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Diebische Urlauber:Die Kuschel-Räuber

"Ich packe meinen Koffer und nehme mit ..." - nur die Hotels wollen da nicht mehr mitspielen.

(Foto: Illustration: Bene Rohlmann)

Deutsche klauen im Hotel am liebsten Handtücher und Bademäntel. Es ist an der Zeit, das ganze Frottee wieder zurückzubringen.

Auf nichts kann man sich mehr verlassen, heißt es gern. Doch dann, irgendwo zwischen Diesel, Trump und Dauerregen, die Nachricht über wenigstens eine Konstante im wankelmütigen 2017: Die Deutschen klauen in Hotels immer noch am liebsten Handtücher und Bademäntel. Das Land mag es eben flauschig.

Während wir uns heimlich mit Tuch bestücken, nehmen die Österreicher hingegen lieber Kaffeemaschinen mit, in Italien steht man auf das Weinglas und in der Schweiz auf den Föhn, während die französischen Gäste am häufigsten Fernsehgeräte mitgehen lassen. Nur die Holländer geben sich bescheiden und beschränken sich auf Glühbirnen und Toilettenpapier, so die Umfrage eines Internetportals.

Am Ende kommen die Hotels mit dem geklauten Kleinkram noch ganz gut weg. Denn in Vier- und Fünf-Sterne-Häusern werden Kunstwerke und sogar Matratzen eingepackt. Die dicken SUVs in der Tiefgarage sind unter diesem Gesichtspunkt betrachtet tatsächlich sinnvoll.

Reise-Knigge Hotel

Schön, dass Sie da waren!

Bestürzendes in Sachen Hotel-Klau ist auch aus Teneriffa zu hören. Drei von vier Urlaubern setzen dort bereits auf illegale "Souvenirs" - was die Hoteliers nun mitunter dazu veranlasst hat, die Zimmerpreise anzuheben. Irgendwie müssen die Handtücher ja bezahlt werden, die jetzt in Lippstadt und Lübeck hängen.

Gewiss ist es sehr ärgerlich, die Zimmer am Morgen halb leer aufzufinden. Doch ein Handtuch lässt sich leicht ersetzen, ein abgetrennter mumifizierter Zeh hingegen nicht. Der wurde Mitte Juni aus der Bar des Downtown Hotels im kanadischen Dawson City geklaut. Der verschrumpelte Füßling ist ein entscheidendes Utensil für den Signature Drink des Hauses, den "Sourtoe Cocktail". Der kommt mit ins Whisky-Glas und soll beim Trinken die Lippen des Gastes berühren.

Der Zeh war erst kurz zuvor gespendet worden und lag sechs Monate lang in Salz, bevor er zur gastronomischen Mutprobe wurde. Da konnten auch die Ersatz-zehen im Schrank den Hotelmanager nicht mehr trösten. Zum Glück ist das Stück Mensch inzwischen wieder aufgetaucht, der Dieb hatte ihn reumütig mit einem Entschuldigungsschreiben wieder zurückgeschickt.

Liebes Deutschland, nimm dir daran doch ein Beispiel. Pack das geklaute Frottee der vergangenen Urlaube ein und leg es dem Hotelier bei der Abreise aufs Bett. Der wird staunen! Vielleicht dreht er sogar am Preis.

Denn eins lieben die Deutschen noch mehr als Handtücher: Rabatt.

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Zwei Nächte im "schlechtesten Hotel der Welt"

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