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Einschränkungen beim Reisen:Nichts geht mehr

Coronavirus - Großbritannien

Passagiere sitzen am Flughafen Gatwick auf dem Boden. Wegen der in Großbritannien entdeckten neuen Variante des Coronavirus werden Flüge von dort nach Deutschland und in andere EU-Staaten weitgehend gestoppt.

(Foto: Gareth Fuller/picture alliance/dpa/PA Wire)

Nach dem Stopp von Flügen aus Großbritannien stranden viele Passagiere an Airports. Für Südafrika wird ein ähnliches Verbot erwartet - nur wollen hier viele Reisende gar nicht sofort zurück.

Von Markus Balser, Bernd Dörries, Hans Gasser und Katja Schnitzler

Die deutschen Passagiere aus Südafrika schienen selbst etwas überrascht zu sein, dass sie am Montagmorgen noch auf dem Münchner Flughafen landen konnten. Einfach so, nicht einmal einen negativen Corona-Test brauchten sie vorzuweisen. Und das, obwohl in Südafrika eine ähnliche Mutation des Coronavirus nachgewiesen wurde wie in Großbritannien. Obgleich der Flugverkehr aus dem Königreich schnell gestoppt wurde, war die Einreise aus Südafrika vorerst weiter möglich. Deutsche Passagiere brauchten für den Rückflug nach Deutschland keinerlei Test, sie mussten nur in Quarantäne. Von Dienstag an sollen dann wohl keine Maschinen aus Südafrika mehr in Deutschland landen dürfen.

Wer aus Großbritannien mit den letzten Flügen nach Deutschland kam, erlebte teils chaotische Szenen. Einige hundert Passagiere mussten auf deutschen Flughäfen die Nacht auf Feldbetten verbringen. Fluggäste ohne festen Wohnsitz in Deutschland wurden isoliert und mussten sich testen lassen. Für viele Passagiere klappte das erst am Montag. In Frankfurt waren es 120, in Berlin mehr als 70 und in München 50. Dabei fielen bis zum Montagnachmittag acht positive Tests auf - sieben in Hamburg und einer in Hannover. Ob es sich dabei um die neue Version des Corona-Virus handelt, blieb zunächst unklar.

Angesichts der positiven Tests wurde in der Bundesregierung Kritik daran laut, dass deutsche Passagiere Flughäfen teils ohne Tests verlassen durften. Es wäre wichtig gewesen, alle Passagiere sofort zu testen, heißt es aus einem der Ministerien. Die Bundespolizei bestätigte, dass es eine Testpflicht für ausländische Einreisende gebe. Bis zum 31. Dezember dürfen keine aus Großbritannien kommenden Flugzeuge mehr in Deutschland landen. Lufthansa will weiter nach Großbritannien fliegen, beim Rückflug dürfen aber keine Passagiere an Bord sein.

In der EU sind die Fluglinien verpflichtet, sich um feststeckende Passagiere zu kümmern

Wie es geht es nun mit den Deutschen weiter, die in Großbritannien gestrandet sind? Sie haben gemäß EU-Fluggastrechteverordnung Anspruch darauf, dass die Airlines bis zu einem Ersatzflug Betreuungsleistungen erbringen. Dazu gehört die Unterbringung in einem Hotel und auch Verpflegung. Darauf können sowohl Pauschal- als auch Individualreisende zählen. Für Südafrika gilt das so nicht. Noch laufen die Flugverbindungen von dort nach Deutschland regulär. Falls aber, wie erwartet, Flüge aus dem Land gestoppt werden, greifen die EU-Fluggastrechte nur bei Fluggesellschaften, die ihren Sitz in der EU haben.

Bei Pauschalreisen nach Südafrika hat der Veranstalter die Pflicht, für einen Ersatzflug zu sorgen, sobald dieser wieder möglich ist. "Aber das Hotel muss er in der Regel nur drei Tage lang weiterzahlen", sagt Kay P. Rodegra, Anwalt für Reiserecht. Ist dann immer noch keine Rückreise nach Deutschland möglich, müssen auch Pauschalurlauber selbst für ihre Unterkunft aufkommen.

Wenn Flüge umgebucht werden müssen und dadurch teurer werden, muss bei Pauschalreisen der Reiseveranstalter die Mehrkosten tragen, sofern der Flug Bestandteil des Reisevertrages ist. Individualreisende hingegen bleiben nur von Zusatzkosten verschont, wenn bei ihnen die EU-Fluggastrechteverordnung gilt.

In Südafrika sind Restaurants und Strände weiter offen

Für Südafrika, wo der Tourismus etwa zehn Prozent des Wirtschaftsaufkommens ausmacht, ist es wohl das jähe Ende der Hauptsaison, die gerade erst begonnen hatte. Ende Oktober hatte das Land nach sieben Monaten seine Grenzen wieder für Touristen geöffnet. Es war kein massenhafter Ansturm, der folgte, aber Tausende Deutsche nutzen die Möglichkeit, dem traurigen Corona-Winter daheim zu entkommen und in den südafrikanischen Sommer zu entfliehen. Obwohl auch hier die Zahlen wieder steigen und derzeit etwa 10.000 Neuinfektionen pro Tag vermeldet werden, sind die Einschränkungen gering, Restaurants und Strände in Kapstadt weiter offen. In der Hoffnung, dass nicht noch mehr Jobs in der Branche verloren gehen. Für Kurzarbeitergeld oder staatliche Hilfen fehlt in Südafrika mittlerweile das Geld, einen weiteren Lockdown wie in Europa wird man sich wohl nicht leisten können. Den Touristen war es recht.

Wie viele deutsche Gäste zurzeit in Südafrika sind, ist schwer zu sagen. Die wenigsten dürften klassische Pauschalreisende sein. "Viele aktuelle Besucher bleiben traditionell auch länger im Land, über mehrere Wochen, da sie vor Ort über Eigentum verfügen", sagt Silvia Braun, Sprecherin von Südafrika-Tourismus. "Über genaue Zahlen verfügen wir nicht."

Deutsche Reiseveranstalter, die auf Afrika spezialisiert sind, winken ab. Für Südafrika gebe es wegen der Reisewarnung so gut wie keine Buchungen, sagt Michael Merbeck, Inhaber des Veranstalters Abendsonne Afrika. "Da gibt es vor allem viele Schwalben, die den ganzen Winter dort verbringen und die jetzt sicher nicht in den Lockdown nach Hause wollen." Und selbst, wenn die Direktflüge nach Deutschland verboten würden, könne man mit Qatar Airways über Doha oder mit Ethiopian über Addis Abeba nach Deutschland fliegen.

Im Nachbarland Namibia, das nicht als Risikogebiet gilt, seien zurzeit etwa 50 Gäste von Abendsonne Afrika unterwegs, sagt Merbeck. Da die Fallzahlen dort sehr gering und das Land so groß und menschenleer sei, gehe er nicht davon aus, dass Direktflüge von dort nach Deutschland verboten würden. Falls doch, würde er seine Gäste auch über Katar oder Äthiopien umbuchen: "Wir haben schon bei der ersten Welle alle unsere Gäste ohne das Auswärtige Amt zurückgeholt."

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