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Design-Hotels:Nasszellen ohne Türen

Natürlich hat der Designer aus der näheren Umgebung alles geflissentlich verbannt, was sein ästhetisches Konzept stören könnte: vor allem also so hässliche Dinge wie Ablageflächen für Waschzeug oder gar Haken, an denen man etwas aufhängen könnte. Zum Ersatz lässt er vielleicht die Handtücher auf einem Holzbrettchen am Boden artig zu einer Pyramide übereinanderstapeln.

Ejakulat des Grauens

Bei so viel strengem Purismus um das Waschbecken wundert es einen, dass einige Designer auf die hässlichen Schmierseifenspritzdüsen am Beckenrand - sie gehören zum Schrecklichsten, was der Mensch erfunden hat - nicht verzichten wollten. Das Ejakulat des Grauens, das diesen Gerätschaften auf Knopfdruck entquillt, soll eigentlich helfen, Schmutz zu entfernen, aber es heftet sich selber wie übelster Schmutz so klebrig an die Finger, dass es mit Wasser allein nicht zu entfernen ist und nur mit richtiger Seife von den Händen abgeschrubbt werden könnte. Deshalb wird es stets in die bereitliegenden Handtücher geschmiert. Noch Stunden später wird somit die Nase mit widerlichen Duftschwaden gequält.

Zu den unbegreiflichen Neuerungen der Designhotels gehört inzwischen auch, dass die Nasszellen nicht mehr durch Türen vom Schlafraum getrennt, sondern so in den Wohnbereich integriert sind, dass die Gäste sich bei ihren intimen Hygiene-Ritualen in jeder Phase gegenseitig beobachten können und der dabei entwickelte Dampf direkt über die Betten ziehen kann.

In den Zimmern fast aller neueren Designhotels hat eine monströs klobige, hohe Badewanne, eine Art Pharaosarg aus Stein, so unvermittelt zentral im Raum oder auch direkt neben dem Bett auf dem lackierten Parkett oder dem polierten Steinboden Platz genommen, dass allein die Vorstellung, auf diesem höllisch glatten Grund badenass aussteigen zu müssen, Knochenbrüche verursachen kann. Und da spritzwasserdichte Duschvorhänge hier natürlich nicht vorgesehen sind, bequemes Liegen in den hartkantigen, steilwandigen Trögen kaum möglich ist und die Duschköpfe am freistehenden Steigrohr zu dünnen, durchlöcherten Röhrchen geschrumpft sind, fragt man sich, wie in diesen freigestellten Wasseraltären Badespaß aufkommen soll.

Skurrile Hotelschilder

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