher. Und zweitens sei dahingestellt, wie viele frostige Nächte, die der Rosenkohl schließlich zur Vollendung braucht, es in Zeiten des Klimawandels noch geben wird.

Der Wein hingegen hat Zukunft. Der allmähliche Wechsel vom märkischen zum mediterranen Klima kann ihm nur guttun. Und seine Bewirtschaftung passt perfekt ins Schuljahr. Die Lese steht an, sobald die Schüler mit den Grundbegriffen vertraut sind. Beinahe alle weiteren Arbeitsschritte sind dann bis Weihnachten erledigt. Und zum Sommerfest gibt es schließlich etwas zu trinken, das man nirgends sonst erhält.

Wer darin nun eine Verführung zum Alkohol sieht, denkt wie der Erdkundelehrer mit den afrikanischen Hauptstädten: nicht sehr lebenspraktisch. Abhalten wird man die Heranwachsenden ohnehin nicht. Und je eher sie erfahren, dass es Stilvolleres gibt als Alkopops und Cola-Weizen, desto besser.

Überdies wird es höchste Zeit für einen neuen urbanen Trend. Die Craft-Bier-Szene ist schließlich in die Jahre gekommen, jeder Mensch hat inzwischen seine eigene Mikrobrauerei im Vorgarten oder auf dem Balkon. Das nächste große Ding wird der eigene Wein. Ein paar junge Berliner wissen schon, wie es geht.

© SZ vom 31.10.2019 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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