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Newsblog zu Corona und Reisen:Kreuzfahrt-Kunden bekommen keinen Schadenersatz

Urteil: Reederei darf Kreuzfahrt auch ohne Reisewarnung absagen

Nichts fährt mehr: Kreuzfahrtschiff (dereinst) am frühen Morgen vor der Küste von Wismar.

(Foto: Jens Büttner/dpa-tmn)
  • Die Coronavirus-Pandemie hat das Reisen in ungekannter Weise verändert. Was müssen Urlauber beachten? Wo gelten welche Regeln, wo eine Reisewarnung? Welche Grenzen öffnen oder schließen sich wieder? Aktuelle Nachrichten im Überblick.
  • Die Liste der Corona-Risikogebiete wächst weiter: Ab 22. November zählen dazu auch wieder ganz Litauen und Lettland. Eine positive Entwicklung gibt es in Island.
  • Für Einreisende gelten neue Quarantäneregeln - und die Anmeldung ist nun digital.
  • Was Sie jetzt zum Reisen wissen sollten: Fragen und Antworten zu Urlaub in Zeiten der Pandemie finden Sie hier.

Skigebiete in Frankreich sollen öffnen - aber ohne Lifte

26. November: Während über einen EU-weiten Fahrplan für die Skisaison noch diskutiert wird, hat Frankreich seine Pläne konkretisiert: Die Skilifte sollen während der Weihnachtstage geschlossen bleiben, die Wintersportorte selbst aber offen sein. Für jeden solle es "möglich sein, in die Ferienorte zu gehen, um die reine Luft unserer schönen Berge, die Geschäfte, die geöffnet sein werden - außer Bars und Restaurants -, zu genießen", sagte Premierminister Jean Castex in einer Pressekonferenz. "Alle Skilifte und öffentlichen Einrichtungen" blieben hingegen "für die Öffentlichkeit geschlossen". Man müsse auch die Situation in den Krankenhäusern der Skiregionen im Blick behalten. Sie dürften nicht überlastet werden.

Deutschland und Italien wollen ebenfalls keinen Skitourismus in den Weihnachtsferien. In Österreich plant man dagegen, die Lifte schon im Dezember wieder in Betrieb zu nehmen. Hygiene- und Abstandskonzepte sollen für ausreichend Infektionsschutz sorgen.

Kreuzfahrt wegen Pandemie abgesagt: kein Schadenersatz, nur Rückzahlung

20. November: Urlaubern steht kein Schadenersatz zu, wenn ihre Kreuzfahrt wegen der Ausbreitung einer Pandemie absagt wird. Der Veranstalter ist dazu berechtigt, den Vertrag zu kündigen - auch dann, wenn keine Reisewarnung des Auswärtigen Amts für die Länder vorliegt, die auf der Kreuzfahrt angelaufen werden sollten. So hat das Amtsgericht Rostock (Az.: 47 C 59/20) im Fall einer Kreuzfahrt in Südostasien und Australien entschieden: Die Reederei hatte sie im Februar 2020 acht Tage vor Beginn wegen Ausbreitung der Corona-Pandemie abgeblasen. Zu dieser Zeit sei ein Kreuzfahrtschiff bereits unter Quarantäne gewesen, einem anderen Schiff sei das Einlaufen in mehreren asiatischen Häfen verboten worden.

Bei der Absage einer Pauschalreise muss der Veranstalter das Geld zurückzahlen. Eine Urlauberin klagte jedoch auch auf Schadenersatz wegen entgangener Urlaubsfreuden - immerhin hätten keine Reisewarnungen des Auswärtiges Amtes vorgelegen. Dieses Argument überzeugte das Gericht nicht: Es bestünden keine Zweifel, dass es sich bei der Pandemie um unvermeidbare außergewöhnliche Umstände handelt. Die Reederei habe zum Zeitpunkt der Absage mit einer ernsten Gefährdung rechnen müssen, die einen ordnungsgemäßen Ablauf der Reise habe beeinträchtigen oder vereiteln können. Unter diesen Umständen musste keine Reisewarnung vorliegen, um die Kreuzfahrt ohne Anspruch auf Schadenersatz absagen zu können.

Island ist nun das einzige Land Europas ohne Risikogebiet

20. November: Wegen steigender Infektionszahlen stuft die Bundesregierung ganz Litauen und Lettland als Corona-Risikogebiete ein. Zudem werden Regionen in Griechenland und Finnland auf die vom Robert-Koch-Institut geführte Risikoliste gesetzt. Island wird dagegen wieder gestrichen und ist damit das einzige Land in Europa, das frei von Risikogebieten ist. Die Änderungen in der RKI-Liste werden am 22. November wirksam.

Auf dem europäischen Festland gibt es dann nur noch in Griechenland (Westgriechenland), Österreich (zwei Gemeinden an der deutschen Grenze), Estland, Norwegen und Finnland Regionen, die nicht als Risikogebiete eingestuft sind. Hinzu kommen eine ganze Reihe Inseln wie die spanischen Kanaren, die portugiesischen Azoren und Madeira, ein Großteil der griechischen Inseln, die britische Isle of Man und die Kanalinsel Guernsey sowie die dänischen Inseln Grönland und Färöer.

Zu einem Corona-Risikogebiet wird ein Land oder eine Region, wenn mehr als 50 neue Covid-19-Fälle pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen registriert wurden. Damit verbunden ist in der Regel eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts. Wie sich die Infektionslage in ihrem Urlaubsland entwickelt, welche Hygieneregeln und Warnungen gelten, erfahren Reisende in den Reisehinweisen des Auswärtigen Amts, die aktuelle Liste der Risikogebiete veröffentlich das Robert-Koch-Institut. Weltweit gilt inzwischen wieder für fast 150 von knapp 200 Ländern eine Corona-Reisewarnung, für zehn weitere gilt sie nur teilweise.

Eine Reisewarnung ist kein Reiseverbot, Pauschalreisen in Risikogebiete können aber storniert werden. Wer aus einem Risikogebiet nach Deutschland zurückkehrt, muss in Quarantäne, kann sich aber durch einen negativen Test nach fünf Tagen davon befreien lassen.

Ganz Schweden und Kanada ab 15. November Risikogebiet

13. November: Wegen steigender Infektionszahlen hat die Bundesregierung ganz Schweden und ganz Kanada als Corona-Risikogebiete eingestuft. Zudem wurden weitere Regionen in Griechenland (Nördliche Ägäis und Peloponnes), Großbritannien (Kanalinsel Jersey), Norwegen (Vestland und Viken), Lettland (Zemgale), Estland (Harju, Hiiu und Rapla) sowie das französische Überseegebiet Französisch-Polynesien auf die vom Robert Koch-Institut geführte Risikoliste gesetzt. Die Region Österbotten in Finnland wurde dagegen wieder gestrichen - das nordische Land ist damit nun das einzige in Europa ohne Risikogebiet. Die Änderungen in der RKI-Liste werden am 15. November wirksam.

Neue Quarantäneregeln und digitale Einreiseanmeldung für Reisende aus Risikogebieten

8. November: Für Urlauber und andere Menschen, die sich in den zehn Tagen vor ihrer Einreise nach Deutschland in einem Risikogebiet aufgehalten haben, ändern sich die Regeln: Zum einen fällt zwar die Zettelwirtschaft, nicht aber der Papierkram weg - er verlagert sich nur ins Digitale. Bislang mussten Aussteigekarten ganz analog ausgefüllt werden, was für viele Seiten sehr unpraktisch war. Seit 8. November ist eine digitale Anmeldung auszufüllen unter www.Einreiseanmeldung.de. Die Informationen sollen an die zuständigen Gesundheitsämter weitergeleitet und nach 14 Tagen automatisch gelöscht werden. Mit diesen Direktinfos sollen die oft überlasteten Ämter leichter (und wohl auch schneller) die Einhaltung der Quarantänevorschriften überwachen können.

Dies sind die zweiten Regeln, die sich geändert haben: Reisende aus Regionen, die das Robert-Koch-Institut als Risikogebiet einstuft (hier die aktuelle Übersicht), müssen sich zwar weiterhin unverzüglich selbst isolieren - allerdings nicht mehr für zwei Wochen, sondern nur noch für zehn Tage. In diesem Zeitraum würden wahrscheinlich erste Covid-19-Symptome auftreten. Trotz der digitalen Anmeldung müssen Reisende weiterhin ihre zuständige Behörde über die Quarantänepflicht informieren. Die Isolation kann frühestens nach fünf Tagen mit einem negativen Coronatest abgekürzt werden - und nicht mehr gleich nach der Heimkehr.

Es gibt aber viele Ausnahmen, etwa für Grenzpendler, bestimmte Berufsgruppen und auch kurze Privatbesuche. Welche Details wo gelten, bestimmen die Bundesländer (hier eine Linkliste zu den jeweiligen Corona-Bestimmungen).

Nächtliche Ausgangssperre in Italien und Teil-Lockdown in stark betroffenen Regionen

6. November: Wie etwa in England und den Niederlanden gilt nun auch in Italien ein Teil-Lockdown in derzeit vier Regionen - an das Ausgangsverbot in der Nacht muss man sich im gesamten Land halten. Nur diejenigen der 60 Millionen Italiener, die zwischen 22 und fünf Uhr zur Arbeit müssen oder dringende medizinische Gründe haben, dürfen ihre Wohnungen verlassen.

In ganz Italien sind zudem die Museen geschlossen. Die Regierung hat das Land in drei Risikozonen eingeteilt: Es gibt rote, orange und gelbe Gebiete. Zu den roten Zonen gehören außer der Lombardei im Norden das Piemont und das Aostatal sowie im Süden Kalabrien. Hier müssen die Menschen weitgehend zu Hause bleiben, Ausnahmen gelten wiederum für den Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen. Bars, Restaurants und Geschäfte, die nichts Lebensnotwendiges verkaufen, sind zu. Gegen die neuen Maßnahmen gab es landesweit Proteste, unter anderem einen Streik der Taxifahrer am 6. November.

In orangenen Zonen dürfen die Bürger ihr Haus zwar verlassen - aber es ist ihnen verboten, in andere Orte oder Regionen zu fahren. Auch hier gelten Ausnahmen, etwa für Pendler. Als orange stuft die Regierung die beliebten Urlauberziele Sizilien und Apulien ein. Der große Rest Italiens ist eine gelbe Zone mit moderaten Einschränkungen. Die Verschärfungen gelten zunächst bis zum 3. Dezember.

Österreich und Italien sind fast komplett Risikogebiet

30. Oktober: In der EU gibt es mit Estland nur noch ein Land, in dem es laut Bewertung der Bundesregierung keine Corona-Risikogebiete gibt: Die aktuelle Liste, die vom Robert-Koch-Institut veröffentlicht wurde und ab 1. November in Kraft tritt, ist erneut gewachsen. Immer mehr Länder sind nicht mehr nur mit bestimmten Regionen, sondern komplett betroffen, nämlich jetzt auch Kroatien, Slowenien, Ungarn, Bulgarien und Zypern. Auch Italien und Österreich gelten nun fast vollständig als Risikogebiet: In Österreich sind nur noch die beiden von Deutschland aus erreichbaren Exklaven Kleinwalsertal und Jungholz mit zusammen etwa 5000 Einwohnern ausgenommen, in Italien ist Kalabrien im Süden die einzige Ausnahme.

Erstmals seit Juni wurden Gebiete in Griechenland und Lettland als Risikogebiete eingestuft. Weitere Regionen kommen in Dänemark, Portugal, Schweden und Litauen hinzu, außerdem die kleinen Staaten Monaco, San Marino und der Vatikan. Gestrichen wurde die einzige Region in Estland, die bislang auf der Liste stand.

Schleierfahndung in Grenzgebieten soll ausgeweitet werden

28. Oktober: Reisen nur noch, wenn es unbedingt nötig ist, diese politische Devise gilt im Kampf gegen die weitere Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland ebenso wie in vielen Nachbarländern. Zusätzliche Kontrollen oder Grenzschließungen wie noch im Frühjahr sind von deutscher Seite aber derzeit nicht geplant. In den grenznahen Regionen soll allerdings verstärkt darauf geachtet werden, dass sich Rückkehrer aus Risikogebieten an die Quarantäne-Auflagen halten: "Dazu wird die Schleierfahndung an allen deutschen Grenzen in einem Radius von 30 Kilometern intensiviert, um auch bei denjenigen, die per Auto aus Risikogebieten einreisen, die Einhaltung der Corona-Bestimmungen kontrollieren zu können", sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) der Bild-Zeitung.

Wer aus einem Risikogebiet kommt, muss sich künftig auch elektronisch registrieren: Die Entwicklung der Digitalen Einreiseanmeldung ist laut Bundesinnenministerium abgeschlossen. Sie ersetzt die bisher verwendeten Aussteigekarten und kann voraussichtlich ab 8. November auf dem Smartphone, dem Tablet oder über den PC abgerufen werden.

Innerhalb von Deutschland sind im November überhaupt keine touristischen Reisen mehr erwünscht: Ab 2. November dürfen Übernachtungsangebote "nur noch für notwendige und ausdrücklich nicht touristische Zwecke zur Verfügung gestellt" werden, beschlossen Bund und Länder am 28. Oktober. Das Übernachtungsverbot ist Teil des Maßnahmenpakets gegen eine weitere Ausbreitung des Coronavirus. Auch auf Besuche bei Verwandten solle verzichtet werden, ebenso wie auf "überregionale tagestouristische Ausflüge", so der eindringliche Appell.

ÖBB-Nachtzüge fallen für mehrere Wochen aus

28. Oktober: Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) stellen wegen der Pandemie vorübergehend wieder den Großteil ihrer Nachtzüge nach Deutschland ein. Zwischen 8. November und 2. Dezember entfallen alle Nightjet-Verbindungen aus Österreich und der Schweiz nach Deutschland mit Ausnahme der Strecke Wien-Berlin, wie ein ÖBB-Sprecher sagte. Wegen steigender Infektionszahlen und Reisebeschränkungen sei die Auslastung stark gesunken.

Konkret geht es um die Strecken Wien-Hamburg, Wien-Düsseldorf, Innsbruck-Düsseldorf, Innsbruck-Hamburg, Zürich-Berlin und Zürich-Hamburg, außerdem noch Wien-Brüssel und Innsbruck-Brüssel. Betroffene Fahrgäste seien informiert worden und könnten auf Tageszüge umbuchen oder sich den Fahrkartenpreis erstatten lassen. Im Dezember sei die Wiederaufnahme rechtzeitig zu den Winterferien geplant.

Dänemark schließt Grenzen für die meisten deutschen Urlauber

22. Oktober: Wegen der steigenden Infektionszahlen in Deutschland beschränkt Dänemark Urlaubsreisen zwischen beiden Ländern. Die dänische Regierung warnt Landsleute vor unnötigen Reisen nach Deutschland und will umgekehrt viele Urlauber aus Deutschland nicht mehr ins eigene Land lassen. Ausgenommen sind etwa Deutsche, die ein Ferienhaus vor Ort besitzen, wie Außenminister Jeppe Kofod sagte. Ein triftiger Grund für die Einreise kann gegeben sein, wenn ein Deutscher in Dänemark arbeitet oder seine Familie oder seinen Partner besuchen will.

Wer sich im Land aufhalte, müsse nun nicht überhastet abreisen. Die Maßnahme steht in Übereinstimmung mit der vergangene Woche in der EU beschlossenen Corona-Ampel. Danach können Länder Restriktionen für Urlauber aus anderen Mitgliedsstaaten einführen, wenn die Ampel - wie mittlerweile für Deutschland - auf gelb steht. Auch andere EU-Länder wie Estland haben bereits solche Beschränkungen für Urlauber aus Deutschland eingeführt.

© SZ.de/ihe/kaeb/edi/mit Material von dpa/Reuters/AFP/bepe
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