Couch-Surfing Urlaub auf fremden Sofas

Ferien mit Anschluss: Statt in teueren Hotelzimmern mieten sich Couchsurfer in fremden Wohnzimmern ein - und das auch noch kostenlos.

Wenn Tom Asten Urlaub macht, dann schläft er fast immer bei wildfremden Menschen im Wohnzimmer und meistens auf deren Couch. Mal verschlägt es ihn nach Helsinki, mal nach London, ein anderes Mal nach New York, Hamburg oder Austin. Auch in Washington ist der 28 Jahre alte Fachinformatiker aus Bonn schon gewesen.

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Asten ist einer von weltweit rund 735.000 Couchsurfern. Seine Kontakte - die Leute, bei denen er die Nacht verbringt - kennt er in der Regel vorher nur über das Internet. Das klingt abenteuerlich und ist es auch, aber genau darum geht es den Couchsurfern.

Die Vorgehensweise beim Couchsurfing ist einfach: Auf der entsprechenden Webseite im Internet registrieren sich die Interessenten kostenlos, füllen ein kurzes Profil aus, geben ihre Hobbys und Sprachkenntnisse an und bieten anderen Mitgliedern einen Schlafplatz an.

Gleichzeitig besteht die Möglichkeit, sich selbst auf eine fremde Couch irgendwo in der Welt einzuladen. Natürlich nur, wenn der Betroffene einverstanden ist.

"Den Couchsurfern geht es vor allem um den Spaß und die neuen Leute, die sie dadurch kennenlernen", erläutert Jens Ofiera, Pressesprecher von NRW-Tourismus. "Es wird natürlich auch eine ganz spezielle Klientel angesprochen: Die Generation der Rucksackreisenden zwischen 18 und etwa 35 Jahren." Ganz so neu sei das Prinzip des 1999 von dem Amerikaner Casey Fenton erfundenen Couchsurfens aber nicht.

Das sogenannte Private Housing gebe es schon lange, sagt Ofiera. Das sei allerdings oft kostenpflichtig, das Couchsurfen hingegen kostet nichts.

Seit Tom Asten im Mai vergangenen Jahres mit dem Couchsurfen angefangen hat, hat er nicht nur selbst bei vielen Menschen übernachtet, sondern auch bei sich zu Hause rund 60 Surfer schlafen lassen. "Am Anfang habe ich wirklich jeden genommen. Es gab Zeiten, da waren drei Monate am Stück irgendwelche Leute bei mir", sagt der 28-Jährige.

Schlechte Erfahrungen hat er nie gemacht, mittlerweile sucht er sich seine Gäste aber trotzdem genauer aus. So wie zum Beispiel Sonia Ruiz, mit der er gerade gemeinsam am Küchentisch seiner Bonner Wohnung sitzt und frühstückt. Sie haben sich vor elf Stunden zum ersten Mal gesehen.

Persönliche Betreuung inklusive

"Ich war vorher noch nie als Couchsurferin unterwegs", erzählt die 23 Jahre alte Spanierin, die in Bonn eine Wohnung für ein Praktikum sucht. Noch vor wenigen Tagen hat sie zu Hause am Strand gelegen, jetzt sitzt sie in Toms Altbauwohnung, ein Brötchen in der Hand und eine Stadtführung mit Tom vor sich. Denn auch die persönliche Betreuung gehört meistens zum Angebot der Couchsurfer. "Gerade dieser persönliche Kontakt ist ein sehr starker Anreiz für die Couchsurfer", sagt Pressesprecher Ofiera.

Auch Sonia Ruiz ist genau aus diesem Grund vom Couchsurfing begeistert und könnte sich vorstellen, ihren Urlaub in Zukunft auf diese Weise zu verbringen.

Asten plant für nächstes Jahr sogar eine Weltreise - natürlich mit Rucksack und als Couchsurfer. Danach soll es für ihn aber wieder zurück nach Bonn gehen. Ganz so weit wie die Couch-Nomaden, die gar kein festes Zuhause mehr haben, will er doch nicht gehen.