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Eismarathon in Kärnten:Exodus auf Kufen

Norbert Jank ist so etwas wie der Hüter des glatten Kapitals, und in den Niederlanden angeblich mindestens ebenso bekannt wie die Königin oder wenigstens wie Henk Angenent. Angenent avancierte spätestens seit seinem Sieg bei der letzten in den Niederlanden abgehaltenen "Elf-Städte-Tour" im Jahr 1997 zum Helden in der Heimat, "ungefähr so wie bei euch der Ballack", sagt Kronhofer.

Nun ist Jank zwar weder Monarch noch gekrönter Eisläufer, aber dafür jener Mann, der das alternative Volksvergnügen der Niederländer im Exil seit 1989 sicherstellt. Er zuckelte schon vor mehr als 40 Jahren - der Wintertourismus setzte gerade erst ein - mit dem Pferdeschlitten über den gefrorenen Weissensee, weil die winterlichen Straßen schwer zu befahren waren. Irgendwann entwickelte er ein Gefühl für das Eis. Dann kam James Bond und machte ihn unsterblich.

1987 suchten die Macher des Films "Der Hauch des Todes" eine Verfolgungsjagd-taugliche Eisfläche, nicht zu klein, aber tragfähig. Der auf 930 Meter gelegene, sechseinhalb Quadratkilometer große See war durch eine geographische Besonderheit prädestiniert: Wegen der geringen Wassertiefe im Westteil von höchstens fünf Metern kühlt er dort relativ schnell aus. So hat er zwar an etwa 100 Tagen im Jahr mehr als 24 Grad Celsius, ist aber an ebenso vielen Tagen mit Eis bedeckt. Außerdem gab es am Weissensee den Eismeister Jank: "Außer mir hat sich ja keiner ausgekannt."

Nach Bond dauert es nur zwei weitere Jahre, bis die vom Eislaufentzug bedrohte "Stichting Wintersporten" am See gastierte. Die Stiftung organisiert den Volkslauf gemeinsam mit der Gemeinde. "Im ersten Jahr hatten wir richtig schönes Spiegeleis - ohne Schnee drauf", sagt Jank, der sein Wissen seitdem stetig vertieft.

10.000 Kilometer legt er pro Jahr auf dem Eis zurück, führt dort einen ständigen Kampf gegen Niederschläge aller Art - und gewinnt ihn seit 20 Jahren zuverlässig. Im Team oder alleine räumt er Schnee, schneidet bei Regen mit der Motorsäge Abflusslöcher ins Eis oder flutet die Schneedecke darauf, auf dass der Matsch wieder gefriere.

Deshalb ist das Eis heuer auch nicht blank und glänzend, sondern etwas rissig und matt. Auch war zuletzt der weit größere Ostteil gesperrt, weshalb die Bahnen kürzer sind und eng gestaffelt. Dennoch könnte Jank bei einer Eisdicke von etwa einem halben Meter im Westteil des Sees die Räumarbeiten sogar mit einem fünf Tonnen schweren Traktor vornehmen. Noch nie sei auf dem See etwas passiert, wenn er die Fläche freigegeben habe. Gleichzeitig amtiert der 62-Jährige als Maskottchen und Botschafter in Personalunion, der Journalisten mit Sätzen wie "Autos habe ich schon zwei im See versenkt" oder "Man muss mit der Witterung arbeiten" füttert. In den Niederlanden gab es sogar schon im Sommer Interviewanfragen. Thema des Gesprächs: Was macht ein Eismeister im Sommer?

Längst wissen auch Kärntens Touristiker, was sie an Jank haben. Zum Volkslauf am vergangenen Freitag, wo manche der Läufer schon einmal eine längere Mittagspause zwischen zwei Einheiten einlegen, kam auch Landeshauptmann Gerhard Dörfler. Kronhofer spricht von 300.00Übernachtungen, die innerhalb der 14 Veranstaltungstage in der 750-Einwohner-Gemeinde gezählt werden.

Das entspricht etwa einem Drittel des gesamten Wintergeschäfts. Die Stichting Wintersporten kassiere zwar das Startgeld und neun Prozent der Übernachtungserlöse. Doch mit der vorübergehenden Kolonialisierung hat Kronhofer kein Problem, schließlich sei neben den Einnahmen auch der Imageeffekt enorm: "In den Niederlanden ist die Marke Weissensee besser bekannt als Tirol."

Jank sägt, flutet und räumt weiterhin, egal wer kommt. Mitte Februar findet ein Golfturnier statt, bereits von diesem Freitag an wird ein Gäste-Eislaufmarathon über 50 Kilometer ausgetragen und die Europameisterschaft im Eisstockweitschießen. Der Rekord liegt bei 566,53Metern. Theoretisch ist er stark ausbaufähig: Der See hat eine Länge von 11,6 Kilometern.