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Coronavirus in Europa und weltweit:Was Reisende jetzt wissen müssen

Flüge gestrichen, Grenzen dicht: An Flughäfen ist man derzeit oft allein unterwegs.

(Foto: AP)
  • Wegen der Corona-Pandemie hat die Bundesregierung eine weltweite Reisewarnung für touristische Reisen bis Ende April ausgesprochen.
  • Angesichts der Ausbreitung des Virus verschärfen Staaten ihre Einreisebedingungen auch für Deutsche. Das Auswärtige Amt holt Zehntausende gestrandete Reisende zurück.
  • Deutschland hat selbst Einreiseverbote in Kraft gesetzt und Ausgangsbeschränkungen erlassen, die EU ihre Außengrenzen geschlossen.
  • Fluglinien und Bahnunternehmen streichen immer mehr Verbindungen, die Deutsche Bahn auch beim Regionalverkehr.
  • Angesichts der Lage stoppen Veranstalter ihre Buchungen und stornieren Reisen.
  • Welche Rechte Reisende haben, wenn sie noch unterwegs sind, ihr Urlaub storniert wird oder sie ihn absagen wollen.

(Stand 3. April, 9.30 Uhr)

Das Coronavirus bremst das öffentliche Leben in ungekanntem Ausmaß aus, die Bewegungsfreiheit ist stark eingeschränkt, Grenzen werden geschlossen. Viele Urlauber haben Schwierigkeiten, nach Deutschland zurückzukehren.

Wie hilft das Auswärtige Amt Urlaubern, die am Reiseziel gestrandet sind?

Seit Beginn der Rückholaktion am 17. März hat die Bundesregierung gemeinsam mit Veranstaltern und der Lufthansa bis zum 1. April mehr als 187 000 Urlauber zurück nach Deutschland gebracht. Heimreisen würden schwieriger, da der kommerzielle Luftverkehr immer weiter zurückgehe. Daher werde die Zahl der von der Regierung eingesetzten Chartermaschinen wohl steigen. Nach der Rückholung aus näheren Urlaubsregionen werden nun auch Deutsche von immer mehr Fernzielen nach Hause gebracht. "Diejenigen, die noch im Ausland sind, bitten wir weiter um Geduld", schrieb Bundesaußenminister Heiko Maas am Montag auf Twitter.

Zwei Wochen wird die Rückholung noch dauern, mindestens. "Schwieriger wird es bei den Ländern, die nur kleine Gruppen von versprengten Abenteuerurlaubern haben. Wir können nicht nur zehn Leute irgendwo abholen, sondern versuchen regional Gruppen zu bilden", sagte der Krisenbeauftragte des Auswärtigen Amts, Frank Hartmann, bereits am 27. März der dpa. Zum Beispiel werden die Touristen von den pazifischen Inseln in Neuseeland zusammengezogen und dann ausgeflogen. Zusammen mit deutschen Neuseeland-Touristen warteten dort zuletzt etwa 12 000 Menschen auf eine Rückreise nach Deutschland, die jedoch von der neuseeländischen Regierung zunächst gestoppt wurde. Nun zeichnet sich eine Lösung ab. Man werde die "sichere und geordnete Ausreise von Zehntausenden" ermöglichen, sagte der stellvertretende Premierminister Winston Peters am Donnerstag. Am Freitag sollen die ersten Flüge starten. Über Flugtag und -zeit werden die Betroffenen jeweils informiert, teilte die Deutsche Botschaft in Wellington mit. Voraussetzung sei eine Registrierung für das Rückholprogramm der Bundesregierung.

Anders als zu Beginn seien die Rückholaktionen nun auch europäisch koordiniert, man melde die Flüge in Brüssel an, erklärte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts in der vergangenen Woche. Auf fast jedem Flug fänden andere EU-Bürger ebenfalls Platz. Umgekehrt würden Deutsche etwa auch mit französischen Flügen aus der Karibik zurückgeflogen.

Die Regierung hatte zunächst 50 Millionen Euro für die größte Rückholaktion in der Geschichte der Bundesrepublik bereitgestellt. Das Auswärtige Amt geht von bis zu 200 000 betroffenen deutschen Touristen aus. Insgesamt befinden sich mehrere Hunderttausend Deutsche im Ausland, sehr viele davon haben dort auch ihren Wohnsitz. "Aber von denen wollen nicht alle zurück", betonte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts.

Reisende, die nicht mehr weiter kamen, kritisierten die Airlines: Mit dem radikalen Zusammenstreichen der internationalen Verbindungen auch aus ökonomischen Gründen hätten sie dazu beigetragen, dass Urlauber überhaupt festsaßen - ihr Rückflug fand einfach nicht mehr statt. Stattdessen mussten sich die Reisenden um oft teurere Ersatztickets bemühen und hoffen, dass diese Maschine tatsächlich noch abhoben. Die Mehrkosten können bei EU-Airlines zurückverlangt werden.

Die Rückholaktion der Bundesregierung gilt - Stand 3. April, 9 Uhr - für folgende besonders betroffene Länder (genaue Informationen zur Rückreise finden Sie hier, über den Twitter-Kanal des Auswärtigen Amtes sowie die Social-Media-Seiten der Botschaften und auf den Webseiten der jeweiligen Konsulate - diese können Sie einfach über den Länderlink aufrufen): Ägypten, Algerien, Angola, Argentinien, Bahamas, Bali (Indonesien), Bolivien, Cabo Verde, Chile, Costa Rica, Côte d'Ivoire, der Dominikanischen Republik, Ecuador, El Salvador, Gambia, Ghana, Guatemala, Guinea, Honduras, Indien, Jamaica, Kambodscha, Kamerun, Kanarische Inseln (Spanien), Kenia, Kolumbien, Kuba, Laos, Liberia, Marokko, Mauritius, Mexiko, Myanmar, Namibia, Nepal, Neuseeland, Nicaragua, Nigeria, Pakistan, Panama, Paraguay, Peru, den Philippinen, Ruanda, Senegal, Seychellen, Sierra Leone, Sri Lanka, Südafrika, Sudan, Thailand, Togo, Tunesien, Uganda, Uruguay und Vietnam. Weitere Ziele seien in Vorbereitung, so das Auswärtige Amt. Wer sich in einem dieser Länder aufhält und nach Deutschland zurück möchte, muss sich auf der neu eingerichteten Webseite rueckholprogramm.de eintragen. Für einige Länder muss dies täglich wiederholt werden. Um welche Staaten es sich aktuell handelt, steht auf der Informationsseite des Auswärtigen Amts. Eine Registrierung in der Krisenvorsorgeliste Elefand oder einem anderen Programm (z.B. Condor) genügt nicht.

Auf der Krisenvorsorgeliste sollten sich trotzdem alle Deutschen im Ausland zusätzlich eintragen, um mit aktuellen Informationen versorgt zu werden.

Das Rückholprogramm ist vorrangig für Deutsche und ihre Familienangehörigen in den besonders von Reiseeinschränkungen betroffenen Regionen gedacht, die sich dort vorübergehend aufhalten, also beispielsweise für einen Urlaub, einen Schüleraustausch oder einen Freiwilligendienst. Für Personen, die einen Aufenthaltstitel für Deutschland haben, in Deutschland leben und von dort in den Urlaub gereist sind, bemühe man sich "im Rahmen der Kapazitäten, eine Lösung zu finden", heißt es beim Auswärtigen Amt.

Auch für Länder, für die es kein Rückholprogramm gibt, wird eindringlich dazu aufgefordert, sich in die Krisenvorsorgeliste "Elefand" einzutragen und alle noch vorhandenen Ausreise- und Rückkehrmöglichkeiten zu nutzen, sei es mit regulären Verbindungen, sei es mit Sonderflügen der Veranstalter und Reedereien. Bei der Lufthansa gilt ein Rückkehrer-Flugplan. Er orientiere sich im Wesentlichen an den Bedürfnissen europäischer Staatsbürger, die in ihre Heimatländer zurückkehren möchten. Steht ihr Reiseziel nicht auf der Rückholliste, müssen Individualreisende weiterhin versuchen, selbst eine Ausreise zu organisieren. Nur wenn das nicht gelinge, werde sich das Auswärtige Amt "bemühen, für alle Deutschen eine Lösung zu finden" - oder wenn Länder ihren Luft- und Fährverkehr ganz einstellen. (Einen ausführlichen Artikel zum Thema "Wie Urlauber jetzt wieder heimkommen - und wer welche Kosten übernimmt" finden Sie hier.)

Welche Reisebeschränkungen gelten?

Wegen der Corona-Pandemie hat die Bundesregierung eine weltweite Reisewarnung für touristische Reisen ausgesprochen und sie bereits bis Ende April verlängert - damit betrifft sie auch die Osterferien. Es sei "wirklich unverantwortlich, jetzt noch ins Ausland zu fahren, weil man möglicherweise damit rechnen muss, für eine längere Zeit nicht mehr nach Deutschland zurückzukommen", betonte Außenminister Heiko Maas. Wann die Reisewarnung wieder aufgehoben wird, ist ungewiss: Eine Entscheidung über eine mögliche Verlängerung werde nicht vor dem 20. April fallen, sagte Maas am Freitag dem Südwestrundfunk.

Über die weltweit geltenden Beschränkungen informiert das Auswärtige Amt auf seiner Website in den Reise- und Sicherheitshinweisen für die jeweiligen Länder, noch aktuellere Informationen bieten bisweilen die Konsulate.

Die Außengrenzen der Europäischen Union sind abgeriegelt. Die Staats- und Regierungschefs einigten sich auf ein vorläufiges Einreiseverbot. Diese Entscheidung soll zugleich dazu beitragen, die Binnengrenzen offener zu halten, an denen sich derzeit immer wieder lange Staus bilden. Wie das Bundesinnenministerium mitteilte, betrifft das Verbot alle Flüge und Schiffsreisen, die ihren Ausgangspunkt außerhalb der EU haben. Ausnahmen gibt es für Staatsangehörige Norwegens, der Schweiz, Liechtensteins, Islands sowie Großbritanniens. Die Bundespolizei informiert darüber, wer noch nach Deutschland einreisen darf und welche Dokumente dafür erforderlich sind.

Deutschland hat zudem selbst Einreiseverbote in Kraft gesetzt und mit strengen Grenzkontrollen begonnen. Betroffen sind die Übergänge zur Schweiz, zu Frankreich, Österreich, Dänemark und Luxemburg, ebenso Flüge aus den fünf genannten Ländern sowie aus Spanien und Italien. Deutsche Staatsangehörige hätten "selbstverständlich das Recht, wieder in ihr Heimatland einzureisen", erklärte Bundesinnenminister Horst Seehofer. Das Gleiche gilt für Berufspendler und Ausländer mit Aufenthaltsberechtigung und Wohnsitz in Deutschland. Entsprechende Dokumente müssen bei der Einreise vorgelegt werden. Andere Reisende dürfen nicht mehr ins Land.

Auch die Ausreise aus Deutschland in Nachbarländer wird immer schwieriger: Polen, Tschechien und Dänemark haben strikte Regeln beschlossen, so dass Reisende ohne triftigen Grund gar nicht mehr ins Land gelassen werden. In die Schweiz dürfen nur noch Schweizer Bürgerinnen und Bürgern, Personen mit einem Aufenthaltstitel oder beruflichen Einreisegründen. In Österreich wird an der Grenze zu Deutschland ein ärztliches Attest verlangt: Nur wer nachweist, dass er nicht mit Sars-CoV-2 infiziert ist, darf ins Land. Ausnahmen gibt es für Österreicher und Personen mit Wohnsitz im Land - zudem gilt eine Ausgangsbeschränkung.

Außerdem einigten sich Bundesregierung und Länder im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus auf Verbote und Ausgangsbeschränkungen - Bayern hat darüber hinaus eigene strenge Auflagen verhängt.

In welchem Zeitraum sagen Veranstalter derzeit Reisen ab?

Man habe beschlossen, "den größten Teil aller Reiseaktivitäten auszusetzen, einschließlich Pauschalreisen, Kreuzfahrten und Hotelbetrieb", teilte der Tui-Konzern mit - und das weltweit. Zunächst galt der Stopp bis Ende März, inzwischen hat Tui Deutschland sämtliche Reisen bis zum 30. April abgesagt. Kunden, deren gebuchte Reisen in die Osterferien gefallen wären, sollen entsprechend informiert werden. Es könne dabei aber noch zu zeitlichen Verzögerungen kommen, "da die Vielzahl der Reisebuchungen nach Abreisedatum bearbeitet werden".

Die Tui informiert auf ihrer Homepage über ihre Vorgehensweise für die unterschiedlichen Reiseländer. Buchungen würden "proaktiv storniert" und die Kunden darüber informiert, chronologisch nach Abreisedatum. Die Reisebüros sind geschlossen, seien aber telefonisch oder per Mail erreichbar.

Die FTI-Group (FTI Touristik, 5vorFlug, BigXtra und LAL Sprachreisen) teilte inzwischen mit, dass alle Reisen bis 30. April abgesagt sind. Studiosus, Alltours, DER Touristik und Wikinger Reisen sowie Schauinsland Reisen streichen ebenfalls Reisen bis 30. April. Auch Anex Tour, Öger Tours und Bucher Reisen sowie Gebeco sagen bis zu diesem Tag ihre Angebote ab.

Werden Pauschalreisen und Flüge vom Veranstalter storniert, muss der Preis nach bislang geltendem Recht erstattet werden. Das allerdings wird sich in Zukunft vermutlich ändern. In der Branche gab es zuletzt massive Forderungen, Gutscheine anstelle von Erstattungen zu erlauben, um die finanzielle Belastung für die Unternehmen zu reduzieren. Am Donnerstag hat das "Corona-Kabinett" der Bundesregierung nun eine entsprechende Regelung auf den Weg gebracht, die allerdings noch von der EU-Kommission gebilligt werden muss. Demnach muss der Reisepreis künftig nicht mehr umgehend erstattet werden. Stattdessen sollen den Angaben zufolge Gutscheine zulässig sein. Sie wären bis Ende 2021 befristet und sollen für alle Tickets und Reisen gelten, die vor dem 8. März gekauft wurden. Hat der Kunde seinen Gutschein bis Ende 2021 nicht eingelöst, muss der Veranstalter ihm den Wert erstatten.

Kunden, die eine ab Mai geplante Reise angesichts der aktuellen Lage nun von sich aus absagen wollen, müssen hingegen mit Stornogebühren rechnen. Die Höhe hängt davon ab, wie bald die Abreise bevorsteht. Allerdings bieten immer mehr Veranstalter eine kostenfreie Umbuchung an, der Tui-Konzern und DER Touristik beispielsweise für alle Reisen, die im Mai begonnen hätten, die FTI-Gruppe für Abreisen bis Ende Juni.

(In diesem Artikel lesen Sie ausführliche Informationen zu reiserechtlichen Fragen rund um Reisen in den nächsten Monaten.)

Mit welchen Einschränkungen müssen Bahnreisende rechnen?

Die Deutsche Bahn fährt eigenen Angaben zufolge derzeit rund 75 bis 80 Prozent ihres sonst üblichen Angebots. Dabei wird auch der Regionalverkehr eingeschränkt: Von Montag, 23. März, an gilt zunächst bis nach den Osterferien am 19. April ein reduzierter Fahrplan für den Regionalverkehr (RE, RB, S-Bahn). In Bayern werden vor allem Ausflugsverbindungen, von Schülern genutzte Züge sowie die Taktverstärker im Pendlerverkehr gestrichen. Viele DB-Regionalzüge fahren dann noch im Stundentakt. "Wir gewährleisten überall die Grundversorgung", sagte Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU) am Freitag in München.

Einen Überblick über aktuelle Entwicklungen bei der Bahn finden Sie hier auf bahn.de/aktuell. Reisende und Pendler sollten vor der Abfahrt immer prüfen, ob ihr Zug tatsächlich fährt.

Wegen der verschärften Einreiseregeln muss die Deutsche Bahn etliche Zugverbindungen früher enden oder ganz ausfallen lassen, zum Beispiel Fahrten nach Italien, Österreich, in die Schweiz, nach Dänemark, Polen und Tschechien. Auch die Zahl der Züge zwischen Deutschland und den Niederlanden ist drastisch reduziert worden. Zudem fahren keine Intercity-Züge mehr zwischen Amsterdam über Nordrhein-Westfalen nach Berlin, teilte die niederländische Bahn mit. Auf anderen internationalen Strecken gibt es ebenfalls weniger Verbindungen.

Kunden können Reisen kostenlos verschieben oder stornieren: Die Deutsche Bahn hat ihre Stornierungsregeln weitreichend gelockert. Es muss dafür auch niemand in Hektik die Verkaufsstellen in den Bahnhöfen aufsuchen: "Die Kulanzregelungen gelten in den kommenden Wochen, deshalb ist es nicht erforderlich, sich unverzüglich zu melden", betont das Unternehmen. Erstattungen könnten auch noch nach dem gebuchten Reisetag eingereicht werden.

Unabhängig vom Reiseziel können Sparpreis- und Supersparpreistickets gegen Gutscheine umgetauscht werden. Das ist im Unterschied zu flexiblen Tickets zum Normalpreis sonst nicht ohne Weiteres möglich. Die Regelung gilt zunächst für Reisen bis Ende April. Vom 2. April an sollen Fahrgäste die Stornierung eines im Internet oder mobil gebuchten Sparpreis- oder Superspartickets aber auch direkt online vornehmen können. Wer mit Flexpreis gebucht hat, darf kostenlos stornieren. Alle Kunden, die ihre Reise nur verschieben wollen, können ihr gebuchtes Ticket bis zum 30. Juni flexibel nutzen (außer bei Gruppenfahrkarten), auch bei den Sparpreisen ist dafür die Zugbindung aufgehoben. Alle Fahrkarten können in Gutscheine umgewandelt werden, die dann auch nach dem 30. Juni einlösbar sind.

Da Flixtrain bis voraussichtlich Ende April gar nicht fahren kann, dürfen die Tickets mit einer Gültigkeit bis 30. April auch für die zweite Klasse der IC und ICE der Deutschen Bahn genutzt werden, falls noch gereist wird. Flixtrain-Kunden könnten "mit ihrer Fahrkarte in diesem Zeitraum flexibel an einem Tag ihrer Wahl reisen", heißt es auf bahn.de. Dabei dürften alle Verbindungen genutzt werden, die der Strecke auf der Flixtrain-Fahrkarte entsprechen. Diese muss lediglich vorgezeigt und nicht in eine DB-Fahrkarte umgewandelt werden.

Die Österreichischen Bundesbahnen ÖBB haben den Zugverkehr von und nach Italien, Tschechien, Slowenien, in die Slowakei und die Schweiz bis auf weiteres eingestellt. Internationale Tickets mit Gültigkeit bis 13. April können gratis storniert werden.

Auch die italienischen Bahnunternehmen kommen Kunden entgegen: Trenitalia kündigte bereits im Februar an, Zugfahrten unabhängig vom Tarif komplett erstatten, wenn Reisen wegen des Coronavirus abgesagt werden. Wer ein Ticket für einen Hochgeschwindigkeits- oder Fernzug gebucht hat, erhalte einen Gutschein mit einem Jahr Gültigkeit, für Regionalzug-Tickets gebe es eine Erstattung in bar.

Welche Vorsorgemaßnahmen trifft die Deutsche Bahn gegen das Coronavirus? Falls die Behörden in einem Zug einen Corona-Verdacht feststellen, werde der betroffene Bereich gesperrt und nach der Fahrt professionell gereinigt und desinfiziert, teilt der Konzern mit. Die Fahrgäste würden dann vom Zugpersonal informiert, dass sie ihre Daten hinterlegen sollten (über bahn.de/corona oder unter der Telefonnummer 0800 5 14 15 14), um von den Behörden bei Bedarf kontaktiert werden zu können.

Wer zahlt, wenn ein Zug wegen eines Coronavirus-Verdachts Verspätung hat? In der Nacht auf Rosenmontag mussten zwei Züge der ÖBB am Brenner zunächst stoppen - erst als zwei kranke Frauen negativ getestet worden waren, durften die anderen Passagiere weiterreisen und kamen erst weit nach Mitternacht in München an. Wenn in einem solchen Fall kein öffentliches Verkehrsmittel mehr die Passagiere an ihr Ziel bringen kann, steht ihnen nach europäischem Recht eine Taxifahrt zu (allerdings zahlen die Bahnunternehmen höchstens 50 Euro) oder bei größeren Entfernungen auch eine Übernachtung (begrenzt auf 80 Euro Zuzahlung, oft soll möglichst in nahen Vertragshotels genächtigt werden - hier die Entschädigungsregeln der Deutschen Bahn und der ÖBB). Zudem dürfen die Kunden bei mehr als einer Stunde Verspätung ein Viertel des einfachen Fahrpreises als Entschädigung einfordern, ab zwei Stunden sogar die Hälfte. Diese Beträge stehen bei Bahnfahrten - anders als bei Flügen - unabhängig vom Verschulden zu.

Mit welchen Änderungen und Einschränkungen sollten Passagiere außerdem rechnen?

In Europa und weltweit werden Reisende vom Virus ausgebremst: Bei gestrichenen Verbindungen bekommen die Passagiere ihr gesamtes Geld zurück.

Die Lufthansa hat ihr Angebot drastisch zusammengekürzt, Passagiere sollten den aktuellen Status ihres Fluges prüfen. Die Tochter Austrian Airlines stellt ihren regulären Flugbetrieb bis 19. April ein, lediglich Rückholflüge für Österreicher finden statt. Auch der Ferienflieger Condor reduziert Flüge in wichtige Ziele wie die USA, Karibik und Türkei. Das Unternehmen schickt in diesen Tagen noch Flugzeuge, um Urlauber zurückzuholen. Am 2. April kündigte die Lufthansa an, ihren Rumpf-Flugplan um zwei Wochen bis zum 3. Mai zu verlängern. Alle Flüge aus dem regulären Plan werden bis zu diesem Termin annulliert.

British Airways, Iberia, Aer Lingus, Vueling und Level sagen für April und Mai mindestens 75 Prozent ihrer Flüge ab. Air France-KLM wird in diesem Zeitraum 90 Prozent streichen. Lot Airlines haben den Flugbetrieb bereits weitgehend eingestellt. Auch Easyjet und Ryanair, die beiden größten Billigfluggesellschaften Europas, legen den Großteil ihrer Flotten still - bei Easyjet bleiben seit 30. März sogar alle Maschinen am Boden.

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Die Fernbusunternehmen Flixbus und Blablabus haben ihren Betrieb eingestellt. Alle nationalen sowie grenzüberschreitenden Verbindungen von und nach Deutschland werden ausgesetzt.

Die meisten Kreuzfahrten werden ganz abgesagt: So hat etwa Aida Cruises alle Fahrten ihrer 14 Schiffe umfassenden Flotte zunächst bis Ende April storniert. Auch die Tui hat alle Kreuzfahrten abgesagt. Schiffe, die noch unterwegs sind, bekommen große Probleme, mit Kranken an Bord einen Anlegehafen zu finden.

Wer zahlt, wenn der Rückflug annulliert wurde und sich der Reisende eine teurere Heimkehr organisieren muss?

Airlines weltweit haben ihr Flugprogramm extrem gekürzt, Lufthansa etwa um 95 Prozent. Da fallen auch normale Rückflüge aus, sodass die Passagiere ausgerechnet in der Corona-Krise ihre Heimreise nicht antreten können. Kunden einer EU-Airline steht nach der Fluggastrechteverordnung zu, dass die Airline nicht nur das Geld für den annullierten Flug zurückzahlt, "sondern sich auch um die Versorgung der Passagiere kümmert und sie zum Beispiel falls nötig in einem Hotel unterbringt - und vor allem für einen Ersatzflug sorgt", erklärt Reiserechtsexperte Paul Degott. Kümmere sich die Airline oder bei Pauschalreisen der Veranstalter gar nicht oder nicht schnell genug, müssen die Urlauber selbst nach einem Rückflug suchen. Dafür sollten sie per Mail eine Frist setzen - während der weltweiten Gesundheitskrise und ob der Reduzierung der Flugverbindungen reichen wenige Stunden.

Nur: Die wenigen Plätze auf Rückflügen nach Deutschland sind knapp, daher steigen die Preise; außerdem sind Einzelflüge generell viel teurer als Hin- und Rückflug-Pakete. Wer seinen annullierten Flug bei einer Airline mit Sitz in der EU gebucht hat, kann die Zusatzkosten bei der Fluggesellschaft zurückfordern. Habe diese die Beförderung "schuldhaft verweigert", etwa aus rein ökonomischen Gründen, stehe Passagieren zudem Schadenersatz zu, sagt Degott: Es reiche nicht aus, dass sich die Airline auf die Coronakrise berufe. Hat die Fluggesellschaft ihren Sitz allerdings außerhalb der EU, gelten die Rechte des jeweiligen Landes.

Wer zahlt den Reiseausfall, wenn man wegen geänderter Einreisebestimmungen gar nicht mehr ins Urlaubsland kommt?

Bei Pauschalreisen ist der Veranstalter in der Pflicht, er zahlt entweder den Preis zurück oder bietet eine Umbuchung an - hier gilt das deutsche Reiserecht. Wegen der außergewöhnlichen Umstände werden die Kunden aber keinen Schadenersatz wegen entgangener Urlaubsfreuden bekommen.

Individualreisende hingegen haben selbst Hotel oder Mietwagen gebucht und sind daher mit den jeweiligen nationalen Gesetzen konfrontiert. Nach deutschem Recht müssten sie nichts bezahlen, wenn sie die Leistungen nicht nutzen können. "Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn die Unterkunft in einem Sperrgebiet liegt und nicht erreichbar ist", heißt es bei der Verbraucherzentrale. Wenn ein Vertrag direkt mit Vermietern im Ausland geschlossen wurde, gilt jedoch das Recht des jeweiligen Landes - hier ist es dann zum Beispiel wichtig, ob demnach der Vertrag wegen der weltweiten Reisewarnung des deutschen Auswärtigen Amtes hinfällig wird. Je nach Stornobedingungen müssen Betroffene sonst auf Kulanz hoffen oder versuchen auszuhandeln, dass etwa der Hotelaufenthalt nur verschoben und nicht teuer storniert wird.

Wer auf einem deutschsprachigen Hotelportal im Internet oder auch beim Hotel direkt eine Unterkunft zum Beispiel in Italien gebucht hat, für den gilt damit grundsätzlich das Recht des Beherbergungsortes, also italienisches Recht. Reiserechtsexperte Ernst Führich rät Urlaubern sich an das Beherbergungsunternehmen zu wenden und auf eine gebührenfreie Stornierung des Aufenthalts wegen Nichterreichbarkeit des Domizils zu pochen. Italien hat allerdings mit Dekret vom 8. März 2020 zugelassen, dass die Beherbergungsunternehmen Gutscheine statt Erstattungen des gezahlten Reisepreises ausgegeben können.

Im Streitfall kann ausnahmsweise auch am Wohnsitzgericht des Verbrauchers geklagt werden. Voraussetzung ist allerdings, dass der Gast auf einer interaktiven Website des ausländischen Hoteliers oder Ferienhausanbieters in Deutschland gebucht hat. Dann ist die Tätigkeit des Beherbergungsunternehmens auf Deutschland "ausgerichtet" im Sinne des EU-Gerichtsstandübereinkommens. Das deutsche Gericht wendet dann italienisches Recht an.

Gut dürfte es für Individualreisende aussehen, wenn Airlines mit im Spiel sind, sagt Reiserechtsexperte Paul Degott: Habe ein Land einen Einreisestopp verhängt oder Visa für Deutsche gelöscht, könne die Airline den Passagier gar nicht mehr ans Ziel befördern. Ansonsten müsste sie sogleich für den Rücktransport sorgen und bekäme noch dazu eine Strafe des Ziellandes aufgebrummt. "Also muss der Vertrag vorher rückabgewickelt werden", die Passagiere bekommen ihr Geld für das Ticket zurück, erklärt Degott.

Sämtliche Erstattungen sind künftig möglicherweise auch in Form von Gutscheinen möglich: Die Bundesregierung brachte am Donnerstag eine entsprechende Lösung auf den Weg, die aber noch von der EU-Kommission gebilligt werden muss.

Wer kommt für die Zusatzkosten auf, wenn Urlauber länger als gedacht im Hotel oder auf dem Kreuzfahrtschiff in Quarantäne festsitzen?

Hier sind wieder Pauschalurlauber besser abgesichert: Müssen sie während ihrer regulären Reisezeit in Quarantäne, könnten sie diese als Mangel anführen und Geld zurückerhalten. Allerdings müssten sie das gleich vor Ort ihrem Veranstalter mitteilen, der wiederum versuchen könnte, den Betrag von den Behörden wiederzuholen, welche die Quarantäne angeordnet hatten. Außerdem sieht der Paragraf 651q BGB eine Beistandspflicht des Veranstalters vor, erklärt Rechtsexperte Degott: Ein Pauschalreiseanbieter müsse etwa dafür sorgen, dass seine Kunden mit anderen Rückflügen als geplant nach Hause kommen. Müssen die Gäste länger in Quarantäne bleiben, als ihre Zimmer gebucht sind, und fordert der Hotelbetreiber Geld, sollten die Urlauber nicht zahlen: Hier steht der Staat in der Pflicht, der die Quarantäne angeordnet hat. Daher müssten auch Individualreisende nicht für ihren längeren Zwangsaufenthalt zahlen - aber wohl für andere Rückflüge, außer die Airline zeigt sich kulant.

Im Fall des Hotels Costa Adeje Palace auf Teneriffa, in dem Gäste zwei Wochen lang ausharren mussten, hatte zum Beispiel die Tui laut einem Pressesprecher die Kosten für ihre Pauschalreisenden übernommen, auch einen Aufschlag für teurere Rückflüge hätten sie zumindest in diesem Einzelfall nicht zahlen müssen.

Was rät das Auswärtige Amt?

  • Wegen der Corona-Krise hat die Bundesregierung eine weltweite Reisewarnung ausgesprochen und inzwischen bis Ende April verlängert. Noch bis Mitte März hatte das Auswärtige Amt in seinen Informationen zur Covid-19-Lage nur von nicht notwendigen Reisen ins Ausland abgeraten.
  • Änderungen der Einreise- und Quarantänevorschriften würden teilweise ohne jede Vorankündigung und mit sofortiger Wirkung erlassen. Zahlreiche Reisende sind in mehreren Ländern derzeit betroffen und an der Weiter- oder Rückreise gehindert.
  • Touristen sollten sofort noch bestehende Flugverbindungen für eine schnellstmögliche Rückreise nach Deutschland nutzen, solange es noch kommerzielle Flug- oder Landverbindungen gebe. Falls eine Rückreise nicht mehr möglich sei, solle man sich im Rückholprogramm registrieren. Nähere Informationen seien im FAQ zur Rückholaktion zu finden.
  • Reisende sollten sich in der Krisenvorsorgeliste registrieren und die Kontaktdaten darin aktuell halten. Unterwegs solle man sich über die Lage im Land auf dem Laufenden halten, zum Beispiel über die Sicher Reisen App des Amtes.
  • Zudem warnt es, man solle bei Quarantänemaßnahmen nicht mit einer Rückholung durch den Veranstalter oder die Bundesregierung rechnen, sondern den Anweisungen der lokalen Gesundheitsbehörden nachkommen.
  • Der Reisekrankenversicherungsschutz sollte überprüft und falls nötig um eine Rückholung erweitert werden.
  • Zudem ist es ratsam, einen ausreichenden Vorrat an notwendigen Medikamenten auch für den Fall eines verlängerten Aufenthalts im Ausland zu organisieren.
  • Reisende sollten sich auf mögliche zusätzliche Kosten bei einem verlängerten Aufenthalt vorbereiten und jetzt schon ihren Kreditrahmen erhöhen.
  • Die verstärkten Einreisekontrollen und Gesundheitsüberprüfungen würden insbesondere auch Kreuzfahrtschiffe betreffen. "Es ist bereits mehrfach zu Verweigerungen des Anlaufens von Häfen gekommen. Mit Verzögerungen, Routenänderungen und in bestimmten Fällen auch Quarantänemaßnahmen durch lokale Behörden ist weiterhin zu rechnen", heißt es.
  • Auch für Touristen gilt: Sie sollten regelmäßig und richtig die Hände waschen und diese generell aus dem Gesicht fernhalten.
  • Bei Fieber, Husten oder Atemschwierigkeiten sollte man einen Arzt kontaktieren und auf eine Reise in ein Ausbruchsgebiet hinweisen.
  • Wer aus einem Risikogebiet heimkehrt, sollte sich vorher beim Robert-Koch-Institut informieren sowie beim deutschen Innenministerium über Reisebeschränkungen und Grenzkontrollen.

Weitere Informationen finden Reisende im Merkblatt COVID-19 sowie auf den Seiten des Robert-Koch-Instituts und der WHO als auch der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Und was, wenn ich gerade von einer Reise zurückkomme?

Die Infektionsketten zu unterbrechen, ist eine der wichtigsten Maßnahmen gegen die rasante Verbreitung des Coronavirus. Fluggäste aus China (mit Hongkong und Macao), Iran oder Italien, Japan und Südkorea müssen daher mittlerweile bei der Ankunft in Deutschland ihre Daten angeben, hat ein gemeinsamer Krisenstab von Gesundheits- und Innenministerium entschieden. Entsprechende Aussteigekarten sollen sicherstellen, dass alle Reisenden schnell kontaktiert werden können, wenn sich herausstellt, dass ein Fluggast infiziert ist. Solche Aussteigekarten sollen auch im grenzüberschreitenden Zug- und Busverkehr ausgefüllt werden, im Schiffsverkehr wurde dies ebenfalls angeordnet.

Wie verhalten sich Reisende richtig, wenn sie befürchten, sich angesteckt zu haben oder in einem Risikogebiet waren?

Rückkehrer aus Risikogebieten wie Ägypten, Spanien oder Österreich sollten unnötige Kontakte vermeiden und wenn möglich zuhause bleiben - unabhängig davon, ob sie Symptome haben oder nicht. Das Robert-Koch-Institut rät auch Urlaubern, die in Regionen mit Covid-19-Fällen waren, die aber noch nicht als Risikogebiete gelten: Wer binnen zwei Wochen Fieber, Husten und Atemnot bekommt, sollte einen Arzt aufsuchen - allerdings erst nach telefonischer Anmeldung, bei der explizit auf die Reise hingewiesen wird. Sie sollten ebenfalls Abstand halten und möglichst zuhause bleiben sowie Husten- und Niesetikette sowie gute Handhygiene einhalten. Ob Urlauber oder nicht: Wer Kontakt mit jemandem hatte, bei dem das Sars-CoV-2-Virus nachgewiesen wurde, sollte sich sofort beim zuständigen Gesundheitsamt melden - auch wenn man sich fit fühlt.

© SZ.de/mit Material von dpa und Reuters/dd/ihe/edi
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