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EM-Unterkunft der Nationalmannschaft:Auch andere Verbände waren interessiert

Es ist ohnehin ein sehr exquisiter Ort, den sich der DFB da ausgesucht hat. Das Nationalteam bezieht im Danziger Stadtteil Oliwa einen stilvoll restaurierten Gutshof aus dem 17. Jahrhundert, mit Fachwerk, Reet-Dach und mit einem Haus-Bächlein vor der Tür. Es ist das Anwesen einer Künstlerin, die offenbar viel Zeit hatte, sich auszutoben. Zu viel Zeit vielleicht. Jede Fahrstuhltür, jede Zimmerkommode ist mit barocken Schnörkeln verziert. Auf dem Hof steht eine Art Playboy-Häschen-Installation. Ansonsten ist es aber schön.

Hotel Dwor Oliwski nahe Danzig

Der ehemalige Gutshof aus dem 17. Jahrhundert wurde zur Fünf-Sterne-Herberge umgebaut. Das Hotel Dwor Oliwski liegt rund zehn Kilometer von Danzig entfernt.

(Foto: dapd)

Oliwa war bis 1926 eine eigenständige Stadt, seither gehört es zu Danzig. Es ist trotzdem eine eigene Welt geblieben. Die umtriebige Dreierstadt Danzig, Gdynia und Sopot ist nur wenige Kilometer entfernt. Sie ist geprägt vom Meereswind der Danziger Bucht und vom Baulärm des Aufschwungs. Die Altstadt von Oliwa hingegen liegt zwischen sanfte Hügel gebettet in einem verschlafenen Winkel, der den schönen Namen Tal der Freude (Dolina Radosci) trägt.

Die letzten Meter zum Dwor Oliwski führen über zerfurchtes Kopfsteinpflaster direkt in die makelloseste pommersche Dorfidylle hinein. Löws Spieler werden inmitten einer Schrebergartenkolonie wohnen, umringt von kleinen Parzellen des Spießerglücks, die von schlecht gelaunten Hunden bewacht werden. Wenn man sich aber ein bisschen konzentriert und die Winde günstig stehen, dann kann man sogar Elefanten hören. Der Zoo von Oliwa ist in Rufweite.

Buchungsanfragen aus Spanien und Frankreich

Man sollte dieses Städtchen mit seinen rund 20.000 Einwohnern ohnehin nicht unterschätzen. Der Dom von Oliwa gilt als "die längste Kirche Polens". Er misst 107 Meter vom Eingangstor bis zur Apsis. Und es muss kein schlechtes Omen sein, dass er damit ziemlich genau der Standardlänge eines Fußballfeldes entspricht. Kein Wunder, dass sich auch andere Verbände für dieses Quartier interessiert haben. Izabela Wilczynska erzählt, die Nationalteams von Spanien und Frankreich hätten bei ihr ebenfalls eine Buchungsanfrage gestellt. Sie hat sich für die Deutschen entschieden. "Die haben zuerst gefragt", sagt sie.

Jetzt, da alle Verträge unterschrieben sind, geht es für Wilczynska darum, die Nachfragen aus Deutschland zu bearbeiten. "Seit sechs Monaten telefonieren wir fast jeden Tag mit dem DFB", sagt sie. Worüber? "Darüber, wo die Playstations aufgebaut werden, zum Beispiel. Und über Details der Speisekarte."

Herkömmliche Gäste wie Kylie Minogue und Lech Walesa schätzen das Oliwski gerade für seine Detailliebe in der Küche. Bevor es ein Hotel wurde, war es ein Restaurant. Das Essen gehört noch immer zu seinen größten Vorzügen. Die in Rotwein gedünsteten Rinderbäckchen, der Hammelrücken, das Chili-Eis und der Brunnenkressesalat sind schwer zu übertreffen. Die deutschen Fußballer bringen trotzdem ihren eigenen Koch mit. Der ist bestimmt auch nicht schlecht.