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Kreuzfahrt-Vorlieben der Deutschen:Deutsche Reedereien vermitteln Sicherheit

Genau das aber könnte jetzt von Vorteil sein. Nicht nur, weil das schlanke Schiff durch den ebenso beeindruckenden wie engen Kanal von Korinth passt. Seit dem Costa-Unglück sei die Skepsis gegenüber Kreuzfahrt-Riesen gewachsen, sagt Dörnberg. Viele Kunden suchten derzeit gezielt nach Angeboten deutscher Reedereien - oder solcher, die sie für deutsch halten, obwohl der Mutterkonzern international ist. "Deutsche Gründlichkeit, deutsches Personal, das vermittelt subjektiv Sicherheit."

Profitieren könnten von diesem Trend die Anbieter von Flusskreuzfahrten, die ihre Flotte ebenfalls vergrößern. Laut DRV-Statistik unternahmen im Vorjahr 460.000 Deutsche eine Flussreise - 30.000 mehr als 2010. Beliebt ist vor allem die Donau, gefolgt nach wie vor vom Nil sowie dem Rhein mit seinen Nebenflüssen.

Urlauber, die aufs Meer hinausfahren, bevorzugen laut der vom Touristik-Professor Dörnberg mit herausgegebenen "Kreuzfahrtanalyse 2012" das westliche Mittelmeer. Auch in den Norden zieht es viele: nach Norwegen, Island, Spitzbergen, Grönland. Erst danach kommen die Kanarischen Inseln, die Karibik und die Ostsee.

Dabei ist die Route das wichtigste Auswahlkriterium für die Buchung - ein Umstand, der die Verfasser der Studie überrascht hat. "Wir hatten gedacht, dass das Schiff als Destination eine größere Rolle spielt." Für die Reisenden aber scheint das Schiff eher Mittel zum Zweck zu sein, ein schwimmendes Hotel, das einen von Stadt zu Stadt bringt. Man will entspannen, sich erholen - und dabei möglichst günstig reisen, zumindest aber mit kalkulierbaren Kosten. Rund 80 Prozent der Befragten gaben an, dass ihnen all-inclusive wichtig ist, wobei auch die Trinkgelder enthalten sein sollten.

Passagiere aus anderen Ländern stören nur

Besonders wichtig ist den deutschen Urlaubern auch die Gastronomie an Bord. Die Bedienung sollte freundlich sein - und des Deutschen mächtig. Überhaupt bleibt der deutsche Urlauber an Bord am liebsten unter sich. Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, sich durch einen internationalen Gäste-Mix gestört zu fühlen. Was wiederum die Frage aufwirft, wie das zusammengeht mit dem Urlaubsmotiv, das die Befragten bei der DRV-Kreuzfahrtstudie an erste Stelle setzten: fremde Länder und Kulturen entdecken.

"Über den Zaun gucken und betrachten ist in Ordnung. Aber dann zieht man sich in seine Komfortzone zurück", erklärt Dörnberg. Deutsches Schiff, deutsches Personal, deutsche Mitreisende: Das verspricht Heimatgefühl in der Fremde.