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Coronavirus in Europa und weltweit:Was Sie jetzt zum Reisen wissen sollten

Der Strand Hua Hin in Thailand wäre schön leer, wenn man denn hinkäme. Wahrscheinlicher ist in diesem Sommer ein Urlaub unter Palmen im Tessin.

(Foto: Jack Taylor/AFP)
  • Wegen der Corona-Pandemie hat die Bundesregierung eine weltweite Reisewarnung für touristische Reisen ausgesprochen, die bis 14. Juni gilt.
  • Die EU hat ihre Außengrenzen geschlossen, doch innerhalb treten nach und nach Lockerungen in Kraft: So reduziert Deutschland seine Grenzkontrollen ab Mitte Mai, wegfallen sollen sie aber erst am 15. Juni. Auch Quarantäne-Regeln für Einreisende entfallen teilweise wieder.
  • Welche Rechte Reisende haben, wenn ihr Urlaub storniert wird, sie ihn absagen oder umbuchen wollen - oder einen neuen planen.

Welche Reisebeschränkungen gelten und wo werden sie wieder gelockert?

Wegen der Corona-Pandemie hat die Bundesregierung Mitte März eine weltweite Reisewarnung für touristische Reisen ausgesprochen und sie bis 14. Juni verlängert - also bis kurz vor den Sommerferien, die in den ersten Bundesländern Ende Juni beginnen. Wer über Pfingsten eine Auslandsreise gebucht hat, kann aufgrund der Reisewarnung leichter kostenfrei stornieren. Am 18. Mai hat Außenminister Heiko Maas mit europäischen Amtskollegen über Möglichkeiten zum Neustart des Tourismus beraten. Ziel ist es, aus der weltweiten Reisewarnung wieder differenzierte Reisehinweise zu den einzelnen Ländern zu machen - dann kann jeder selbst überlegen, ob er verreisen möchte. Wie sich derzeit einzelne Urlaubsländer auf Touristen vorbereiten und was dort möglich ist, steht hier im Überblick.

Laut einem Eckpunktepapier für Tourismus in Europa, das der Nachrichtenagentur dpa vorliegt und möglicherweise am Mittwoch im Kabinett beschlossen wird, soll das Ende der Reisewarnung zunächst für 31 Staaten gelten: Neben den 26 Partnerländern Deutschlands in der Europäischen Union gehören dazu Großbritannien und die vier Staaten des grenzkontrollfreien Schengenraums Island, Norwegen, die Schweiz und Liechtenstein.

Um einen möglichst guten Schutz der Touristen vor einer Corona-Infektion zu gewährleisten, will sich die Bundesregierung in der EU für eine Reihe gemeinsamer Kriterien einsetzen. Unter anderem schlägt sie die Übernahme der Obergrenze von 50 Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen durch die anderen europäischen Länder vor. In Deutschland führt eine Überschreitung dieser Grenze zu einer Wiedereinführung von Anti-Corona-Maßnahmen.

Zudem sollen die einzelnen Länder laut Eckpunktepapier "tragfähige Konzepte" zur Einhaltung von Abstandsregeln und zur Handhygiene, zum Tragen von Masken und zur Belüftung und Desinfektion von Räumen entwickeln. Die Schutzkonzepte sollen auch Pläne für den Fall der Erkrankung von Urlaubern enthalten sowie hinreichende Testkapazitäten, Quarantäne- und Behandlungsmöglichkeiten nachweisen. Zudem müssten die Empfehlungen der EU-Kommission für die Sicherheit von Passagieren und Personal in Transportmitteln wie Flugzeugen umgesetzt werden, heißt es in dem Papier aus dem Außenministerium. Doch auch das Innenministerium ist gefragt: Wollen Deutsche ins Ausland reisen, müssen auch Besucher aus diesen Ländern hier Urlaub machen dürfen.

Deutschland hatte ebenfalls im März Einreiseverbote in Kraft gesetzt und strenge Grenzkontrollen eingerichtet, doch diese sind von 16. Mai an gelockert und sollen am 15. Juni ganz aufgehoben werden - falls die Infektionszahlen weiter zurückgehen. Die Grenze zu Luxemburg ist schon jetzt komplett geöffnet. An der deutsch-dänischen Grenze ist Deutschland laut Bundesinnenministerium ebenfalls bereit, die Kontrollen einzustellen, "sobald die dänische Regierung ihre laufenden Konsultationen mit ihren jeweiligen Nachbarstaaten vollzogen hat". Erste Lockerungen gibt es inzwischen: So können Deutsche einreisen, die ein Ferienhaus in Dänemark besitzen, und Großeltern dürfen sich auf ein Wiedersehen mit ihren Enkeln freuen, ebenso werden unverheiratete Paare wieder vereint.

Auf touristische Reisen ins Ausland sollen die Deutschen trotzdem bis Mitte Juni verzichten. Sollte die Zahl der Neuinfektionen in Deutschlands Nachbarregionen stark steigen, werde außerdem wieder intensiver kontrolliert. Dabei biete der hierzulande geltende Richtwert von mehr als 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern in sieben Tagen Orientierung.

Seit 10. April mussten Heimkehrer in Deutschland zunächst für zwei Wochen in häusliche Quarantäne. Diese Vorschrift entfällt nun teilweise, und zwar für diejenigen, die aus EU-Ländern, Großbritannien, Island, Norwegen, Liechtenstein oder der Schweiz einreisen. Bund und Länder hätten sich darauf verständigt, dass es nur noch eine Empfehlung für eine Quarantäne für Reisende aus Gebieten mit hohen Infektionszahlen geben werde, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums am 15. Mai. Dafür werde eine detaillierte Verordnung erarbeitet. Bis dahin bestehe die Pflicht nur noch für Einreisende aus Staaten außerhalb der EU bzw. außerhalb des Schengenraums.

Deutschland, Österreich und die Schweiz haben zum 16. Mai die Regeln für den grenzüberschreitenden Verkehr gelockert. Der Grenzübertritt in beide Richtungen ist nun auch wieder möglich, wenn man den Lebenspartner oder Verwandte besuchen oder an wichtigen Familienanlässen teilnehmen will. Gleiches gilt für Besitzer selbst genutzter Liegenschaften und Schrebergärten, von Landwirtschafts-, Jagd- oder Forstflächen oder Personen, die im anderen Land Tiere zu versorgen haben. Wer eine dieser Lockerungen in Anspruch nehmen will, muss eine Selbsterklärung ausfüllen und diese am Grenzübergang bei einer Kontrolle vorweisen können. Das Formular kann auf der Website der Bundespolizei heruntergeladen und ausgedruckt werden. Einkaufen oder Wandern gehören zum Beispiel weiterhin nicht zu triftigen Gründen für den Grenzübertritt, betonte ein Sprecher.

Sofern die Entwicklung der Corona-Krise es zulässt, sollen sämtliche verbleibenden Reisebeschränkungen zwischen Deutschland, Österreich, der Schweiz und Frankreich am 15. Juni 2020 aufgehoben werden. Für die Ausreise aus Deutschland nach Polen und Tschechien gelten weiterhin strikte Beschränkungen. Polen hat mittlerweile ebenfalls Grenzöffnungen für den 15. Juni in Aussicht gestellt. Was momentan an den Binnengrenzen im Einzelnen gilt, hat die Bundespolizei hier zusammengefasst.

Spanien hat Mitte Mai zwar den Einreisestopp gelockert, aber eine zweiwöchige Quarantänepflicht für Einreisende festgelegt, solange der Ausnahmezustand im Land noch andauert. Italien will schon ab 3. Juni wieder EU-Bürger über die Grenze lassen.

In Deutschland selbst hatten sich die Bundesregierung und die Länder im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus auf Verbote und Ausgangsbeschränkungen geeinigt - die im Mai wieder schrittweise gelockert oder aufgehoben wurden.

Die Außengrenzen der Europäischen Union sind weiterhin abgeriegelt, das Verbot betrifft alle Flüge und Schiffsreisen, die ihren Ausgangspunkt außerhalb der EU haben. Ausnahmen gibt es für Staatsangehörige Norwegens, der Schweiz, Liechtensteins, Islands sowie Großbritanniens. Die Bundespolizei informiert darüber, wer aktuell nach Deutschland einreisen darf und welche Dokumente dafür erforderlich sind.

Über die weltweit geltenden Beschränkungen informiert das Auswärtige Amt auf seiner Website in den Reise- und Sicherheitshinweisen für die jeweiligen Länder, noch aktuellere Informationen bieten bisweilen die Konsulate.

In welchem Zeitraum sagen Veranstalter derzeit Reisen ab - und wann soll es wieder losgehen?

Man habe beschlossen, "den größten Teil aller Reiseaktivitäten auszusetzen, einschließlich Pauschalreisen, Kreuzfahrten und Hotelbetrieb", teilte der Tui-Konzern im März mit - und das weltweit. Zunächst galt der Stopp bis Ende März, inzwischen hat Tui Deutschland sämtliche Reisen im Inland bis zum 24. Mai abgesagt, ins Ausland bis zum 14. Juni. Danach will das Unternehmen möglichst bald etwa Reisen nach Mallorca und auch Kreuzfahrten in Nord- und Ostsee anbieten - wenn Auslandsurlaub dann wieder möglich ist.

Auch Studiosus und DER Touristik (Dertour, ITS, Jahn Reisen, Meiers Weltreisen und ADAC Reisen) streichen ihre Auslandsreisen inzwischen bis 14. Juni, ebenso die FTI-Group (FTI Touristik, 5vorFlug, BigXtra und LAL Sprachreisen) sowie Schauinsland Reisen, Wikinger Reisen und Gebeco. Alltours hat seine Flugreisen ebenfalls entsprechend der Reisewarnung bis Mitte Juni abgesagt, Deutschland-Reisen finden ab dem 30. Mai dagegen wieder statt.

Werden Pauschalreisen und Flüge vom Veranstalter storniert, muss der Preis erstattet werden. In der Branche gab es deshalb massive Forderungen, Gutscheine anstelle von Erstattungen zu erlauben, um die finanzielle Belastung für die Unternehmen zu reduzieren. Ein entsprechender Vorstoß der Bundesregierung scheiterte aber am Widerstand der EU-Kommission. Aus Gründen des Verbraucherschutzes müssten Gutscheine freiwillig bleiben - aber so attraktiv gestaltet werden, dass sie für Kunden als Alternative zur Erstattung interessant werden, heißt es in einer Empfehlung der Kommission an die Mitgliedsstaaten. Dafür sollten sie gegen Insolvenz abgesichert, übertragbar und möglichst flexibel einsetzbar sein. Kann der Kunde den Voucher doch nicht nutzen, soll er den Wert ausbezahlt bekommen. Eine entsprechende Regelung für freiwillige Gutscheine hat das Bundeskabinett nun auf den Weg gebracht. In Deutschland werben außerdem einige große Veranstalter wie Tui, FTI oder DER Touristik mit Bonuszahlungen für ihre freiwilligen Gutscheinmodelle.

Kunden, die eine in den kommenden Monaten geplante Reise angesichts der aktuellen Lage von sich aus absagen wollen, müssen hingegen mit Stornogebühren rechnen. Die Höhe hängt davon ab, wie bald die Abreise bevorsteht. Allerdings bieten immer mehr Veranstalter eine kostenfreie Umbuchung an.

(In diesem Artikel lesen Sie ausführliche Informationen zu reiserechtlichen Fragen rund um Reisen in den nächsten Monaten.)

Wer zahlt den Reiseausfall, wenn man wegen geänderter Einreisebestimmungen gar nicht mehr ins Urlaubsland kommt?

Bei Pauschalreisen ist der Veranstalter in der Pflicht, er zahlt entweder den Preis zurück oder bietet eine Umbuchung an - hier gilt das deutsche Reiserecht. Wegen der außergewöhnlichen Umstände werden die Kunden aber keinen Schadenersatz wegen entgangener Urlaubsfreuden bekommen.

Individualreisende hingegen haben selbst Hotel oder Mietwagen gebucht und sind daher mit den jeweiligen nationalen Gesetzen konfrontiert. Nach deutschem Recht müssten sie nichts bezahlen, wenn sie die Leistungen nicht nutzen können. "Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn die Unterkunft in einem Sperrgebiet liegt und nicht erreichbar ist", heißt es bei der Verbraucherzentrale. Wenn ein Vertrag direkt mit Vermietern im Ausland geschlossen wurde, gilt jedoch das Recht des jeweiligen Landes - hier ist es dann zum Beispiel wichtig, ob demnach der Vertrag wegen der weltweiten Reisewarnung des deutschen Auswärtigen Amtes hinfällig wird. Je nach Stornobedingungen müssen Betroffene sonst auf Kulanz hoffen oder versuchen auszuhandeln, dass etwa der Hotelaufenthalt nur verschoben und nicht teuer storniert wird.

Wer auf einem deutschsprachigen Hotelportal im Internet oder auch beim Hotel direkt eine Unterkunft zum Beispiel in Italien gebucht hat, für den gilt damit grundsätzlich das Recht des Beherbergungsortes, also italienisches Recht. Reiserechtsexperte Ernst Führich rät Urlaubern, sich an das Beherbergungsunternehmen zu wenden und auf eine gebührenfreie Stornierung des Aufenthalts wegen Nichterreichbarkeit des Domizils zu pochen. Italien hat allerdings mit Dekret vom 8. März 2020 zugelassen, dass die Beherbergungsunternehmen Gutscheine statt Erstattungen des gezahlten Reisepreises ausgeben können.

Im Streitfall kann ausnahmsweise auch am Wohnsitzgericht des Verbrauchers geklagt werden. Voraussetzung ist allerdings, dass der Gast auf einer interaktiven Website des ausländischen Hoteliers oder Ferienhausanbieters in Deutschland gebucht hat. Dann ist die Tätigkeit des Beherbergungsunternehmens auf Deutschland "ausgerichtet" im Sinne des EU-Gerichtsstandübereinkommens. Das deutsche Gericht wendet dann italienisches Recht an.

Gut dürfte es für Individualreisende aussehen, wenn Airlines mit im Spiel sind, sagt Reiserechtsexperte Paul Degott: Habe ein Land einen Einreisestopp verhängt oder Visa für Deutsche gelöscht, könne die Airline den Passagier gar nicht mehr ans Ziel befördern. Ansonsten müsste sie sogleich für den Rücktransport sorgen und bekäme noch dazu eine Strafe des Ziellandes aufgebrummt. "Also muss der Vertrag vorher rückabgewickelt werden", die Passagiere bekommen ihr Geld für das Ticket zurück, erklärt Degott.

Wie sieht es derzeit bei Airlines, Fernbussen und Kreuzfahrten aus?

In Europa und weltweit werden Reisende vom Virus ausgebremst: Bei gestrichenen Verbindungen bekommen die Passagiere ihr gesamtes Geld zurück.

Die Lufthansa hat ihr Angebot drastisch zusammengekürzt, Passagiere sollten den aktuellen Status ihres Fluges prüfen. Die Lufthansa verlängerte ihren Rumpf-Flugplan bis zum 31. Mai, alle Flüge aus dem regulären Plan werden bis zu diesem Termin annulliert. Die Tochter Austrian Airlines stellt ebenso wie Brussels Airlines ihren regulären Flugbetrieb bis 31. Mai ein. Eurowings nimmt bereits Mitte Mai wieder einige Verbindungen in den Mittelmeerraum auf. Von Juni an werde die Airline-Group mit Lufthansa, Eurowings und Swiss wieder 106 Ziele der Kurz- und Mittelstrecke anfliegen, teilte das Unternehmen mit - darunter Mallorca, Sylt und Kreta. Im Laufe des Junis will das Unternehmen dann aus München wieder Langstreckenziele anbieten und damit die Zahl der Ziele auf 130 weltweit steigern. Egal wohin: Wer in nächster Zeit fliegt, muss an Bord durchgehend eine Schutzmaske tragen.

Auch der Ferienflieger Condor ist wegen der Pandemie kaum unterwegs. Das Unternehmen schickte noch Flugzeuge, um Urlauber zurückzuholen - dann bot es "Erntehelfer"-Tickets an für Landwirte, die auf Arbeiter aus dem Ausland angewiesen sind. Zudem fliegt Condor noch Palma de Mallorca, Teneriffa und Gran Canaria an. Der reguläre Flugplan ist bis 28. Mai bei Kurz- und Mittelstreckenflügen sowie bis 25. Juni auf der Langstrecke ausgesetzt.

British Airways, Iberia, Aer Lingus, Vueling und Level sagten für April und Mai mindestens 75 Prozent ihrer Flüge ab. Air France-KLM streicht in diesem Zeitraum 90 Prozent. Lot Airlines haben den Flugbetrieb weitgehend eingestellt. Auch Easyjet und Ryanair, die beiden größten Billigfluggesellschaften Europas, legen den Großteil ihrer Flotten still - bei Easyjet bleiben seit 30. März sogar alle Maschinen am Boden.

Ryanair will seinen Flugbetrieb vom 1. Juli an wieder hochfahren, dann sollen 40 Prozent der regulären Flüge wieder stattfinden - vorausgesetzt, die Regierungen lockern die Reisebeschränkungen für Flüge innerhalb der EU und an den Airports werden Sicherheitsmaßnahmen zum Gesundheitsschutz eingeführt. Täglich würde Ryanair nach eigenen Angaben dann fast 1000 Flüge anbieten und damit 90 Prozent der Strecken abdecken, die die Airline vor der Corona-Krise angesteuert hatte.

Die Fernbusunternehmen Flixbus und Blablabus hatten ihren Betrieb eingestellt. Flixbus nimmt am 28. Mai nach zwei Monaten Corona-Pause seinen Betrieb wieder auf, wenn auch deutlich reduziert: Zunächst sollen nur 26 Busse in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterwegs sein, knapp 50 Haltestellen werden angefahren. Im Bus gilt Maskenpflicht, die Toiletten bleiben geschlossen, die Fahrzeuge werden nach jeder Fahrt desinfiziert.

Die meisten Kreuzfahrten fallen bis auf Weiteres aus: So hat etwa Aida Cruises alle Fahrten ihrer 14 Schiffe umfassenden Flotte mittlerweile bis Ende Juni storniert. Auch die Tui Cruises hat alle Kreuzfahrten abgesagt, plant aber etwa Ost- und Nordsee-Touren, sobald diese wieder möglich sind.

Wer zahlt, wenn der Rückflug annulliert wurde und sich der Reisende eine teurere Heimkehr organisieren musste?

Airlines weltweit haben ihr Flugprogramm extrem gekürzt. Dadurch fielen auch normale Rückflüge aus, sodass die Passagiere ausgerechnet in der Corona-Krise ihre Heimreise nicht antreten konnten. Kunden einer EU-Airline steht nach der Fluggastrechteverordnung zu, dass die Airline nicht nur das Geld für den annullierten Flug zurückzahlt, "sondern sich auch um die Versorgung der Passagiere kümmert und sie zum Beispiel falls nötig in einem Hotel unterbringt - und vor allem für einen Ersatzflug sorgt", erklärt Reiserechtsexperte Paul Degott. Kümmere sich die Airline oder bei Pauschalreisen der Veranstalter gar nicht oder nicht schnell genug, dürfen Urlauber selbst nach einem Rückflug suchen. Nur: Die wenigen Plätze auf Rückflügen nach Deutschland waren knapp, daher stiegen die Preise; außerdem sind Einzelflüge generell viel teurer als Hin- und Rückflug-Pakete. Wer seinen annullierten Flug bei einer Airline mit Sitz in der EU gebucht hat, kann die Zusatzkosten bei der Fluggesellschaft zurückfordern. "Wichtig ist, dass der Fluggesellschaft eine Abhilfefrist gesetzt wird und die sogenannte Ersatzvornahme angedroht wird, damit sicher die zunächst vorgelegten Kosten als Schadensersatz eingefordert oder eingeklagt werden können", sagt Degott. Als Frist reichten angesichts einer so brisanten Lage wie in der Coronakrise wenige Stunden.

Auch wenn die Fluggesellschaft ihren Sitz außerhalb der EU hat, könnten sich Reisende auf diese Regelungen berufen, sofern es sich um einen in Deutschland gebuchten Hin- und Rückflug handele, betont Degott. Wenn allerdings etwa ein Flugticket von Neuseeland nach Deutschland in Neuseeland gebucht wurde und der Flug dann annulliert wird, gilt das Zivilrecht des jeweiligen Landes.

Wie verändert sich das Zugfahren in der Coronakrise?

Die Deutsche Bahn erweitert ihr Angebot an Fernzügen wieder. Für Pfingsten rechne die Bahn mit einer Auslastung der Züge von 30 bis 40 Prozent. Vor der Corona-Krise lag sie bei etwa 55 Prozent, zu Feiertagen wie Pfingsten noch höher. "Es geht langsam bergauf", sagte Personenverkehrsvorstand Berthold Huber am 25. Mai. Auf den wichtigsten Verbindungen werde man nun wieder längere Züge einsetzen. Zudem würden touristische Ziele wie die Alpenregion oder Nord- und Ostsee verstärkt angefahren. Einen Überblick über aktuelle Entwicklungen bei der Bahn finden Sie hier auf bahn.de/aktuell.

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Wegen der verschärften Einreiseregeln muss die Deutsche Bahn etliche Zugverbindungen früher enden oder ganz ausfallen lassen, zum Beispiel Fahrten nach Italien, Österreich, in die Schweiz, nach Dänemark, Polen und Tschechien. Auf anderen internationalen Strecken gibt es ebenfalls weniger Verbindungen.

Kunden können Reisen kostenlos verschieben oder stornieren: Die Deutsche Bahn hat ihre Stornierungsregeln weitreichend gelockert. Es muss dafür auch niemand in Hektik die Verkaufsstellen in den Bahnhöfen aufsuchen: "Die Kulanzregelungen gelten in den kommenden Wochen, deshalb ist es nicht erforderlich, sich unverzüglich zu melden", betont das Unternehmen. Erstattungen könnten auch noch nach dem gebuchten Reisetag eingereicht werden.

Unabhängig vom Reiseziel können Sparpreis- und Supersparpreistickets gegen Gutscheine umgetauscht werden. Das ist im Unterschied zu flexiblen Tickets zum Normalpreis sonst nicht ohne Weiteres möglich. Für Fernverkehrsfahrten nach dem 4. Mai gilt nun: Kunden können ihre Reise verschieben und die Tickets noch bis zum 31. Oktober flexibel nutzen - sofern sie vor dem 13. März gekauft worden sind. Auch bei den Sparpreisen ist dafür die Zugbindung aufgehoben. Bislang galt, dass die Bahn diese Tickets bis zum 30. Juni akzeptiert.

Die Züge von Flixtrain fahren vorläufig nicht. Und die Österreichischen Bundesbahnen ÖBB haben den Zugverkehr von und nach Italien, Tschechien, Slowenien, in die Slowakei und die Schweiz bis auf weiteres eingestellt. Internationale Tickets mit Gültigkeit bis 1. Juni können gratis storniert werden.

Auch die italienischen Bahnunternehmen kommen Kunden entgegen: Trenitalia kündigte bereits im Februar an, Zugfahrten unabhängig vom Tarif komplett zu erstatten. Wer ein Ticket für einen Hochgeschwindigkeits- oder Fernzug gebucht habe, erhalte einen Gutschein mit einem Jahr Gültigkeit, für Regionalzug-Tickets gebe es eine Erstattung in bar.

Welche Vorsorgemaßnahmen trifft die Deutsche Bahn gegen das Coronavirus? Passagiere müssen derzeit in allen Fern- und Regionalzügen Mund-Nasen-Masken tragen. Um eine Überfüllung zu vermeiden, soll die Bahn-App "DB Navigator" künftig anzeigen, wenn Züge zu mehr als 50 Prozent ausgelastet sind. Dann sollten Fahrgäste auf weniger volle Züge ausweichen, um Abstände besser einhalten zu können. Falls die Behörden in einem Zug einen Corona-Verdacht feststellen, werde der betroffene Bereich gesperrt und nach der Fahrt professionell gereinigt und desinfiziert, teilt der Konzern mit. Die Fahrgäste würden dann vom Zugpersonal informiert, dass sie ihre Daten hinterlegen sollten (über bahn.de/corona oder unter der Telefonnummer 0800 5 14 15 14), um von den Behörden bei Bedarf kontaktiert werden zu können.

Was rät das Auswärtige Amt?

  • Wegen der Corona-Krise hat die Bundesregierung eine weltweite Reisewarnung ausgesprochen.
  • Änderungen der Einreise- und Quarantänevorschriften in anderen Ländern würden teilweise ohne jede Vorankündigung und mit sofortiger Wirkung erlassen.
  • Touristen sollten sofort noch bestehende Flugverbindungen für eine schnellstmögliche Rückreise nach Deutschland nutzen.
  • Reisende sollten sich in der Krisenvorsorgeliste registrieren und die Kontaktdaten darin aktuell halten. Unterwegs solle man sich über die Lage im Land auf dem Laufenden halten, zum Beispiel über die Sicher Reisen App des Amtes.
  • Der Reisekrankenversicherungsschutz sollte überprüft und falls nötig um eine Rückholung erweitert werden.
  • Zudem ist es ratsam, einen ausreichenden Vorrat an notwendigen Medikamenten auch für den Fall eines verlängerten Aufenthalts im Ausland zu organisieren.
  • Reisende sollten sich auf mögliche zusätzliche Kosten bei einem verlängerten Aufenthalt vorbereiten und jetzt schon ihren Kreditrahmen erhöhen.
  • Wer heimkehrt, sollte sich vorher bei der Bundespolizei sowie beim Innenministerium über Quarantäne, Reisebeschränkungen und Grenzkontrollen informieren. Nach einem mehrtägigen Aufenthalt im Ausland gilt eine zweiwöchige Quarantänepflicht zuhause - allerdings soll diese laut Innenministerium für Reisende innerhalb der EU aufgehoben werden und nur noch für Drittstaaten gelten.

Weitere Informationen finden Reisende im Merkblatt COVID-19 sowie auf den Seiten des Robert-Koch-Instituts und der WHO als auch der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Und was, wenn ich aus dem Ausland zurückkomme?

Seit 10. April mussten Heimkehrer - außer Berufspendler - für zwei Wochen in häusliche Quarantäne - diese Vorschrift wird nun teilweise wieder aufgehoben, und zwar für Einreisende aus EU- und Schengen-Staaten sowie aus Großbritannien. Bundesinnenminister Horst Seehofer hatte den zuständigen Bundesländern am 13. Mai empfohlen, die bislang geltenden Quarantäne-Regeln zu lockern und nur noch auf Menschen anzuwenden, die sich zuvor in Drittstaaten aufgehalten haben.

Das Thema liegt in der Zuständigkeit der Bundesländer. Der nordrhein-westfälischen Landesregierung zufolge soll künftig insgesamt das konkrete Infektionsgeschehen im Ausland wieder stärker berücksichtigt werden. So würden auch Rückkehrer aus anderen Staaten dann von der Quarantäne-Pflicht befreit, wenn das Robert-Koch-Institut für diese Staaten feststelle, dass eine Quarantäne entbehrlich sei. Umgekehrt könne ein Wiedererstarken der Pandemie in Mitgliedstaaten der EU und Schengen-Staaten dazu führen, dass es auch in Bezug auf diese Staaten wieder zu Schutzmaßnahmen komme.

Von der Quarantäne-Regel betroffene Rückkehrer sind verpflichtet, "sich unverzüglich nach der Einreise auf direktem Weg in die eigene Häuslichkeit oder eine andere geeignete Unterkunft zu begeben und sich für einen Zeitraum von 14 Tagen nach ihrer Einreise ständig dort abzusondern", heißt es in der Verordnung. Während dieser Zeit sei es "nicht gestattet, Besuch von Personen zu empfangen, die nicht ihrem Hausstand angehören". Ausnahmen gibt es etwa für Pflegekräfte.

Wer per Flugzeug oder Schiff kommt, muss Reiseroute und Kontaktdaten bekannt geben, das Gesundheitsamt an seinem Wohnort soll dann die Einhaltung der Quarantäne überwachen.

Bußgelder hängen davon ab, wie groß das "Ausmaß der durch die Tat entstandenen Gefahren für die öffentliche Gesundheit" ist, ob der Betreffende fahrlässig gehandelt hat oder sich uneinsichtig zeigt und ob ein Wiederholungsfall vorliegt. Wer nach der Einreise gegen das Gebot der häuslichen Quarantäne verstößt, soll laut Bußgeld-Katalog zwischen 500 Euro und 10 000 Euro zahlen. Verstöße gegen das Besuchsverbot sollen mit einer Strafe von mindestens 300 Euro und höchstens 5000 Euro geahndet werden. Fährt jemand nicht direkt nach Hause, soll er 150 Euro bis 3000 Euro bezahlen. Wer seiner Verpflichtung, Kontakt zum Gesundheitsamt aufzunehmen, nicht nachkommt, muss mit einem Bußgeld zwischen 150 Euro und 3000 Euro rechnen.

Wer kommt für die Zusatzkosten auf, wenn Urlauber länger als gedacht im Hotel oder auf dem Kreuzfahrtschiff in Quarantäne festsaßen?

Hier sind wieder Pauschalurlauber besser abgesichert: Müssen sie während ihrer regulären Reisezeit in Quarantäne, könnten sie diese als Mangel anführen und Geld zurückerhalten. Allerdings müssten sie das gleich vor Ort ihrem Veranstalter mitteilen, der wiederum versuchen könnte, den Betrag von den Behörden wiederzuholen, welche die Quarantäne angeordnet hatten. Außerdem sieht der Paragraf 651q BGB eine Beistandspflicht des Veranstalters vor, erklärt Rechtsexperte Degott: Ein Pauschalreiseanbieter müsse etwa dafür sorgen, dass seine Kunden mit anderen Rückflügen als geplant nach Hause kommen. Müssen die Gäste länger in Quarantäne bleiben, als ihre Zimmer gebucht sind, und fordert der Hotelbetreiber Geld, sollten die Urlauber nicht zahlen: Hier steht der Staat in der Pflicht, der die Quarantäne angeordnet hat. Daher müssten auch Individualreisende nicht für ihren längeren Zwangsaufenthalt zahlen - aber wohl für andere Rückflüge, außer die Airline zeigt sich kulant.

Im Fall des Hotels Costa Adeje Palace auf Teneriffa, in dem Gäste im März zwei Wochen lang ausharren mussten, hatte zum Beispiel die Tui laut einem Pressesprecher die Kosten für ihre Pauschalreisenden übernommen, auch einen Aufschlag für teurere Rückflüge hätten sie zumindest in diesem Einzelfall nicht zahlen müssen.

© SZ.de/mit Material von dpa und Reuters/dd/ihe/edi/kaeb
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