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Deutsche Bahn:Darmbakterien auf dem Sitzplatz

Ein Verbrauchermagazin fand vor allem in ICE-Zügen krankmachende Bakterien - nicht nur auf den Toiletten. Die Bahn weist die Vorwürfe zurück: Keime seien kein geeignetes Indiz für Sauberkeit.

Es gibt Momente beim Bahnfahren, da wünscht man sich zumindest Einmalhandschuhe, bevor man seinen Arm auf die Lehne bettet. Und dass die Toiletten in den Zügen ein sehr eigenes und bisweilen unappetitliches Thema sind, wissen auch Nicht-Bahnfahrer, wenn sie sich die Kommentare von entnervten Passagieren durchlesen.

Dass die Züge in der Tat nicht immer so sauber sind, wie sie die Deutsche Bahn und vor allem ihre Kunden gerne hätten, will nun das Verbrauchermagazin "Markt" des NDR herausgefunden haben (der Beitrag wird am heutigen Montag um 20.15 Uhr ausgestrahlt). Es seien massenhaft Keime und Bakterien nicht nur in den Toilettenräumen, sondern auch auf den Sitzplätzen, Armlehnen, Türöffnern und -klinken sowie Festhaltegriffen festgestellt worden.

Mitarbeiter der Redaktion hätten Hygieneproben im Intercity-Express (ICE), Intercity (IC), Regional-Express (RE) und in der Regionalbahn (RB) genommen. Dabei hätten 50 der 70 Proben "reichliches, viele Proben sogar massenhaftes Wachstum" von Bakterien und Keimen aufgewiesen.

Gerade die ICEs zeigten demnach in der Stichprobe eine besonders hohe Keimbelastung. "Was man hier so sieht, überzeugt einen nicht davon, dass dort gründlich geputzt wird", sagte Wolfgang Streit vom Institut für Mikrobiologie und Biotechnologie, Universität Hamburg laut NDR. In einer Probe aus einem ICE nach Kiel habe das Labor sogar einen MRSA-Erreger gefunden: Staphylokokken, die resistent gegen viele Antibiotika und damit schwierig zu behandeln sind.

"Es gab relativ viele Bakterien, im Polsterbereich, auf Armlehnen und auch auf Sitzflächen. Das kann zu Ansteckungen führen, geraten die über die Hände an die Schleimhäute", erklärte Susanne Huggett, leitende Ärztin Hygiene im Medilys Labor in Hamburg. In einer Regionalbahn von Braunschweig nach Hannover fanden NDR-Mitarbeiter Darmbakterien, Enterokokken, sogar auf einem Sitzplatz.

Die Bahn wies die Vorwürfe zurück und erklärte, dass ihre Züge im Rahmen eines mehrstufigen Systems aufwendig sauber gehalten würden. Neben Tagesreinigungen gebe es Reinigungen während der Fahrt sowie darüber hinaus regelmäßige Grund- und Spezialreinigungen unter anderem für Decken, Fußböden, Glas und Teppiche. Das Reinigungssystem werde ständig überprüft. Es gebe keinerlei Hinweise, dass bei Bahnreisen erhöhte Infektionsgefahr bestehe, hieß es. Grundsätzlich seien Keimbelastungen kein geeignetes Indiz für Sauberkeit.

Der NDR habe der DB mitgeteilt, es seien bei der Untersuchung in erster Linie nicht krankmachende Keime gemessen worden. Fast alle Keime, die sich in der Umwelt befänden, seien für die Menschen im Normalfall nicht gefährlich, hieß es bei der Bahn.

Auch beim Bahntest 2011 des Verkehrsclubs Deutschland hatten Bahnfahrer nicht nur die mangelhaften Informationen bei Zugausfällen und Unpünktlichkeit moniert - die Passagiere waren auch über mangelnde Sauberkeit erbost, besonders der Toiletten. "Nur etwa die Hälfte der Toiletten in DB-Fernzügen wird als sauber eingestuft", berichtete der VCD.

Trotz der Kritik erhöhte die Deutsche Bahn am Sonntag mit der Umstellung auf den Winterfahrplan die Ticketpreise. Im Fernverkehr kosten Fahrkarten knapp vier Prozent, im Regionalverkehr knapp drei Prozent mehr. Das Unternehmen begründete die höheren Preise mit gestiegenen Personal- und Energiekosten. Einen Überblick über die Preisänderungen bei der Deutschen Bahn und wie Sie dennoch sparen können finden Sie hier.

© sueddeutsche.de/dapd/kaeb

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