Donauradweg zwischen Passau und Grein Absteigen, bitte

Am Rande des Donauradweges liegen Beisel, Mostschenken, Klöster und Kirchen. Nur wenige Urlauber nehmen Notiz davon. Sie treten in die Pedale, meist mit dem Ziel Wien vor Augen. Schade eigentlich.

Von Ingrid Brunner

Langweilig wird es Erich Aumüller wohl nie. "Wann i net fischen fahr'n kann, dann geh' i auf'n Hochstand." Beim letzten Mal habe er ganz in der Früh einen Wiedehopf gesehen, erzählt er begeistert. Was ihm frühmorgens abgesehen vom Wiedehopf vor die Flinte kommt oder ins Netz geht, landet auf seiner Speisekarte. So beginnt mit dem Maibock, dem einjährigen Rehbock, die Wildsaison beim Aumüller, und ab Juni, nach der Schonzeit, bereiten er und seine Frau Maggy fangfrischen Wels, Zander und andere Donaufische für die Gäste zu.

Der umtriebige Wirt des Fischgasthofs in Obermühl hat ständig neue Ideen, man fragt sich, wann dieser Mann schläft. So macht er auch noch preisgekrönten Birnenmost und hat sich zum Mostsommelier fortgebildet. Und weil ihm immer noch etwas Neues einfällt, hat er sich einen kleinen Elektrozug zugelegt, mit der er seine Gäste vom Wirtshaus zur Verkostung in die eigene Mosterei befördert. Dort sitzen die Gäste bei einem Gläschen Donauperle, Aumüllers Birnenfrizzante, und beobachten Bachstelzen und Schwalben, wie sie über der Donau den Fliegen hinterherjagen.

Dem Wirt liegen die alten Birnensorten am Herzen, etwa die Speck- oder die Hirschbirne. Oder die Winawitzbirne, "die hat ein so feines Aroma, da denkst, du trinkst an Wein". Der Pflege der Winawitz und anderer fast vergessenen Sorten ist ihm wichtig, deshalb pflanzt er davon junge Setzlinge in seinen Obstwiesen. Nach der Mostprobe ist mancher Besucher dankbar, den kleinen Zug zurück zum Wirtshaus nehmen zu können. Noch besser, man kommt, wie das Gros der Gäste, mit dem Fahrrad - oder mit dem Schiff. Aumüllers Gasthof liegt am Donauradweg, der in Oberösterreich mit bewaldeten Uferhängen, Wiesen, Klöstern und Burgen landschaftlich besonders reizvoll ist.

Ob Most, Fisch, Wild: Die Gäste wollen wissen, wo was herkommt

Die Region ist geprägt von Familienbetrieben, Cafés, Wirtshäusern, Frühstückspensionen, kleinen Hotels. Hotelketten sucht man hier vergebens. Man setzt lieber auf die lokale Karte. Die Gäste wollten wissen, wo was herkommt, sagt Aumüller. Der Most, der Fisch, das Wild, ehrliche Küche, das gehöre zum Charakter der Region. Das Natürliche und Beschauliche, verbunden mit Qualität und Herzlichkeit, suchen und finden die Urlauber hier. Entschleunigung nennt sich das neuerdings, hier heißt es Gemütlichkeit, und die gibt's schon lang.

Mit 2850 Kilometern ist die Donau der zweitlängste Fluss Europas, sie fließt durch zehn Länder. Der Donauradweg verläuft von den Quellen Brigach und Breg im Schwarzwald bis ins Schwarze Meer. Für den Streckenabschnitt Oberösterreich zählte die Arbeitsgemeinschaft Donau Österreich vergangenes Jahr 18,5 Millionen Übernachtungen und 8,7 Millionen Ankünfte. 682 000 Radfahrer waren 2016 am Donauradweg unterwegs, 6,4 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die Strecke ist sehr populär, besonders bei Deutschen und Österreichern. Wegweiser, Gepäcktransport, Räderverleih, E-Bike-Ladestationen und Radwerkstätten sorgen dafür, dass Radurlaub für Familien, Schulklassen, ältere Menschen und Individualreisende möglich ist: 68 Prozent der Radfahrer organisieren ihre Tour selbst. Liebenswert sind die kleinen hölzernen Radfähren.

SZ-Karte

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Reiseinformationen

Der Fischgasthof Aumüller ist zwischen Juni und September ohne Ruhetag geöffnet. Übernachtung im DZ p. P. und Nacht ab 35 Euro mit Frühstück. (www.fischgasthof.at). Proben im Mostkeller nur nach Reservierung (www.mostkeller.at).

Das Hotel Donauschlinge liegt direkt an der Schlögener Schlinge (www.donauschlinge.at). Von dort führt ein Weg hinauf zum Aussichtspunkt sowie zum Donausteig, einem 450 Kilometer langen Weitwanderweg zwischen Passau und Grein (www.donausteig.com).

Das Kloster Engelszell bietet Führungen für Gruppen ab 10 Personen und nur bei Voranmeldung an unter: pforte@stift-engelszell.at, www.stift-engelszell.at.

Läutet man die Glocke, tuckert sie schon herüber. Zwei Euro fünfzig kostet die Überfahrt, inklusive Rad und einem Plausch mit dem Fährmann. So bietet der Rudi an der Schlögener Schlinge gleich ein Schnapserl an und zeigt seinen Passagieren, wie schön hier die Donau ihre 180-Grad-Wende macht und mal eben die Fließrichtung wechselt.

An der Schlögener Schlinge bietet sich einer der schönsten Blicke auf die Donau. Ein kleiner, steiler Weg hinter dem Hotel Donauschlinge führt hinauf zum Aussichtspunkt. Von oben überblickt man den ungewöhnlichen Lauf des Stroms, der den Vergleich mit dem berühmten Horseshoe Bend des Colorado River nicht scheuen muss, nur dass an den Donauufern viel grüner Wald statt nacktes rotes Gestein zu sehen ist. Grün, nicht blau, ist die Donau. Ein grünes Band, an dem sich Kuriositäten und Preziosen aneinanderreihen. Und es wäre schade, in die Pedale zu treten und an all dem einfach vorbeizufahren.

Eine solche Preziose ist das prächtige Stift Engelszell, in dem seit 1786 Trappisten leben. Doch nun sind es ihrer nur noch fünf. Allein die Instandhaltung kostet ein Vermögen, nicht zu reden von den Renovierungsarbeiten. Der berühmte Klosterlikör mit seinen 42 Kräutern, Wurzeln und Gewürzen allein brachte nicht genug Geld ins Haus. Sie mussten sich etwas einfallen lassen.

Mittlerweile gibt es einen Klostershop mit Likören, Tees und Andenken, die man auch online bestellen kann. Seit 2012 braut man in Engelszell auch wieder Trappistenbier. "Die Idee kommt von unseren Brüdern in Belgien, deren Spezialbier so begehrt ist, dass sie es sogar exportieren", erklärt Prälat Marianus Hauseder.

Drei Sorten sind es schon geworden, die nach Mitbrüdern benannt sind: Gregorius, Benno und Nivard. Viele Besucher wundern sich, dass Prälat Marianus so unverkrampft plaudert. "Wir schlafen nicht in Särgen und wir haben kein Redeverbot", erklärt er ein wenig pikiert. Dieses hartnäckige Klischee fuchst ihn ein wenig.

Richtig sei jedoch, dass es Orte und Zeiten im Klosteralltag gebe, an denen nicht gesprochen, allenfalls geflüstert wird. Marianus Hauseder führt im Plauderton Gruppen durch das Kloster und erklärt in der Kirche die herrlichen Fresken von Bartolomeo Altomonte. Als Bartholomäus Hohenberg reiste der Österreicher nach Rom, um die Kunst der Freskenmalerei zu erlernen und kehrte als Bartolomeo Altomonte zurück in die Heimat. Leider zerstörte ein Wasserschaden das Deckenfresko im Langhaus.

Der Wiener Kunstprofessor und Maler Fritz Fröhlich hat 1957 das Fresko "Die Chöre der Engel und Maria als Königin" in den alten Farben - Blau und Rosa zeitgemäß neu gestaltet - ein umstrittenes Unterfangen. Doch sollte man ein altes Fresko neu malen? Nun kommen die Besucher, um das Werk zu bestaunen. Das alles erzählt Prälat Marianus und scherzt: "Da sehen Sie, was passiert, wenn ein Trappist ins Reden kommt."