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Einheimische als Fremdenführer:Fragen Sie Robert!

In den Niederlanden und in New York kann man mit Einheimischen virtuell und real die Stadt erkunden. US-Schauspieler Robert de Niro ist einer der Tipp-Geber.

Wer kennt nicht das Gefühl, müde in einer neuen Stadt anzukommen und nur eines zu wollen: ein nettes Lokal zum Essen, dann einen Absacker in einer angesagten Bar und schließlich nichts wie ins Bett.

So präsentiert Robert de Niro auf nycvisit.com seinen Stadtteil Tribeca

(Foto: Foto: nycvisit.com)

Bloß, wo ist das nette Lokal und die angesagte Bar? Im Reiseführer steht zwar was drin, aber der ist auch schon zwei Jahre alt. Jetzt einen Einheimischen, der sich auskennt! Gut, man könnte einen ansprechen. Wer dafür zu schüchtern oder zu müde ist, der kann sich auch im Vorfeld seiner Reise schon mal frische Tipps bei den Eingeborenen holen, und zwar ganz bequem im Internet.

So hat das holländische Fremdenverkehrsamt eine Seite eingerichtet (http://citybreaks.holland.com), auf der Einheimische den Touristen Tipps geben, wohin sie selbst gerne gehen oder was gerade los ist in der Stadt. Joram und Madeleine aus Utrecht empfehlen, am Verkaufsstand eines surinamischen Lokals in der Oudegracht unbedingt die belegten Brote mit Huhn und Curry zu probieren.

Und Joeke aus Rotterdam rät, den neuen Amphibienbus zu nehmen, der von der Straße ins Wasser fährt und an der Skyline entlang schwimmt. Die Tipps auf der Seite sind meist mit selbst geschossenen Fotos, manchmal auch mit kurzen Videos unterlegt und werden, im Stil eines Blogs, laufend aktualisiert. Die "Insider" wurden gecastet, sagt Martin Pohl von Niederlande Tourismus, und erhalten dafür ein Taschengeld. Abgesehen von Tabuthemen wie Rotlicht und Drogen seien sie in ihrer Themenwahl völlig frei.

Ähnliches wie in den Niederlanden gibt es seit kurzem in New York, nur dass hier die Tipps aus dem Mund von prominenten Stadtbewohnern wie Robert de Niro, Julianne Moore oder Tiki Barber kommen. Die Werbekampagne "Just ask the locals" wird außer mit den in Schwarzweiß plakatierten Stars auch mit deren Originalstimme geführt.

Zwar wird der New-York-Besucher nicht vom leibhaftigen de Niro durch dessen Lieblingsviertel TriBeCa geführt, aber er kann in der Stadt die Telefonnummer 311 anrufen, und dann erzählt der Hollywoodstar vom Band, warum man unbedingt das Feuerwehrmuseum besuchen sollte oder was sein Lieblingslokal anzubieten hat.

Julianne Moore hingegen empfiehlt besonders kinderfreundliche Plätze, den Chelsea-Market etwa, wo es viele "tasting events" gebe und man die großen Kekse "mit einem Glas frischer Milch hinunterspülen" könne, dazu gebe es oft Live-Musik.

In ihrem Lieblingslokal Piccolo Angolo in der Hudsonstreet solle man auf keinen Fall die Hummer-Canelloni versäumen, auch wenn es etwas länger dauere. Und noch eins: Kinder bis sechs könne und solle man am besten im Kinderwagen durch die City befördern. Alles andere sei zu anstrengend.

Auf der Seite nycvisit.com kann man zudem die Tipps der Stars nach Kategorien abrufen und sich auf einem Stadtplan oder auf der Satellitenbilder-Seite Google Earth den Standort der Empfehlungen abrufen. Für amerikanischen Usus ungewöhnlich und bedauerlich ist, dass man sich die gesprochenen Tipps nicht einfach aus dem Netz auf seinen MP3-Player herunterladen kann.

Wer aber ohnehin lieber mit leibhaftigen Menschen zu tun haben will, der kann in New York die Dienste der Big Apple Greeters in Anspruch nehmen (www.bigapplegreeter.org). Das ist ein gemeinnütziger Verein von 300 Stadtbewohnern, die unentgeltlich und aus reinem Spaß Fremden einen halben Tag lang ihr New York zeigen.

Trinkgeld unerwünscht

Man muss sich dazu drei bis vier Wochen vorher anmelden und braucht eine New Yorker Telefonnummer, unter der die Führung bestätigt und der genaue Termin ausgemacht wird. So kann man etwa mit einem ehemaligen Broker durch den Finanzdistrikt oder mit mit einer ehemaligen Lehrerin durchs Inderviertel schlendern. Gäste können bereits bei der Anmeldung Wünsche äußern, denen die Führer dann nach Möglichkeit nachkommen.

Weil die Nachfrage groß ist, bekommt nicht jeder Angemeldete eine Führung. Wer aber das Glück hat, darf nicht einmal ein Trinkgeld geben. Den Freiwilligen ist es verboten, es anzunehmen - sie machen es wirklich, weil sie es gern tun.