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Ende der Reise:Après-Piña-Colada

Rodeln ist - Trend hin, Sicherheit her - die demokratischste aller Wintersportaktivitäten. Es braucht weder Lifte noch echtes Können. Da reicht schon ein Blick nach Hawaii, wo man mit dem Papaholua über Lavahänge hinabrauscht.

Von Dominik Prantl

Weil es sich nicht nur als Journalist gut anfühlt, zum Aufstehen morgens mindestens ein Symptom des Weltenlaufs zu beklagen, heute dieses: Rodeln ist auch nicht mehr das, was es einmal war. Rodeln ist inzwischen nämlich nicht mehr einfach nur ein Spaß, sondern schlicht der absolute Wahnsinnstrend, also voll mega oder wie das in der Jugendsprache sonst gerade heißt. Deshalb werden Rodelstrecken heute auf Webseiten zur schnellen Übersicht gebündelt und mit allem garniert, was für viele zum Wintersport dazu gehört und Geld bringt: Sicherheitsausrüstung, Diplomlehrgang, Party.

Um jetzt aber nicht nur wieder schlecht gelaunt rumzublöken: Rodeln ist - Trend hin, Sicherheit her - immer noch die demokratischste aller Wintersportaktivitäten. Es braucht weder Liftketten noch echtes Können. Im Notfall tut es an einem Hügel des Englischen Gartens oder bei Großdingharting auch eine Tiefkühltüte vom Aldi, auch wenn das in Zeiten der SUV-Schlitten keiner mehr macht. Schlitten- ist, anders als Skifahren, im Grunde auch auf der ganzen Welt möglich. Es lassen sich Rentiere und andere Renntiere davor spannen, und es funktioniert sogar ganz ohne Schnee.

Auf Hawaii zum Beispiel gibt es den Papaholua (welch ein wundervoller Name im Vergleich zu: Schlitten!), ein aus Holz gefertigtes und nur gut handbreites Gestell, mit dem sich über mit Gras bewachsene oder mit Lavagranulat belegte Berghänge gleiten lässt. Das ist jetzt natürlich reines Google-Wissen, weil kein normaler Weltenlauf-Kläger auf den Gedanken käme, sich im Stile hawaiianischer Krieger mit bis zu 100 Stundenkilometern über die Pisten eines Vulkans hinabzustürzen. Allerdings sollte sich die Reiseindustrie das Ritual mal genauer ansehen. Ganzkörper-Protektoren für Master-Studiengänge im Lava-Schlitteln und danach der Après-Papaholua-Piña-Colada - da lässt sich doch noch einiges machen.

© SZ vom 07.02.2019
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