Unesco-Welterbe: Fagus-Werk:Der Ursprung des Bauhauses

Das Fagus-Werk im niedersächsischen Alfeld wurde nicht für seine Schuhleisten berühmt, sondern wegen eines genialen Schachzuges von Firmengründer Carl Benscheidt: Er überließ dem späteren Bauhaus-Gründer Walter Gropius die Planung des Geländes - eine historische Galerie.

Katja Schnitzler

14 Bilder

Gute Chancen fuer Welterbestatus der Fagus-Werke

Quelle: Fagus-Grecon Alfeld/dapd

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Das Fagus-Werk im niedersächsischen Alfeld ist vor hundert Jahren nach den Plänen des Bauhaus-Gründers Walter Gropius ausgebaut worden. Das Erstlingswerk gilt als Ursprungsbau für das Bauhaus Dessau und zieht laut Firmenchef Ernst Greten pro Jahr bis zu 15.000 Besucher an, für die eigens eine Ausstellungshalle eingerichtet wurde.

Nun ist die denkmalgeschützte Fabrik in die Welterbeliste der Unesco aufgenommen worden. "Wir sind ein lebendiges Denkmal", sagt der Leiter der Fagus-Gropius-Ausstellung, Karl Schünemann, mit Stolz - im Hauptgebäude werden noch immer Schuhleisten produziert. Die Grundlage schuf vor hundert Jahren ...

Fagus Werk Alfeld

Quelle: Fagus-Grecon

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... der mittelständische Unternehmer Carl Benscheidt: Er ließ dem damals noch unbekannten Walter Gropius weitgehend freie Hand bei der Planung des Fabrikgeländes in Alfeld (an der Leine, im Landkreis Hildesheim), obwohl dies das Erstlingswerk des späteren Bauhaus-Gründers war.

1911 sind auf dem flachen Bau der Schuhleistenproduktion nur wenige Dachfenster, durch die Licht fällt.

Fagus Werk Alfeld

Quelle: Fagus-Grecon

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In der zweiten Bauphase ließ Carl Benscheidt die Fabrik nach zwei Jahren auf die doppelte Größe ausbauen: Die Stangen markieren die künftige Rückwand des heute berühmten Hauptgebäudes. Denselben Blickwinkel auf den fertigen Bau ...

Fagus Werk Alfeld

Quelle: Fagus-Grecon

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... zeigt dieses Bild aus dem Jahr 1913/14. In der Mitte des schmalen Verbindungsbaus ist bei genauem Hinsehen zu erkennen, dass man dort große Teile der Fensterfront zur Seite schieben kann, während sich im Hauptgebäude (rechts) jeweils die vier mittigen Fenster der großen Glasflächen öffnen und für einen optimalen Durchzug auch drehen lassen.

Fagus-Werk

Quelle: Karl Schünemann/dpa

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"Die Belüftung funktioniert hervorragend. Architekten bewundern das heute noch", sagt Karl Schünemann, der sich um die Fagus-Gropius-Ausstellung und um den Unesco-Antrag kümmert - gemeinsam mit Firmenleiter Ernst Greten, dem Urenkel von Gründer Carl Benscheidt.

Fagus Werk Alfeld

Quelle: Fagus-Grecon

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Bei der Planung der großen Lagerhalle wurde auf große Fensterfronten verzichtet, schließlich sollte hier nur das Buchenholz für die Leisten an der Luft trocknen (Fagus ist der wissenschaftliche Name der Buche). Heute wird die ehemalige Lagerhalle für Besucher genutzt, da die Schuhleisten inzwischen aus Kunststoff gefertigt werden. In den Ausstellungsräumen ...

Fagus-Werk in Alfeld als Weltkulturerbe nominiert

Quelle: dpa

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... sind auf 3000 Quadratmetern Fläche (im weißen Gebäude rechts im Bildhintergrund) nun mehrere Themenbereiche zu besichtigen. Anlässlich der Expo 2000 in Hannover "bekamen wir den Zuschlag zur finanziellen Förderung und konnten so das Gebäude erhalten", berichtet Firmeninhaber Greten. So können sich Besucher unter anderem über die Baugeschichte und die Zusammenarbeit mit Walter Gropius, über die Restaurierung des Fagus-Werkes sowie über Schuhproduktion früher und heute informieren - und Exemplare aus hundert Jahren Schuhmode bewundern. Nur nach Voranmeldung finden auch Führungen in die Schuhleistenabteilung statt - und damit in den berühmten Gropius-Bau, in dem immer noch gearbeitet wird. "Das soll kein totes Denkmal werden mit höchstens noch kultureller Nutzung", betont Greten.

Fagus Werk Alfeld

Quelle: Fagus-Grecon

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Beim Bau 1911 (Blickwinkel aus Sicht der Hannoverschen Straße) wurde das Material mit kleinen Loren auf dem schmalen Gleis (diagonal im Bildvordergrund) auf das Gelände geschafft.

Fagus Werk Alfeld

Quelle: Fagus-Grecon

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Von den Bahngleisen aus sollten die Vorbeifahrenden auf der Strecke Hamburg-Frankfurt einen guten Blick auf das moderne Gropius-Hauptgebäude (links im Bild) haben - so war der Neubau durchaus auch als PR-Strategie gedacht. Das Lagerhaus (rechts) wurde zwei Jahre später nochmals vergrößert. Das Konzept, junge Künstler zu fördern und damit zugleich die eigene Firma bekannter zu machen, führte auch der Sohn von Carl Benscheidt, Karl Benscheidt (1888-1975), erfolgreich weiter. Er beauftragte im Jahr 1928 ...

Fagus-Werk Alfeld

Quelle: Albert Renger-Patzsch

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... den Fotografen Albert Renger-Patzsch, ein Vertreter der Neuen Sachlichkeit in der Kunst, der auch Industriebauten als abbildenswert ansah. Bei der Produktion entstand ...

Foto: Albert Renger-Patzsch Titel: Fagus-Werke, Alfeld/Leine, Fagus-Schriftzug auf der Eingangsmauer. Datierung: 1924, Aufnahme 1928. Copyright: Albert Renger-Patzsch Archiv, Ann und Jürgen Wilde, Zülpich / VG Bild-Kunst Bonn 2011. Bildnachweis: Bauhaus-Archiv Berlin

Fagus-Werk Alfeld

Quelle: Albert Renger-Patzsch

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... eines der bekanntesten Bilder von Renger-Patzsch, das Schuhbügeleisen im Fagus-Werk zeigt. Ebenso wie beim Abbild der ...

Foto: Albert Renger-Patzsch, Titel: Fagus-Werke, Alfeld/Leine, Schuhbügeleisen. Datierung:1928, Copyright: Albert Renger-Patzsch Archiv, Ann und Jürgen Wilde, Zülpich/VG Bild-Kunst Bonn 2011. Bildnachweis: Bauhaus-Archiv Berlin, Repro: Markus Hawlik

Fagus-Werk Alfeld

Quelle: Albert Renger-Patzsch

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... Schuhleisten ist das Motiv streng graphisch aufgebaut, die Objekte sind aus ihrem Umfeld gelöst und per Ausschnitt ins Zentrum der Betrachtung gerückt - ihre Schönheit wird durch die große Anzahl hervorgehoben. Für die Tiefe in seinen Bildern, die jahrzehntelang die Produktfotografie beeinflussten, sorgen die ...

Foto: Albert Renger-Patzsch, Titel: Fagus-Werke, Alfeld/Leine, Musterzimmer mit den Produkten des Fagus-Werkes: Schuhleisten (Ausschnittvergrößerung) Datierung: 1928. Copyright: Albert Renger-Patzsch Archiv, Ann und Jürgen Wilde, Zülpich / VG Bild-Kunst Bonn 2011. Bildnachweis: Bauhaus-Archiv Berlin, Repro: Markus Hawlik

Fagus-Werk Alfeld

Quelle: Albert Renger-Patzsch

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... streng angeordneten Senkrechten und Waagrechten der Industriebauten, wie sie Albert Renger-Patzsch beim Fagus-Werk von Gropius vorfand.

Anlässlich des hundertjährigen Jubiläums des Gropius-Fagus-Werkes zeigt das Bauhaus-Archiv Berlin vom 22. Juni bis 28. August 2011 die Sonderausstellung: "Die Moderne im Blick. Albert Renger-Patzsch fotografiert das Fagus-Werk". Die Fotoserien aus den Jahren 1928 und 1952 bilden Architektur, Produkte und deren Herstellungsprozesse, aber auch Porträts der Firmeninhaber ab.

Foto: Albert Renger-Patzsch Titel: Fagus-Werke, Alfeld/Leine, Ansicht von Hauptgebäude und Kesselhaus von Süden. Datierung:1911-1925 (Aufnahme 1952) Copyright: Albert Renger-Patzsch Archiv, Ann und Jürgen Wilde, Zülpich/VG Bild-Kunst Bonn 2011. Bildnachweis: Bauhaus-Archiv Berlin

fagus-werk

Quelle: Albert Renger-Patzsch

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Die beiden Serien werden von Aufnahmen Renger-Patzschs von deformierten und gesunden Fußskeletten ergänzt sowie von Natur- und Landschaftsaufnahmen. Diese stammen aus dem Privatbesitz des Fagus-Junior-Chefs Karl Benscheidt jr., der ein großer Förderer des Fotografen war.

Foto: Albert Renger-Patzsch. Titel: In der Mitte eingesunkener alter Herrenschuh. Datierung: 1926 Copyright: Albert Renger-Patzsch Archiv, Ann und Jürgen Wilde, Zülpich/VG Bild-Kunst Bonn 2011. Bildnachweis: Bauhaus-Archiv Berlin

© sueddeutsche.de/kaeb/dd/mit Material der dpa/bgr
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