Süddeutsche Zeitung

Deutsche Bewerber für Unesco-Weltkulturerbe:Einzigartig! Oder doch nicht?

  • Vom 28. Juni an tagt das Unesco-Komitee in Bonn und berät über die Neuaufnahme von Natur- und Kulturstätten auf die Welterbeliste.
  • Als deutsche Bewerber sind die Hamburger Speicherstadt mit dem Kontorhausviertel sowie der Naumburger Dom samt Saale-Unstrut-Region dabei.
  • An der länderübergreifenden Bewerbung "Wikinger-Stätten" ist Deutschland mit dem Grenzwall Danewerk und der Siedlung Haithabu beteiligt.
  • Die Chancen stehen für die drei Bewerber sehr unterschiedlich.

Welterbekomitee trifft sich in Deutschland

Es ist die wichtigste Auszeichnung für Denkmäler und Naturregionen: die Ernennung zum Unesco-Welterbe. Jedes Jahr bewerben sich zig Stätten um die Aufnahme auf die internationale Liste. Das Unesco-Welterbekomitee wird vom 28. Juni an zehn Tage lang beraten, wer neu dazukommt.

Gleich drei deutsche Sehenswürdigkeiten sind unter den insgesamt 37 Bewerbern. Zum zweiten Mal in seiner Geschichte tagt das Welterbekomitee 2015 in Deutschland. Die Tagung der etwa tausend Delegierten aus aller Welt findet im World Conference Center Bonn statt.

Die drei deutschen Bewerber

Das Komitee muss über drei ganz unterschiedliche deutsche Kulturdenkmäler entscheiden. Zur Wahl stehen:

Das architektonische und kulturelle Herzstück der Handelsmetropole ist die Hamburger Speicherstadt und das Kontorhausviertel mit dem Chilehaus:

Eine Zeitreise ins Hochmittelalter sollen der Naumburger Dom und die Landschaft an Saale und Unstrut ermöglichen:

Die Grenzbefestigungsanlage Danewerk und die Siedlung Haithabu in Schleswig-Holstein sind Teil der nordeuropäischen Nominierung "Denkmäler und Stätten der Wikinger":

Wie die Chancen stehen

Die größten Chancen, dass es mit der Bewerbung klappt, hat eindeutig die Hamburger Speicherstadt. Der Internationale Rat für Denkmalpflege (Icomos), der das Welterbekomitee bei seinen Entscheidungen berät, spricht sich in seiner Stellungnahme eindeutig für die Erteilung des begehrten Status aus.

Bei den Wikinger-Stätten empfiehlt das Gremium, noch einmal nachzuarbeiten - die genaue Eingrenzung könnte exakter sein und die Denkmäler sollten besser geschützt werden.

Eine vernichtende Absage erteilt der Icomos hingegen dem Naumburger Dom und der Saale-Unstrut-Region: Die Kulturregion sei keinesfalls von einzigartigem und universellem Wert, so das Urteil des Beratergremiums.

Die Arbeit des Welterbe-Komitees

Die Unesco-Liste des Welterbes basiert auf einer Übereinkunft der Vereinten Nationen von 1975, Kultur- und Naturdenkmäler von außergewöhnlicher Bedeutung zu schützen. Alle 190 Staaten, die das Abkommen ratifiziert haben, können Stätten vorschlagen. Insgesamt zehn Kriterien sind für die Vergabe der Auszeichnung definiert, eines oder mehrere müssen von den Kandidaten erfüllt werden.

Einmal im Jahr tagt das Welterbe-Komitee. Die 21 Mitglieder, die alle Kontinente und Kulturkreise repräsentieren sollen, beraten dann über die Aufnahme - und prüfen, ob bereits gelistete Stätten noch die Kriterien erfüllen. Welterbestätten müssen vom Staat geschützt und erhalten werden.

Exakt 1007 Denkmäler in 161 Ländern umfasst die Welterbeliste aktuell. 46 von diesen sind gefährdet und stehen auf der Roten Liste. Bei den knapp 40 deutschen besonders herausragenden Kultur- und Naturstätten ist jedoch alles in Butter.

Kloster Corvey - Deutschlands 39. Welterbe

Im vergangenen Jahr wurde das westfälische Kloster Corvey in Höxter als 39. deutsche Welterbestätte auf die Liste gesetzt. Die ehemalige Abtei im Weserbergland geht auf Ludwig den Frommen zurück, der das Kloster 822 an der Weser errichten ließ.

Corvey entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Klöster im mittelalterlichen Frankenreich. Die Anlage stand jedoch schon eine ganze Weile auf der Warteliste. Bereits 1999 wurde die Bewerbung eingereicht, 15 Jahre später hat die Unesco-Komission die Abtei dann offiziell ernannt.

Kommende Woche heißt es Daumen drücken für Speicherstadt, Schloss Naumburg und die Wikinger-Stätten. Die nächsten Kandidaten stehen schon bereit. Neun Aspiranten hat die Kultusministerkonferenz im August 2014 festgelegt, doch frühestens 2016 werden die nächsten ein bis zwei Kandidaten dann offiziell bei der Unesco eingereicht. Von Eiszeitkunst bis zu Märchenkönig-Schlössern - wer sich in den kommenden Jahren bewerben will:

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