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Ende der Reise:Dicke Lippe in Düsseldorf

In Sachen Selbstvermarktung kann nicht nur Düsseldorf von Amsterdam noch was lernen.

(Foto: imago stock&people)

Die Stadt sieht sich dem Vorwurf ausgesetzt, sie habe es bislang versäumt, sich fesch zu machen fürs Netz. Da sollte man sich doch mal Amsterdam als Vorbild nehmen.

Von Stefan Fischer

Klein zu denken liegt weder Politikern noch Düsseldorfern - frage einer die Kölner. So grämt sich die Düsseldorfer CDU gerade doppelt, dass ihre schöne Stadt sich touristisch ohne Not kleiner macht als, zum Beispiel: Amsterdam. Schuld daran sei die SPD. So sehen es die in der Stadt oppositionellen Unionspolitiker. Die in dem unbeholfenen Bestreben, endlich dieses Internet mitsamt der sozialen Medien für sich und ihre Heimatstadt zu nutzen, auf Instagram gestoßen sind. Und auf eine Vokabel, die sie sofort elektrisiert hat: Instagramability. Das klingt zeitgeistig, das hätten sie auch gerne.

Die saumselige, analog verschnarchte Stadtratsmehrheit aber, so der Vorwurf, habe es bislang versäumt, Düsseldorf fesch zu machen fürs Netz. Vor Amsterdams Flughafen stehe der Schriftzug "I am sterdam", eine 23 Meter lange Einladung, Selfies zu schießen. Derweil in Düsseldorf: nichts. Nicht am Flughafen, nicht am Rhein, nicht in der Kö. Das müsse sich ändern, sonst kämen nie Touristen, schon gar keine jungen, wenn sie denn nicht auf Instagram für alle erkennbar beweisen können, dass sie dagewesen sind.

Doch welche Buchstabenfolge soll man ins Stadtbild räumen? "Ich bin ein Neandertaler", "Domloses Düsseldorf" oder doch lieber "Wir können alles außer Fußball"? Und wem ist geholfen, wenn sich wie in Amsterdam bald wieder jedes Wochenende 428 Junggesellenabschieds-Horden durch die Altstadt saufen und grölen?

All das könnte vielleicht so ein Algodingsbums ermitteln. Dafür würde die Düsseldorfer CDU bestimmt sogar ein paar Bots einstellen.

© SZ vom 28.05.2020
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