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Deutsche Inseln: Sylt:Goldener Sand

Sundown at beach, Kampen, Sylt Island, Northern Frisia, Schleswig-Holstein, Germany

Sonnenuntergang am Strand in Kampen.

(Foto: Sabine Lubenow/JAI/Corbis)

"Sylt, das Saint-Tropez des Nordens", hieß es kürzlich. Die Bismarcks, Krupps und Sachs' machten hier früher Party bis zum Umfallen, auch heute kommt die Schickeria. Ein Besuch.

Die echten Sylt-Liebhaber erkennt man schon von weitem, sie tragen blaue, rote und grüne Hosen, kombiniert mit Kapuzenjacken, die sie aber am Strand sofort ablegen, wenn sie bei ihrer Lieblingsdüne Quartier beziehen. Anders als Insel-Neulinge, die unter einer Decke im Strandkorb liegen, springen die Liebhaber sofort ins Wasser: Für sie sind die 16 Grad Wassertemperatur völlig in Ordnung. Die Familie vom Strandkorb nebenan kriegt gar nicht genug vom aufgepeitschten Meer, eine halbe Stunde schon kämpfen die beiden halbwüchsigen Söhne mit den Monsterwellen - offenbar handelt es sich um Nachkommen eines besonders unempfindlichen Wikinger-Stammes.

Willkommen auf Deutschlands nördlichster Insel, willkommen auf Sylt, wo man in diesem Sommer der Superlative sicher sein kann, nicht schwitzen zu müssen: Während die Menschen in München, Frankfurt und Berlin unter der Hitze leiden, kriegen die Gäste auf Sylt stets die übliche Nordseebrise ab. Was natürlich nichts an der Popularität dieses Ortes ändert, den nun sogar die Franzosen cool finden. "Sylt, le Saint-Tropez du Nord", so schrieben kürzlich die Autoren von Le Figaro, wobei sie gnädigerweise unerwähnt ließen, dass Brigitte Bardot bei ihrem Inselbesuch buchstäblich kalte Füße bekam.

Wer die Sonnenseite von Sylt bewundern will, ist in Kampen richtig. Zwischen dem Roten Kliff und der Buhne 16, dem angesagten Bretterbuden-Restaurant in den Dünen, liegt einer der schönsten Strandabschnitte der Insel. Das Dorf selbst ist mit seinen gentrifizierten Reethäusern, den Designerläden und den auf Understatement getrimmten Edelrestaurants das Lieblingsdomizil von Leuten, die noch nie einen Pauschalurlaub gebucht haben. Man bleibt hier gerne unter sich, obwohl auch die Touristen aus den günstigeren Hotels in Westerland gerne mal mit dem Fahrrad nach Kampen radeln und sich dann die kapitalen Kuchenstücke in der "Kupferkanne" einverleiben, dem sympathischen Familien-Café mit Blick auf das östlich gelegene Wattenmeer.

Für die verwöhnteren Gäste gibt es auf Sylt eine ganze Reihe von Lokalen, in denen man sich an der Nordsee wie zu Hause fühlen soll. Das "Gogärtchen" zählt definitiv dazu. Florian Hühne sitzt etwas abseits in der Nachmittagssonne auf der Terrasse seines Lokals, er hat ausnahmsweise Zeit für einen Cappuccino. Gemeinsam mit seiner Partnerin Christina Hässler hat der 30-jährige Gastronom das beliebte Lokal am Strönwai im Winter 2013 übernommen, seitdem erhält es Bestnoten von Kritikern und Gästen. "Bei uns sitzt man ein wenig enger zusammen. Und man darf gerne seinen Hund mitbringen, das gefällt nicht allen", erzählt Hühne. Auch abends geht es im Gogärtchen relativ zwanglos zu; man verzichtet auf weiße Tischdecken und die üblichen Accessoires, die ein Restaurant ambitionierter wirken lassen, als es ist.

Das alte Geld ist hier genauso zu Hause wie das neue Geld, aber das heißt noch lange nicht, dass man als Gastronom automatisch von den teilweise absurden Preissteigerungen profitiert, die der Sylter Immobilienmarkt zu verzeichnen hat. Um überhaupt an ein Prestigeobjekt wie das Gogärtchen zu kommen, braucht man erst mal Kontakte. Und Geduld. "Geldgeber, Vermieter und Lieferanten - das sind ja alles Sylter, die brauchen Zeit, bis sie dir vertrauen", sagt Hühne. Sein Vorteil sei, dass er vom Land komme, aus dem kleinen Dorf Wacken in Schleswig-Holstein, wo jeder jeden kennt, sofern nicht gerade die Heavy-Metal-Fans einfallen. Er kennt die Mentalität der Friesen, die gerne auf stur schalten.

Deutschland Seepferdchen im Wattenmeer
Nordsee-Insel Wangerooge

Seepferdchen im Wattenmeer

Ein Tag am Strand der kleinen ostfriesischen Insel Wangerooge ist wunderbar: Das finden manchmal zu viele Leute. Am schönsten und einsamsten ist das Eiland im Osten kurz vor Sonnenuntergang.

Der Wind hat sich gelegt, der Sonnenuntergang auf der Uwe Düne, dem höchstgelegenen Punkt auf Sylt, sieht jetzt so aus wie von einem jener Expressionisten gemalt, die sich schon vor hundert Jahren von der herben Naturschönheit inspirieren ließen. Auch die Ausflügler, die zu Fuß oder mit dem Rad die Insel erkunden, haben ihre Funktionsjacken abgelegt.

Zeit für einen Absacker im "Pony Club", wo man die Blau-, Rot- und Grünhosenträger vom Strand wiedertrifft. Das Pony tarnt sich, wie alles in Kampen, als reetgedecktes Traditionshaus. Obwohl der Chef einer jener redseligen und stets gebräunten Südtiroler ist, die überall zu Hause sind. Oskar Schnitzer, 53, trägt gerne weiße Hemden mit breitem Kragen; er zählt zu den alerten Insel-Unternehmern, die immer erreichbar sind, wenn sie nicht gerade ihren Schönheitsschlaf machen. Schnitzer schläft gerne am späten Nachmittag, weil er ja oft erst um fünf Uhr in der Früh ins Bett kommt. "Solange mich die Gäste brauchen, bin ich da", erzählt er.

Seit 1981 führt Schnitzer den Klub, in dem früher die Bismarcks, Krupps, Springers, Flicks und Sachs' Party machten bis zum Umfallen. Große Namen, mit denen sich die Insel bis heute schmückt, aber in diesen Tagen, in der Hochsaison, braucht man keine Werbung: Das Pony hat ja ohnehin eine rührend kleine Tanzfläche, dafür aber eine Außenbar, an der sich nach Mitternacht die Düsseldorfer mit den Hamburgern vereinigen und die Dortmunder Oberblondine mit der Reibeisenstimme zu später Stunde ihren Kitesurfer-Ehemann lieber mal nach Hause schickt.

"Die Leute sind hier lockerer als zu Hause, die geben gerne auch mal ein bisschen mehr Trinkgeld", sagt Schnitzer. Goldene Zeiten also in Kampen, wo man für ein Ferienhaus locker ein paar Millionen hinlegen muss? Nun ja, die nachwachsende Generation ist offenbar doch ein wenig unsteter als die ihrer Eltern: "Da muss nur mal die Wetter-App drei Tage Regen ankündigen - schon sind sie weg, auf Ibiza."

Am Tag danach, die Schickeria aus dem "Saint Tropez des Nordens" bereitet sich auf einen weiteren kühlen Strandtag vor. Edda Raspé steht im Sonnenlicht vor ihrem Haus in Morsum. Wer ein persönliches Unikat aus Sylt mit nach Hause nehmen will, wird bei der Goldschmiedin fündig. Edda Raspé verwendet für ihren Schmuck die Steine, die sie am Strand findet. Das alte Friesenhaus, in dem die Künstlerin jetzt gemeinsam mit ihrem Sohn Jonas und dessen Familie lebt, hat noch den Charme der Einfachheit, den man auf Sylt immer seltener findet. Weil jedes Jahr wieder ein paar Alteingesessene der Versuchung erliegen und ihre Immobilien an den Meistbietenden verkaufen - um dann am billigeren Festland von dem Geld sehr gut zu leben.