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Gestrandete Urlauber:"Wo werden wir schlafen?"

Urlauber warten am Airport in Peru auf ihren Abflug.

(Foto: Luke Gonzales/AFP)

Tausende Reisende sitzen wegen des Coronavirus fest, müssen Hochzeitsfeste absagen, Wucherpreise zahlen und Nerven behalten. Manche werden auch sehr kreativ. SZ-Leser berichten.

Die Corona-Pandemie führt in vielen Ländern zu massiven Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Tausende sitzen an ihrem Urlaubsort fest: Hotels werden von einem auf den anderen Tag geschlossen, Flüge gestrichen. Wir haben Sie, unsere Leserinnen und Leser, gefragt, wie die Angst vor dem Virus Ihren Urlaub prägt, welche Erlebnisse Sie mit Einheimischen oder Mitreisenden hatten oder bei dem Versuch, nach Hause zurückzukommen. Viele Geschichten haben uns erreicht - hier veröffentlichen wir eine Auswahl.

Mexiko: "Wo bekomme ich Milchpulver für das Baby?"

"Vor fünf Tagen: Wir sitzen am Marktplatz von Mérida. Unter den Arkaden lässt sich wunderbar das Eis genießen. Jeder lacht, tanzt oder küsst sich still in einer Ecke. Ich denke: Das Leben ist schön. Vor vier Tagen: Wir sind von einer mexikanischen Familie zum Abendessen eingeladen. Per Whatsapp teilen sie uns mit, dass wir lieber zu ihnen nach Hause kommen sollen, da das Virus nun in Yucatán angekommen ist. Wir reden über das Virus, Begegnungen und das Leben. Vor drei Tagen: Der mexikanische Präsident sagt, wir sollen uns alle umarmen, es gibt keine Gefahr. Wir fahren gen Westen. Vor zwei Tagen: Wir sind am Meer. Wir hatten das Gefühl, wir müssten raus aus der Stadt. Celestún ist ein kleiner Ort, wir kommen in einem Hotel unter mit kleinen Majahütten. Die Hängematten baumeln am Strand. Ja, schön ist es hier. Die Hotelmanagerin spricht uns beim Frühstück an, dass die Städte dicht machen. Man kommt nicht mehr rein oder raus. Vor einem Tag: Die Hotelangestellten empfehlen uns, die letzte Flamingo-Tour zu machen, da heute der Hafen geschlossen wird. Nichts geht mehr. Die Hotels werden ihren Betrieb einstellen. Wir fahren ins Dorf, um in der Apotheke Milchpulvervorräte für das Baby zu kaufen. Ich habe das Gefühl, wir sind die letzten. Bei der Wäscherei holen wir unsere saubere Ladung Wäsche wieder ab. Ganz oben liegt der verlorengegangene Teddy meines jüngsten Sohnes. Die Frau aus der Wäscherei meint, er lag einfach auf der Straße und hat auf uns gewartet. Heute: Die Hotels sind dicht, die Restaurants geschlossen. Wo werden wir schlafen, wo bekomme ich Milchpulver für das Baby? Open End." (Anja S., 41 Jahre, am Donnerstag)

Peru: "Dankbar, dass man überhaupt versucht, uns abzuholen"

"Von der geplanten Grenzschließung haben alle erst spätabends erfahren, dann hieß es auf einmal, wir hätten 24 Stunden Zeit, das Land zu verlassen, ansonsten 15 Tage Isolation. Wie alle anderen habe ich noch nachts versucht, einen Flug raus aus Peru zu bekommen - egal wohin, Hauptsache eine Chance, irgendwie heimzukommen. Zu dem Zeitpunkt wusste ich aber schon nicht mehr, in welchen Ländern ich überhaupt noch zwischenlanden darf. Ich konnte keinen Flug finden und habe direkt mein Hotel verlängert und Trinkwasser gekauft, denn Leitungswasser ist hier nicht trinkbar. Trotz der strengen Auflagen der peruanischen Regierung sind die Einheimischen und das Hotelpersonal sehr freundlich und ruhig, was meine anfänglichen Sorgen reduziert hat. Die Botschaft kommuniziert in guten Abständen und viele hier Festsitzende hoffen auf die angekündigten Rückholflüge. Auch ich warte und bin derweil sehr dankbar, dass man überhaupt versucht, uns abzuholen - das ist keine Selbstverständlichkeit für mich." (Daniela K., 30 Jahre, am Freitag)

Argentinien: "Werde ich meine Klagen unverzüglich einstellen und hierbleiben"

"20 Tage in der Antarktis ohne Internet - wunderbar! Zurück in Ushuaia - fin del mundo. Ja, trifft zu. Schäbiges Hotel, kein Restaurant, Ausgangssperre, Polizei patrouilliert. Flug nach Buenos Aires, Hotel sicher bis Sonntag, dann geschlossen. Versuche, Heimflug zu organisieren. Preise steigen extrem im Stundentakt. Eintragung in die bekannten Listen zwecks versprochener Rückholung - längst erledigt. Kontaktaufnahme mit Airline und Botschaft: nicht möglich. Freunde aus Deutschland drücken Daumen - das hilft! Sie sind selbst so sehr betroffen: Die Fitnessstudios in Deutschland sind geschlossen! Man kann die gewünschte Nudelsorte im Supermarkt nicht mehr bekommen. Man muss im eigenen Haus mit Garten bleiben. Kann nicht zum Friseur, nicht zur Fußpflege! Auf Grund dieser menschenunwürdigen Zustände werde ich meine Klagen unverzüglich einstellen und hierbleiben." (Anneli H. am Donnerstag)

England: "Kuriose Situation"

"Obschon ich zurzeit in Oxford bin und nicht in Regionen dieser Welt, die einen Ausreisestopp verfügt haben, scheine ich auf seltsame Art gestrandet zu sein. Ich habe meinen Sohn in dieser wunderbaren Stadt besucht, gemeinsam wollten wir heute Abend von London zurück nach Düsseldorf fliegen. Gestern erreichte uns die Nachricht, dass der Flug gestrichen sei und wir kostenlos umbuchen könnten. Dies taten wir und die neuen Tickets für Freitagabend wurden uns prompt von der Airline samt Bordkarten bestätigt. Nur kurze Zeit später wurde auch dieser Flug annulliert - so ist es jedenfalls der Webseite zu entnehmen; bislang fehlt allerdings noch eine entsprechende Mitteilung der Airline. Ein Blick in die Abflug- und Landepläne von Heathrow und Düsseldorf bestätigt, dass der Flug nicht stattfinden wird. Auch viele andere Flüge sind für die kommenden Tage annulliert. Ein ähnliches Bild geben die Zugverbindungen nach Düsseldorf bis nächste Woche ab: Entweder sind sie gestrichen oder ausgebucht.

Das Kuriose an unserer Situation ist also, dass nicht eine politische Verfügung unsere Ausreise verhindert, sondern die wohl ökonomisch gesteuerte Willkür eines Transportunternehmens. Die drängenden Fragen für Betroffene sind dieselben: Wann endlich geht es zurück nach Hause und wer zahlt eigentlich die Folgekosten? Wäre schön, wenn das Auswärtige Amt auch Situationen wie die unserige in den Blick nimmt." (Axel H. am Donnerstag) Informationen über Ihre Rechte bei Flugstornierungen finden Sie hier.

Algerien: "Hochzeit nur mit der engsten Familie"

"Mein Partner und ich hatten für den kommenden Samstag unsere Hochzeit in Algerien geplant. Da seine Familie von dort kommt, wollten wir mit seiner und meiner Familie gemeinsam feiern und haben alle nötigen Vorbereitungen getroffen, damit meine Familie auch einreisen kann. Kurz nachdem ich angekommen bin, wurde meine Route über Spanien nach Algerien gesperrt und wenige Tage darauf auch die geplante Route meiner Familie über die Türkei. Obwohl wir sie hier vermissen, sind wir trotzdem froh, dass meine Familie in Deutschland steckengeblieben ist, da sie keine Berufe haben, die vom Home-Office aus ausgeführt werden können und meine Mutter als Krankenschwester noch dazu gerade daheim gebraucht wird. Auch alle anderen Vorbereitungen für die Hochzeit sind ins Straucheln gekommen, da die Regierung hier bereits frühzeitig reagiert hat und viele Einrichtungen geschlossen sind, auch alle Hochzeiten wurden von Seiten des Staats abgesagt. Wir werden nun trotzdem zusammenkommen, aber in einem sehr kleinen Rahmen nur mit der engsten Familie. Das Virus hat uns einen Strich durch unsere Rechnung gemacht, aber wir sind trotzdem sehr froh, dass wir nicht - wie andere Urlauber - am Flughafen schlafen müssen, sondern bei der Familie meines Partners in Sicherheit sind." (Anonym, Name ist der Redaktion bekannt, 25 Jahre, am Donnerstag)

Südafrika: "24 Stunden langes 'Reisevergnügen' "

"In der zweiten Märzwoche habe ich Deutschland mit dem Ziel Südafrika verlassen. In Kapstadt war die Atmosphäre zunächst wie gewohnt locker und freundlich. Erst als am Sonntag Staatspräsident Cyril Ramaphosa "harte Maßnahmen" ankündigte, wendete sich das Blatt. Deutschland wurde dabei in einem Zug mit Hochrisiko-Ländern wie Italien genannt, was für mich, der ich 1993 zum ersten Mal das "Hochrisiko-Land" Südafrika mit dem damaligen außergewöhnlich hohen Gewaltklima besuchte, besonders irritierend war.

Das Guesthouse in Kapstadt teilte mir mit, dass es in Kürze mangels Buchungen schließen werde. Versuche, mit der Fluggesellschaft Kontakt aufzunehmen, schlugen fehl. Ebenso die Anrufe beim Generalkonsulat. Erfolgreicher war ein Besuch in den Geschäftsräumen einer großen arabischen Airline, die mir einen letzten Platz in einer Maschine nach München verkaufte. Allerdings zu Preisen, die ich für Businessclass üblich halte - mir dafür aber via Doha etwa 24 Stunden langes "Reisevergnügen" bot. Da ich in Norddeutschland zuhause bin, bin ich dann von München per Bahn zum Wohnort gelangt. Ein Lob der Bahn, die äußerst kulant das für Ende März gebuchte Rail-and-Fly-Ticket änderte. Ach ja, und dann kam nach meiner Heimkehr eine Mail meiner Fluggesellschaft, man werde sich an der Rückholaktion des Auswärtigen Amtes beteiligen. Wenn ich heute die Berichte anderer Leser verfolge, bin ich froh, dass ich wieder im Hochrisiko-Land Deutschland bin, auch wenn ich die Folgen der Strapazen erst in den nächsten Tagen richtig absehen kann." (Otto B., 69 Jahre, am Donnerstag)

Kambodscha: "Absolut keine Unterstützung seitens der Airline"

"Wir sind Studentinnen der Zahnmedizin und hergereist, um ein Hilfsprojekt zur kostenlosen Behandlung von Kindern zu unterstützen. Leider mussten wir dieses Projekt vorzeitig beenden, da auch hier Schulen und Kinderbetreuungsstätten schließen mussten. Nachdem die Lage für uns zu heikel wurde, wollten wir einen früheren Heimflug buchen, unser ursprüngliches Rückreisedatum war erst im April gewesen. Leider stellte sich heraus, dass es nur Umbuchungen zwischen 700 und 7000 Euro (!) gab. Nachdem wir tagelang erfolglos versucht haben, die Fluglinie auf alle erdenkliche Weisen zu kontaktieren, mussten wir in den sauren Apfel beißen und einen teuren Rückflug buchen, der allerdings auch erst eine Woche nach dem heutigen Tag stattfinden kann.

Wir bekamen absolut keine Unterstützung seitens der Airline und hoffen nun, dass sich die Lage innerhalb der nächsten Woche nicht verschlimmert und unser Flug tatsächlich stattfinden wird.

Wir finden es unmöglich, dass in Krisenzeiten Airlines aus der Not der Menschen noch so viel Profit schlagen und wünschen allen, die in der selben Lage wie wir sind, viel Ausdauer und gute Nerven." (Julia, 22 Jahre, und Lena, 25 Jahre, am Freitag)

Philippinen: "Rommé aus Pizzakarton"

"Geplant war eine achtwöchige Reise durch die Philippinen: einsame Strände, Tauchgänge und Insel-Hopping. Fünf Wochen lang hat dies super geklappt, dann begannen die Ansprachen des Präsidenten am Freitag den 13. Absoluter Lockdown der ganzen Philippinen. Zunächst hieß es, dass wir nur 72 Stunden Zeit hätten, das Land zu verlassen, andernfalls würden wir vier Wochen festsitzen. Flüge wurden gecancelt, Flughäfen machten dicht. Was sollten wir nun machen? Da die Philippinen aus über 7000 Inseln bestehen, brach ein Riesenchaos aus, weil jeder auf die zwei großen Inseln zu kommen versuchte, von denen aus internationale Flüge starten. Die Angst war sehr groß, nicht rechtzeitig dorthin zu gelangen, dann keinen Flieger nach Manila zu kriegen oder gar in Manila vier Wochen in Quarantäne zu kommen. Somit stand unsere Entscheidung fest, in unserem kleinen Ort mit 2000 Einwohnern zu warten, denn hier haben wir wenigstens einen Strand - dachten wir. Am 17. März ertönten über Megaphone laute Ansprachen in der Landessprache, die wir natürlich nicht verstanden haben. Nach einer Weile informierte uns die Polizei, dass wir uns in unsere Unterkunft begeben sollen, und ab sofort dort bleiben müssen. Nun heißt es für uns abwarten, bis auch unsere Insel Rückholflieger erreichen. Und bis dahin behelfen wir uns mit selbstgebastelten Spielen (aus einem Pizzakarton hergestelltes Rommé) und Gesprächen mit den herzlichen und hilfsbereiten einheimischen Philippinern." (Marina F., 23 Jahre, und Tobias R., 26 Jahre, am Donnerstag)

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Nordzypern: "Diese Hilflosigkeit macht uns Angst"

"Wir befinden uns seit 10. März auf Nordzypern in unserem Hotel in Quarantäne. Wir werden sehr gut versorgt. Das Personal ist ständig im Einsatz und bemüht sich sehr darum, es uns so angenehm wie möglich zu machen. Wir suchen seit über einer Woche Kontakt zu unserem Reiseveranstalter. Bei unzähligen Anrufen ertönt nur das Band, dass zurzeit niemand erreichbar sei. Auf unsere E-Mails erhalten wir automatische Antworten. Unsere Angehörigen daheim, die den Veranstalter von ihrer deutschen Festnetznummer aus erreicht haben, bekommen keine Auskünfte, da sie nicht der Vertragspartner seien. Auch von den Reiseleitern hier im Hotel bekommen wir gar keine oder falsche Auskünfte. Diese Hilflosigkeit macht uns Angst. Wohin sollen wir uns denn noch wenden, um etwas über unsere Rückkehr zu erfahren? Von der Botschaft in Nikosia fühlen wir uns gut betreut. E-Mails werden sofort beantwortet. Aber auch sie verweist uns immer wieder auf den Reiseveranstalter, um bestimmte Fragen klären zu können. Wir verstehen nicht, wie sich ein Veranstalter dermaßen verantwortungslos benehmen kann." (Gisela R., 71 Jahre, am Donnerstag)

Guatemala: "Eine solche Quarantäne wünschen sich sicher einige zu Hause"

"Gestern wäre unser Rückflug gewesen, nach fantastischen drei Wochen. Die Rechnung haben wir aber ohne das Coronavirus gemacht. Unser Flug nach Frankfurt ist gecancelt, der Flughafen bis einschließlich 31. März dicht. Die angekündigte Rückholaktion der Bundesregierung betrifft zunächst nur andere Länder, (noch?) nicht Guatemala. Wir sind in sämtlichen Listen registriert und hoffen darauf, ebenfalls zurückgeholt zu werden, wenngleich wir nicht auf der obersten Prio-Liste stehen. Bis dahin sind wir an unsere Unterkunft gebunden, traumhaft gelegen am Lago de Atitlán. Eine solche Quarantäne wünschen sich sicher einige zu Hause. Doch wie lange wird diese noch dauern? Heute hatten wir Besuch von der örtlichen Polizei und dem Gesundheitsamt. Uns wurde u. a. Fieber gemessen, alles gut, wir sind gesund! Aber wie geht es nun weiter? Insgesamt gibt es aktuell sieben Infizierte hier in Guatemala." (Silke S., 45 Jahre, und Peter G., 52 Jahre, am Donnerstag)

Spanien: "Ich werde versuchen, über die Grenze zu laufen"

"Ich hatte am 9. März meine Reise nach Spanien mit dem Interrailticket gestartet. Zu dem Zeitpunkt hatte ich Corona zwar im Hinterkopf, sah meine Reise aber nicht bedroht. Auf dem Weg von Barcelona nach Málaga konnte man aber bereits eine veränderte Stimmung bemerken. Als am Samstag klar wurde, dass ab Montag ein Ausnahmezustand verhängt wird, realisierte ich, dass ich nach Hause muss und versuchte, noch einen Flug zu buchen, da die Züge bereits nicht mehr aus Spanien hinausfuhren. Doch ohne Chance: Die Preise schossen in die Höhe und sobald man einen Flug ergattert hatte und seine Daten angeben wollte, wurde augenblicklich angezeigt, dass das Angebot bereits ausgebucht sei. Mein Hostel legte seine zwei Standorte zusammen, wir mussten alle umziehen, ab Montag wurden wir dann quasi rausgeschmissen und bekamen unser Geld zurück. Zurzeit bin ich in einem Airbnb und hoffe, dass mein Flug am Freitag nach Zürich (Deutschland war zu schwierig) geht und ich von dort aus nach Hause komme. Ich werde versuchen, nach Basel zu kommen und von dort über die Grenze zu laufen." (Jacqueline K., 19 Jahre, am Mittwoch)

Marokko: "Wie der Marokkaner sagt: Inschallah"

"Wir sind Individualreisende und seit 5. März in Marokko unterwegs. Die Meldung, dass das Land die Flughäfen schließt, erfuhren wir im hintersten Ort eines Seitentals im Hohen Atlas von außerordentlich freundlichen Marokkanern. Wir haben uns am 14. März in die Krisenliste eingetragen, sind jetzt mit dem Mietwagen ans Meer gefahren und warten. Gestern kam eine Mail, dass wir ausgeflogen werden sollen und Geduld haben müssen. Von unserer Fluggesellschaft gab es nur den Hinweis, uns drei Tage vor dem geplanten Rückflugdatum (23. März) zu melden. In Marrakesch sollen chaotische Zustände herrschen. Daher entschieden wir uns, weiter Urlaub zu machen. Wir haben durchweg absolut positive Erfahrungen mit der Bevölkerung gemacht. Wir waren im Hohen Atlas, im Saharavorland, Marrakesch und jetzt in der Nähe von Essaouira. Die Gastfreundlichkeit ging von besorgter Nachfrage bis zu Angeboten und Einladungen, in privaten Haushalten unterzukommen. Hier dürfen wir sogar selbst in der Herbergsküche kochen, da es ja keinen Restaurantbetrieb mehr gibt. Wir fühlen uns hier gut aufgehoben, aber schlecht betreut vom Krisenmanagement der Airline. Eine persönliche bzw. Sammel-Mail wäre hilfreich gewesen. Auch die erste Nachricht von der Botschaft kam erst drei Tage nach der Eintragung in die Krisenliste, heute noch gar keine. Wir haben uns mit notwendigen Medikamenten versorgt und werden sehen. Viele Grüße. Wie der Marokkaner sagt: Inschallah." (Katja J. und Thomas R. am Mittwoch)

Indien: "Junge Frauen brachen weinend zusammen"

"Unser Flug am 17. März von Delhi nach Frankfurt wurde gestrichen. Etwa 300 deutsche Heimkehrer wurden mit Refund abgespeist und alleine gelassen, ohne eine konkrete Möglichkeit, das Land zu verlassen. Junge alleinreisende Frauen brachen weinend zusammen. Es wurden keine weiterführenden Informationen erteilt - mit dem Hinweis, jeder solle sich um ein neues Ticket kümmern. Damit hat sich die Fluggesellschaft versucht, aus der Verantwortung zu schleichen. Aus den Nachrichten geht hervor, dass Rückholaktionen geplant sind. Warum wird dann planmäßigen Fliegern die Landung in Frankfurt verwehrt, während heute anscheinend der gleiche Flug starten durfte? Dafür gab es jedoch keine Tickets mehr. Was sollen wir hier tun in Indien, wenn das Virus ausbricht? Das Geld ist knapp und wir sitzen perspektivlos im Hotel fest. Der Ratschlag ist, sofort nach Hause zu reisen, aber wie? Die Aufgabe der Airline und des deutschen Staates ist nicht, Flüge zu streichen, als vielmehr so schnell wie möglich alle rauszukriegen. 300 Heimkehrer hatten gültige Tickets, die ihnen durch diese Aktion entzogen worden sind. Wir müssen doch nach Hause und können nicht auf unbestimmte Zeit in Indien ausharren. Die deutsche Botschaft und das Auswärtige Amt waren keine Hilfe." (Michael S. und Golnaz N. am Mittwoch)

Türkei: "Ich packe mal meinen Schlafsack ins Handgepäck"

"Zusammen mit einer Freundin hatte ich hier einen Backpacking-Trip geplant. Sie für zwei Wochen, ich für vier bis fünf Wochen - mit dem Plan, entweder weiter nach Nepal zu fliegen oder auf dem Landweg nach Iran zu reisen. Nun erübrigten sich beide Ziele durch die veränderten Einreisebestimmungen. In der Türkei selbst hat sich die Lage seit dem Wochenende verändert, dies zeigte sich darin, dass wir bei Unterkunftsanfragen oft mit der Begründung 'Corona' abgelehnt wurden. Aber auch im öffentlichen Leben ist eine Veränderung wahrnehmbar. Schulen etc. sind geschlossen. Bars und Restaurants sollten es eigentlich auch sein, aber das wird durch die Betreiber etwas flexibel gehandhabt. Ansonsten hört man schon immer wieder, wie schlimm das für den Tourismus sei, aber auch für die ganze Kette, die dranhängt (für den Bauern, der seine Orangen liefert, usw.).

Meine Freundin konnte ihren Rückflug relativ leicht umbuchen. Prinzipiell wäre es aber transparenter gewesen, würden die Airlines automatisch Mails verschicken, die über die Flugannullierung Bescheid gegeben hätten. Wir mussten das telefonisch erfragen, was natürlich für die Airline mehr Aufwand bedeutet. Ich selbst habe es noch nicht geschafft, mich in die Liste der Auslandsdeutschen des AA einzutragen, da die Webseite überlastet ist. Meine persönliche Heimreise soll heute Nacht stattfinden. Diese habe ich privat organisiert, den Flugpreisen ist der Nachfrageanstieg auf jeden Fall anzumerken. Mit einem Flieger geht es von Antalya nach Istanbul und von dort weiter nach München.

Mal schauen, was passiert. Ich bin guter Dinge, dass alles klappen wird, für den elfstündigen Aufenthalt in Istanbul packe ich vielleicht mal meinen Schlafsack ins Handgepäck ;-) . Letztlich ist eine Urlaubsrückreise ja eher ein Luxusproblem, vor allem, wenn man gesund ist." (Judith M. am Mittwoch)

Vor der australischen Küste: "Wir wollen so lange wie möglich an Bord bleiben"

"Wir befinden uns auf einer Kreuzfahrt um die Welt, die am 4. Januar in Civitavecchia/Italien begonnen hat und dort am 29. April zu Ende gehen sollte. Wir sind um Südamerika herum und über den Pazifik gekommen. Zurzeit sind wir in Australien, auf der Fahrt von Sydney nach Melbourne. Da unser Schiff coronafrei ist, hat die Schiffsführung in den vergangenen Wochen versucht, Häfen zu finden, in denen wir an Land gehen können. Nun ist das umgekehrt. Das einzige Ziel ist jetzt, das Virus vom Schiff fernzuhalten und die Passagiere gesund nach Hause zu bringen. Das bedeutet, dass das Schiff verlassen werden kann, aber niemand hinauf darf. In Sydney sind Passagiere von Bord gegangen, um heimzufliegen. Das Gleiche wird morgen in Melbourne passieren. Eine große Anzahl vor allem europäischer Passagiere will allerdings an Bord bleiben. Das Angebot ist, in etwa zwei Wochen ohne Stopp nach Dubai zu fahren und dort Flüge in die Heimatländer zu organisieren. Falls das so durchführbar ist, ist es dann wahrscheinlich das letzte Kreuzfahrtschiff, das noch Passagiere an Bord hat. Auch wir wollen so lange wie möglich an Bord bleiben, weil wir hier zurzeit wahrscheinlich geschützter sind als zu Hause." (Renate D. am Mittwoch)

Deutschland: "Notfalls müssen wir am selben Tag zurückfahren"

"Wir wollen am 20. März zur Beerdigung meines Bruders nach Schleswig-Holstein reisen. Ob wir wie geplant in einem Hotel übernachten können, steht noch nicht fest. Notfalls müssen wir die 400 Kilometer am selben Tag wieder zurückfahren." (Ruprecht S., 83 Jahre, am Mittwoch)

Ägypten: "Überlastung!!!"

"Wir sind in Hurghada. Vom Reiseleiter heißt es, dass am Samstag der Flug normal nach Hause geht ... Doch die Aussage, dass der Flughafen schließt, macht Angst. Schließen heißt doch für beide Richtungen. Ich habe Angst, Tage auf dem Flughafen verbringen zu müssen. Natürlich kommt man wegen Rückholung beim Auswärtigen Amt nicht durch ... Überlastung!!!" (Klaudia V. am Mittwoch)

Dominikanische Republik: "Wir sind sicher, dass alle ihr Bestes geben"

"Mein Freund und ich befinden uns seit über einer Woche in Samaná, hier ist alles weitestgehend business as usual. Es gibt keine Panik und alle verbliebenen Gäste im Hotel sind sehr entspannt, uns eingeschlossen. Das Hotel hat sich natürlich rapide geleert seit dem Wochenende, es sind fast nur noch Europäer hier, Amerikaner, Kanadier und ein paar andere sind abgereist. Das Hotel versucht den etwa 70 Gästen weiterhin einen normalen Urlaub zu bieten und wir haben keinerlei Einschränkungen.

Der Informationsfluss seitens des Reiseveranstalters ist allerdings nicht existent, der Reiseleiter vor Ort weiß weniger als wir! Unser geplanter Abflug wäre am Sonntag, bislang haben wir keine Informationen dazu erhalten ... Wir haben uns schon im Vorfeld der Reise beim Auswärtigen Amt registriert und sind sicher, dass alle ihr Bestes geben, uns wieder nach Hause zu bringen. Uns ist natürlich klar, dass das nicht von jetzt auf gleich geht. Bis dahin bewahren wir die Ruhe und versuchen, das Beste aus der Situation zu machen." (Maren H. am Dienstag)

Vietnam: "Ich fühle mich alleingelassen"

"Ich liege mit einem Magen- und Darminfekt in Hue/Vietnam im Bett und versuche, möglichst schnell fit für den Rückflug zu werden. Wir haben eine Rundreise durch Vietnam gebucht. Schon im Vorfeld waren wir verunsichert, da die Reiseagentur sich nicht bei uns meldete. Endlich versicherte mir eine Dame am Telefon, dass es in Vietnam keine Coronafälle gäbe und die Reise planmäßig durchgeführt würde. Dies war allerdings nicht der Fall. Unser Reiseleiter, der kaum verständliches Deutsch sprach, suchte immer verzweifelter nach Alternativen, da der geplante Besuch fast aller touristischen Stätten wegen deren Schließung nicht möglich war. Wir mussten Mundschutz tragen, vielerorts wurde Temperatur gemessen, wir mussten wiederholt Listen mit Daten zu unserem Gesundheitszustand ausfüllen, unterwegs verweigerte man uns sogar Zutritt zu Toiletten. Die so gepriesene Freundlichkeit der Vietnamesen verkehrte sich in ihr Gegenteil. Wir wanderten durch mehrere Dörfer von Bergvölkern (übrigens in der Nähe der chinesischen Grenze, die sie durchaus auf Wegen passieren). Die Bevölkerung verkroch sich zum großen Teil in ihren Häusern. Unser Reiseleiter führte uns durch ein Dorf, das als "restricted area" ausgewiesen war, samt Schild mit einem Totenkopf. Dass wir durch ein solches Dorf spazierten, sehe ich als grob fahrlässig an. Die Weiterfahrt in die Halong-Bucht erwies sich als unsinnig. Sie war für die Schifffahrt gesperrt, so dass die Dschunkenfahrt ausfiel. Unsere deutsche Reiseagentur meldete sich auf unsere Anfrage nicht. Der Botschafter in Hanoi teilte uns mit, dass die Botschaft nicht zuständig sei. Zu allem Überfluss bekamen wir die Aufforderung in unserem Hotel, die Leistungen für die Hotels und Reiseleitung zu bezahlen. Die deutsche Agentur habe den vietnamesischen Veranstalter noch nicht bezahlt. Ob der Grund (drohende) Insolvenz in Deutschland ist oder ein Fake des vietnamesischen Unternehmens, weiß ich nicht. Unsere Reisegruppe weigerte sich zu bezahlen und äußerte den Wunsch, den Rückflug vorzuverlegen. Wir haben Angst, das Land nicht mehr verlassen zu können. Massiver Druck auf die Reiseagentur (auch über Medien) führte dazu, dass inzwischen anscheinend der Rückflug organisiert werden soll. Da aber so viele Reisende zurückwollen, wissen wir nicht, wie lange wir noch ausharren müssen. Täglich ändern sich die Informationen. Ich fühle mich vom Veranstalter alleingelassen." (Lisa B. am Mittwoch)

Indien: "Für uns ist es ein bisschen verkehrte Welt"

"Es ist Tag 13 unserer Reise durch den Norden Indiens und wir haben nun im vierten Versuch einen Rückflug gebucht. Unsere vorherigen Flüge wurden allesamt ohne Vorwarnung und ohne Alternative gecancelt. Als wir Anfang März gestartet sind, war Corona gefühlt noch ziemlich weit entfernt. Wer hätte vor zwei Wochen schon gedacht, dass die ganze Welt auf einmal den Dimmschalter runterdreht? Für uns ist es ein bisschen verkehrte Welt: Für die Inder sind wir, die Deutschen, die Touristen, auf einmal die Gefahr. Denn die ersten Fälle von Covid-19 brachte eine italienische Reisegruppe nach Indien. Auf den Straßen raunt man uns verstohlen "Corona" zu. Die sonst so Selfie-freudigen Inder halten Abstand und ziehen ihre Gesichtsmasken hoch, wenn sie uns sehen. Jeden zweiten Tag wird irgendwo unsere Temperatur gemessen und wir bekommen eine Bescheinigung über unsere Coronafreiheit. Und seit gestern sind nun alle Sehenswürdigkeiten geschlossen. Heute haben wir erfahren, dass unser nächstes Hotel uns nicht mehr aufnehmen will. Also sind wir mittlerweile täglich mit Hilfe einer indischen Reiseagentur, unseren Familien und Freunden zu Hause damit beschäftigt, einen (bezahlbaren) Heimflug zu finden, unsere Route anzupassen und Medien-Liveticker zu verfolgen. Aber wir zwingen uns immer wieder, den Schalter umzulegen und zwischendurch ab und zu die Schönheit dieses verrückten, aufregenden Landes zu genießen. Wir hoffen und beten zu allen 33 Millionen hinduistischen Göttern, dass wir am Wochenende nach Hause zurück können. Als Souvenir bringen wir dann den indischen Namaste-Gruß mit: Die respektvolle Begrüßung mit gefalteten Händen, ohne sich zu berühren." (Christina K., 28 Jahre, und Gregor K., 30 Jahre, am Mittwoch)

Russland: "Ich bin froh, es nach Hause geschafft zu haben"

"Am 8. März flog ich zu einem Sprachkurs nach Sankt Petersburg. Ich erfuhr dann zunächst am 12. März, dass mein Rückflug am 20. März storniert wird. Daher habe ich versucht, bei der Airline eine alternative Route zu nutzen. Als sich dann um den 13. und 14. März nach zwei Besuchen der Airline-Büros herausstellte, dass ich in der folgenden Woche wahrscheinlich generell nicht mehr zurückkommen kann, habe ich am 14. März, Samstagabend, einen separaten Flug gebucht. Dieser wurde mir dann am nächsten Abend, ca. zwölf Stunden vor der Abreise, auch storniert, weshalb ich nach einer weiteren Alternative schauen musste. Ich habe dann spätabends eine letzte Möglichkeit gefunden, diese gebucht und bin sofort zum Flughafen gefahren. Ich bin in der Nacht von Sonntag auf Montag von Sankt Petersburg über Moskau und Minsk insgesamt etwa zwölf Stunden nach München geflogen. Bei den gängigen Support-Hotlines habe ich das gesamte Wochenende entweder keinen erreicht (deutsche Botschaft, außerhalb der Öffnungszeiten) oder wurde ohne Informationen abgewiesen (Auswärtiges Amt: 'Wir können bei Reiseanfragen nicht unterstützen.'). Ich bin froh, es trotzdem vor Schließung der Grenzen nach Hause geschafft zu haben." (Lea S., 29 Jahre, am Dienstag)

Teneriffa: "Das Personal gibt sich alle erdenkliche Mühe"

"Wir sitzen auf Teneriffa in unserem Hotel fest. Zum Glück haben wir ein wirklich gutes Haus erwischt. Das Personal gibt sich alle erdenkliche Mühe, uns den Aufenthalt so erträglich wie möglich zu gestalten. Leider dürfen wir die Einrichtungen des Hotels wie Pools, Fitness oder Spa nach polizeilicher Aufforderung nicht mehr nutzen. So warten wir halt auf eine Meldung unserer Reisegesellschaft hinsichtlich des weiteren Vorgehens. Aber immerhin sind wir, was Essen und Trinken anbelangt, sehr gut versorgt. Ansonsten sollte man nicht wagen, von der Guardia Civil außerhalb des Hotels erwischt zu werden. Die greifen hart durch und Strafen von bis zu 6000 Euro wurden bereits verhängt." (Volker L. am Dienstag)

Vietnam: "Wie hieß dieser Film noch mal ...?"

"Ich bin am 8. März nach Vietnam zu einem zweiwöchigen Urlaub gereist, im Glauben, dass es nicht so eskalieren würde. Hier in Vietnam werden wir seit einigen Tagen an den meisten Hotels abgewiesen als Deutsche. Inlandsflüge werden abgesagt oder verschoben, Planungen sind kaum mehr möglich. Die Gastfreundschaft der Vietnamesen hat sich ins Gegenteil verkehrt. Seit vorgestern versuche ich, meinen Rückflug vom 22. März auf den 18. oder 19. vorzuverlegen. Ich wollte von Saigon über Kuala Lumpur und Schiphol nach Berlin-Tegel. Meine Buchungsplattform hat die Hotline abgeschaltet. Aus mir unerfindlichen Gründen kann ich dort im Onlinesystem nicht umbuchen. Die Fluglinie bietet an, Flüge ohne Extrakosten umzubuchen, leider ist das im Onlinesystem wegen der 'Ticketbedingungen' aber leider auch nicht möglich. Die Hotline ist abgeschaltet, auf E-Mails wird nicht reagiert, das Kontaktformular auf der Website ist abgeschaltet. Ich sitze jetzt mit Gesichtsmaske (ab jetzt im öffentlichen Raum vorgeschrieben) am Flughafen in Da Lat und stelle mich auf einige Tage ohne Dusche und Übernachten am Flughafen ein. Wie hieß dieser Film noch mal ...?" (Magnus K., 31 Jahre, am Dienstag)

Spanien: "Die Situation ist sehr bedrückend"

"Nach einer einwöchigen Rundreise durch Andalusien sind mein Mann und ich in Nerja gestrandet. Wir bewohnen seit Samstag ein Airbnb-Apartment und dürfen es seit Sonntagmorgen nur noch zum Einkaufen verlassen. Die Polizei achtet stark darauf, dass die Ausgangssperre eingehalten wird. Die Situation ist sehr bedrückend. Ich habe große Angst, dass unser Flug nach Hause am kommenden Sonntag annulliert wird. Wir haben Montagmorgen mit unserer Fluglinie telefoniert, um einen früheren Flug zu bekommen, leider ohne Erfolg. Auch über ein Mitfahrerportal versuchen wir unser Glück, bisher ohne Ergebnis. Ich wünsche jedem Urlauber eine schnelle Heimfahrt und würde mir mehr Unterstützung durch die Fluglinie wünschen." (Britta S. am Montag)

Philippinen: "Wir sind mit den Nerven am Ende"

"Wir sind auf den Philippinen gestrandet. Manila ist 'locked down', keiner darf hier rein oder raus, überall Militär. Seit 20 Uhr am Montag gilt eine Ausgangssperre. Nun müssen wir sehen, wie wir wieder nach Hause kommen. Das Reisebüro versucht verzweifelt, einen Flug zu bekommen. Die deutsche Botschaft in Manila ist geschlossen. Wir sind mit dem Nerven am Ende." (Andreas S. am Dienstag)

Finnland: "Es war nicht greifbar"

"In Finnland hatte ich keine Angst vor dem Virus, es war nicht greifbar und die Zustände in Deutschland nicht vorstellbar. Der Auslandsaufenthalt war ein Teil meiner Ausbildung im Gesundheitsbereich und wurde aufgrund des Coronavirus abgebrochen. Als dies bekannt wurde, habe ich beschlossen, in Estland noch wenige Tage zu entspannen, was jedoch unmöglich war, als hier Gesundheitskontrollen eingeführt, die Grenzen geschlossen und die Fährverbindungen nach Helsinki gestrichen wurden. Nun bin ich selber in einer Ausnahmesituation, bedingt durch die Ungewissheit über meine Heimreise. Ich kann nicht ausschließen, dass ich mich nicht auch infizieren könnte, Angst davor habe ich jedoch nicht. Im Vordergrund steht die Sorge um meine Familie in Deutschland und den Verlauf der nächsten Tage." (Annelie S., 19 Jahre, am Dienstag)

La Réunion: "Zum Glück spreche ich Französisch"

"Ich bin auf La Réunion und versuche, heute Abend nach Hause zu kommen über Paris nach München. Bis Sonntag war hier eigentlich noch alles entspannt, zumal es auf der Insel offiziell nur wenige Fälle gibt. Mit Umsetzung der Maßnahmen von Präsident Macron, d. h. Schließen aller öffentlichen Gebäude, Museen usw. und ab heute einer Ausgangssperre ist natürlich jegliches Urlaubsfeeling weg. Informationen über Flugreisen nach Hause gibt es aber quasi nicht. Irgendwie ist sowieso nicht ganz klar, wie genau die Ausgangssperre kontrolliert wird, die in Kürze beginnt. Kleine Lebensmittelgeschäfte sind schon zu, die Straßen aber sonst leer. Ich bin zwar in der App vom Auswärtigen Amt angemeldet, aber die Informationen sind noch von Freitag, also völlig veraltet ... Zum Glück spreche ich Französisch, so dass ich mich selbst halbwegs um Infos kümmern kann. Die Maßnahmen hier finde ich angemessen, zumal ich bisher nicht das Gefühl hatte, dass sich die Leute hier der Gefahr für das Leben der Älteren und einen Zusammenbruch des Gesundheitssystems durch Corona bewusst waren. Allerdings hätte man schon früher Einreisende kontrollieren können. Das macht man aber erst seit gestern ..." (Oliver S., 40 Jahre, am Dienstag)

Japan: "Die Hotels sind sehr günstig geworden"

"Ich reise gerade mit zwei Freunden durch Japan und hier scheint die Lage sehr viel entspannter als in Deutschland und Europa insgesamt. Leider sind viele Sehenswürdigkeiten geschlossen, aber sollten in den nächsten Tagen wieder öffnen. Die Hotels sind sehr günstig geworden. Also ich fühle mich im Moment hier sicherer als in Deutschland. Nur mache ich mir ein wenig Sorgen, dass unser Flug am 30. März gestrichen wird." (Oliver T. am Dienstag)

Malta: "Sie stehen vor einem wirtschaftlichem Totalschaden, ich aber auch"

"Unser geplanter Erholungsurlaub auf Malta wurde zum Horror. Bis Donnerstag war alles in Ordnung, bis wir zufällig erfahren haben, dass alle Flüge ab sofort nach Deutschland eingestellt werden. Wir saßen fest. Zunächst versuchten wir unseren Urlaub noch so weit wie möglich zu genießen und hielten uns an die wechselnden Anweisungen der deutschen Botschaft, die scheinbar unterschätzt hatte, wie viele Deutsche sich tatsächlich auf Malta aufhalten, und die eingehenden E-Mails gar nicht bewältigen konnte. So sollten sich Pauschalreisende an ihren Veranstalter wenden, welcher zunächst nicht einmal wusste, dass Flüge gestrichen wurden, und uns nur auf unseren eigentlichen Abflugtag verwiesen hat. Wir wollten jedoch nur noch so schnell wie möglich nach Hause. Wir hängen immer noch fest. In einem Sammelhotel des Reiseveranstalters, mit ca. 200 Deutschen, vornehmlich älteren Mitgestrandeten. Infos von der Botschaft gibt es keine, auch der Veranstalter zuckt nicht. Wir mussten unser Hotel nach Ablauf der eigentlichen Zeit wechseln und haben jetzt drei Tage auf deren Kosten ein Zimmer in einem 4-Sterne-Hotel mitten im Nirgendwo. Wann wir zurückgeholt werden, ist fraglich, als junger fitter Mensch hat man da natürlich die schlechtesten Karten. Eins steht fest, nach Malta werde ich nie wieder zurückkehren, die Menschen versuchen, freundlich zu bleiben, aber die Regierung zwingt sie förmlich zur Ausbeutung der Touristen. Der Veranstalter versucht, alle Verantwortung von sich zu schieben, die Reiseleitung vor Ort war erst unfreundlich und heute hab ich sie schon gar nicht mehr gesehen. Ja, diese stehen vor einem wirtschaftlichem Totalschaden, ich aber auch. Ich bin 19 Jahre, Studentin in Leipzig, meinen Nebenjob im Hotelrestaurant hab ich durch die Umsatzeinbußen verloren, etwas Neues zu finden: aussichtslos." (Antonella P., 19 Jahre, am Montag)

Namibia und Botswana: "Die Bevölkerung ist sehr hilfsbereit"

"Wir sind derzeit auf einer Rundreise in Namibia und Botswana. Wir haben vor zwei Tagen erfahren, dass wir nächsten Sonntag nicht von Windhoek zurückfliegen können, weil Namibia alle Flüge von und nach Deutschland für 30 Tage ausgesetzt hat. Wir sind derzeit noch in Botswana und wissen nicht, ob wir in zwei Tagen über die Grenze nach Namibia zurückreisen dürfen. Sonst läuft hier der Alltag aber ziemlich normal, alle Geschäfte haben geöffnet und die Bevölkerung ist sehr hilfsbereit mit Anrufen an der Grenze und der Zusage, dass wir gegebenenfalls auch zurückkommen können, falls die Grenze nach Namibia geschlossen wird. Derzeit haben wir keine Informationen, wann wir zurückfliegen dürfen. Die Airline ist aber sehr bemüht, damit eine Ausreise aller Urlauber hier möglichst bald erfolgen kann." (Susanne K. am Dienstag)

Frankreich: "Das hieß: Im Auto schlafen"

"Wir haben unseren Urlaub auf unserem Grundstück in Spanien verkürzt. Dazu haben wir (wir fahren mit dem eigenen Pkw) auf halber Strecke in Lyon ein Hotelzimmer gebucht. Als wir nun am Montag dort ankamen, wurde uns mitgeteilt, dass das Hotel auf behördliche Anordnung geschlossen werden musste. Das hieß: Im Auto schlafen." (Matthias K. am Montag)

Neuseeland: "In Hostels bricht Hysterie aus"

"Vom Corona-Wahnsinn habe ich hier in Neuseeland zwar einiges durch Nachrichten und Familie mitbekommen, doch der Ernst der Lage wurde mir erst bewusst, als meine Eltern telefonieren wollten, um mir mitzuteilen, dass ich meinen geplanten dreimonatigen Aufenthalt in Spanien momentan vergessen kann. Das war Freitag, der 13. Am selben Tag habe ich das erste Mal in Neuseeland Präventionsmaßnahmen mitbekommen. So muss man zum Beispiel im Schwimmbad Abstand zum Mitarbeiter halten und die Hostels nehmen keine Reisenden mehr auf, die nach dem 1. März eingereist sind. In Hostels oder auf Facebook bricht eine Hysterie aus. Der Umgangston wird schärfer. Einige Backpacker weigern sich, in Quarantäne zu gehen. Kaum einer kann seine geplante Reise durchführen wie gewollt. Auch ich versuche, früher nach Hause zu kommen. Mein siebenmonatiger 'Work and Travel'-Aufenthalt geht anders zu Ende als erwartet. Ich kann einige Orte nicht mehr anschauen und viele Arbeitsplätze machen dicht. Mit dem Rückweg nach Hause hoffe ich wie so viele andere Reisende, dass mehr Ruhe einkehrt und wir gemeinsam mit unseren Familien die schwere unklare Zeit durchstehen. Fest steht, es gibt eine Zeit nach Corona." (Anna W., 18 Jahre, am Montag)

Ägypten: "Wie in jedem normalen Urlaub auch"

"Zurzeit bin ich mit zwei Freunden in Makadi Bay (nahe Hurghada). Unser Rückflug sollte am 23. März stattfinden, am Samstag sind wir angereist. Im Flugzeug mussten wir eine Gesundheitskarte ausfüllen, zudem wurde am Flughafen in Hurghada bei jedem Reisenden die Körpertemperatur gemessen. Im Hotel an sich ist von der ganzen Anspannung und dem Stress in der Heimat nichts zu merken. Es herrscht eine entspannte Atmosphäre und die Stimmung ist gut. So wie in jedem normalen Urlaub auch. Heute erreichte uns durch das Auswärtige Amt die Nachricht, dass Ägypten alle internationalen Flughäfen im Land am Donnerstag schließt. Wir haben uns umgehend an unseren Reiseleiter gewandt. Dieser hat sich professionell um die Situation gekümmert. Etwas später am Abend haben wir einen Zettel von unserem Reiseveranstalter erhalten. Darauf stand, dass alle Deutschen kurzfristig nach Deutschland zurückgeschickt werden. Nun warten wir auf weitere Informationen zu unserem Rückflug." (Erik L., 19 Jahre, am Montag)

Indonesien: "Der Zeitpunkt war perfekt"

"Hier eine positive Erfahrung: Wir sind seit zwei Wochen in Indonesien unterwegs, momentan sind wir auf Bali. Zu Beginn der Reise waren wir sehr verdutzt, dass das Flugzeug so wenige Menschen beförderte, dass jeder eine eigene Sitzreihe benutzen konnte. Die Zwischenlandung in Hongkong war sehr unheimlich. Ein menschenleerer Flughafen. In der Transitzone dann die Fiebermessung und nur Mitarbeiter mit Mundschutz, Handschuhen und Schutzbrillen. Etwas gruselig, da man dies von Deutschland zu diesem Zeitpunkt nicht gewohnt war. In Denpasar dasselbe, nur viel mehr Menschen. Jeder war angehalten, eine Aufenthaltskarte auszufüllen, für den Fall einer Ansteckung. Ab dann war alles entspannt. Die tägliche Medienberichterstattung zur Lage in Deutschland war kaum zu glauben, da man hier kaum etwas mitbekommen hat und das Virus so weit entfernt war. Dass aber weniger Touristen aufgrund von Corona in Indonesien waren, machte sich an den Attraktionen bemerkbar. Langes Anstehen und die Massen an sich fielen weg, was es für uns als Reisende natürlich angenehmer machte. Ein Tag nach dem Besuch auf den Gili-Inseln konnten wir auf Instagram lesen, dass die Gilis nun erst mal für Touristen geschlossen werden. Das war das erste Mal, dass Corona in Indonesien wirklich präsent war. Da sich die Lage in Deutschland bzw. Europa so zuspitzt, bleibt es die letzten Tage in Indonesien spannend, ob der Rückflug nach Zürich am Freitag klappt. Es war aber ein traumhafter Urlaub in einem einzigartigen Land mit bemerkenswerten Menschen. Der Zeitpunkt war perfekt, um die Massen zu umgehen und die Einheimischen ein bisschen mit unserem Aufenthalt finanziell zu unterstützen." (Saskia K., 30 Jahre, am Dienstag)

Portugal: "Hier werde ich bleiben"

"Ende Januar habe ich Deutschland mit dem Wohnmobil verlassen und bin, als frischer Rentner, langsam zum Überwintern an die Algarve gefahren. Seit drei Wochen bin ich in Portugal. Aktuell stehe ich auf einem Campingplatz in der Nähe von Sagres. Hier werde ich bleiben. Ich befinde mich in guter Gesellschaft, der Platz ist sehr weitläufig, jeder hat gute 100 Quadratmeter, so dass wir auch genügend Abstand haben. Familie und Freunde machen mich über WhatsApp verrückt, ich soll zurückkommen, aber sicherer als in Portugal kann ich wohl in keinem anderen europäischen Land sein. Vor etwa fünf Tagen gab es in ganz Portugal etwa 150 Coronafälle, davon sechs an der Algarve. Jetzt wird hier auch massiv Vorsorge getroffen, also denke ich, dass der Anstieg langsam erfolgen wird. Und dann kommt auch bald der Sommer. Aktuell sind es 18 bis 25 Grad. In Supermärkte kommt man nur noch, wenn jemand anderes rauskommt. Restaurants und Cafés sind teilweise geschlossen. Die Grenze zu Spanien ist geschlossen. Jegliche Freizeit- oder Sportaktivitäten am Strand sind verboten. Damit will man vermeiden, dass die Portugiesen, die jetzt zwangsweise freihaben, alle an den Strand fahren und sich dort anstecken. Hier neben mir stehen noch drei deutsche Wohnmobile, die alle keinen Zeitdruck haben und hierbleiben wollen. Uns geht es gut, mal sehen wie es weitergeht." (Robert L. am Montag)

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