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Newsblog zu Corona und Reisen:Länder verschärfen Regeln für deutsche Reisende

Reisen ins Ausland

Reiseziele, weit entfernt: Abstandsmessung von einem Stuttgarter Garten aus.

(Foto: Sebastian Gollnow/dpa)
  • Die Coronavirus-Pandemie hat das Reisen in ungekannter Weise verändert. Was müssen Urlauber beachten? Wo gelten welche Regeln, wo eine Reisewarnung? Welche Grenzen öffnen oder schließen sich wieder? Aktuelle Nachrichten im Überblick.
  • Wegen steigender Coronazahlen verschärfen einige Länder die Einreiseregeln für Deutsche.
  • Auch Tirol, Luxemburg und ganz Tschechien sind jetzt Risikogebiet.
  • Was Sie jetzt zum Reisen wissen sollten: Fragen und Antworten zu Urlaub in Zeiten der Pandemie finden Sie hier.

Beschränkungen für Reisende aus dem "Risikogebiet Deutschland" - und einige Ausnahmen

28. September: Wegen steigender Infektionszahlen erklären einige Länder auch Deutschland zum Risikogebiet. So ist etwa in Finnland die Einreise für Menschen aus Deutschland seit Montag wieder beschränkt. Freizeitreisen sind gar nicht erlaubt - nur die Rückkehr, der Transit auf dem Weg in andere Staaten, Dienstreisen und Reisen mit anderen triftigen Gründen. Wer begründet einreist, muss 14 Tage in Quarantäne, die sich mit zwei freiwilligen Coronatests abkürzen lässt. Auch in Norwegen müssen Einreisende aus Deutschland zehn Tage in Quarantäne. In Island gelten keine Beschränkungen für Deutschland, aber Einreisende müssen generell 14 Tage in Quarantäne oder zwei Tests machen. In Irland steht Deutschland seit 28. September nicht mehr auf der "Green List". Das bedeutet, dass Einreisenden aus Deutschland - und den meisten anderen Staaten - empfohlen wird, ihre Bewegungen im Land zwei Wochen lang stark einzuschränken.

Für Belgien ist Deutschland zwar kein Risikogebiet. Allerdings empfiehlt das Außenministerium bei Einreisen aus einigen Regionen - darunter Köln, Düsseldorf, Hannover sowie weite Teile Bayerns und Baden-Württembergs - Corona-Test und Quarantäne. In Bosnien-Herzegowina müssen Reisende aus Deutschland einen Test vorzeigen, der nicht älter als 48 Stunden ist; für den Transit gilt das allerdings nicht. Für Ungarn ist die ganze restliche Welt Risikogebiet; ausgenommen von der Grenzsperre sind nur Ausländer mit einem Wohnsitz in Ungarn sowie Geschäftsleute.

Fernreisen bleiben auch mit der Aufhebung der weltweiten Reisewarnung am 1. Oktober schwierig: Für die USA gilt der gesamte Schengenraum als Risikogebiet, es gilt ein Einreiseverbot - wie auch umgekehrt für US-Reisende in die EU. Die meisten Länder in Lateinamerika führen keine Listen mit Risikogebieten, sondern behandeln alle Ausländer gleich. In Mexiko gibt es seit Beginn der Pandemie keine Einreisebeschränkungen. Brasilien hat seine Flughäfen auch für Touristen wieder geöffnet. In Argentinien hingegen müssen alle in eine 14-tägige Quarantäne - unabhängig davon, woher sie einreisen. Chile hat sich abgeschottet, nur Chilenen und Ausländer mit Aufenthaltserlaubnis dürfen rein.

In vielen Ländern Afrikas kann man von überall wieder einreisen, auch aus Deutschland. Etliche Länder fordern einen negativen Test, zum Beispiel Äthiopien oder Kenia. Südafrika erlaubt vom 1. Oktober an wieder internationale Reisen. Zahlreiche Länder im arabischen Raum behandeln ebenfalls alle Ausländer gleich, statt nach Risikogebieten zu unterscheiden. In Ländern wie Jordanien und Tunesien ist auch bei einem negativen Test eine mehrtägige Heim-Quarantäne vorgeschrieben - doch manchmal werden für Pauschalreisende Ausnahmen gemacht. Diese müssen etwa in Tunesien keinen Test vorlegen. Auch für die Einreise nach Ägypten müssen alle Fluggäste einen negativen Test dabei haben - außer bei Direktflügen zu ägyptischen Badeorten wie Scharm el Scheich und Hurghada. Marokko hat seine Grenzen geschlossen und internationale Passagierflüge bis 10. Oktober untersagt.

In der Asien-Pazifik-Region sind die Grenzen der meisten Länder für Ausländer weiterhin dicht. Australien und Neuseeland betrachten im Grunde alle anderen Staaten als Risikogebiete. Nach Thailand dürfen Ausländer nur mit Sondergenehmigung, alle müssen in staatliche Quarantäne. Auf welche Bestimmungen und Beschränkungen sich Reisende in den Zielländern einstellen müssen, führt das Auswärtige Amt in seinen Länderinformationen auf.

Verbraucherschützer klagen gegen Lufthansa

28. September: Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg verklagt die Lufthansa wegen der schleppenden Ticketerstattung bei stornierten Flügen. Die Verbraucherschützer hatten das Unternehmen abgemahnt, die Kunden über ihre Rechte zu informieren, den Anspruch auf schnelle Erstattung nicht zu verschweigen und zudem den Flugpreis innerhalb der gesetzlichen Frist von sieben Tagen zurückzuzahlen. Da die Lufthansa nicht auf diese Abmahnung reagiert habe, sei nun Klage beim Landgericht Köln erhoben worden, berichtete die Verbraucherzentrale. Ein Verhandlungstermin stehe noch nicht fest.

Die vom Staat gestützte Lufthansa hatte in der Corona-Krise seit März Millionen Tickets storniert und nicht fristgemäß erstattet, wie sie selbst einräumte. Inzwischen seien konzernweit Tickets in einem Gesamtwert von 2,8 Milliarden Euro an etwa 6,6 Millionen Passagiere erstattet worden; offen seien noch 900 000 Vorgänge. Der Reiseexperte der Verbraucherzentrale, Oliver Buttler, warf dem Unternehmen anhand konkreter Fälle gezielte Desinformation vor, indem bevorzugt Umbuchungen angeboten und nicht die Möglichkeiten einer Rückerstattung aufgezeigt worden seien. Die Verbraucherzentrale habe bereits in sechs weiteren Fällen Unterlassungsklagen eingereicht, darunter gegen DER Touristik und die Lufthansa-Tochter Eurowings. Mehrere Unternehmen hätten aber auch die geforderten Unterlassungserklärungen abgegeben.

Reisewarnungen für Tirol, Luxemburg und Tschechien

25. September: Das Auswärtige Amt hat für weitere Regionen in Europa eine Reisewarnung ausgesprochen. Neu auf der Liste sind in Österreich das Bundesland Tirol, außerdem Luxemburg sowie nun nicht mehr nur einzelne Regionen in Tschechien, sondern das gesamte Land. Mehr als die Hälfte der EU-Länder gilt zumindest teilweise wieder als Risikogebiet.

Maßgeblich ist die Zahl der neuen Infektionen: Waren es in den vergangenen sieben Tagen mehr als 50 pro 100 000 Einwohner, stuft das Robert-Koch-Institut eine Region als Risikogebiet ein (hier finden Sie die aktuelle Liste), das Auswärtige Amt reagiert mit einer Warnung vor "nicht notwendigen, touristischen Reisen".

Wie sich die Infektionslage in ihrem Urlaubsland entwickelt, welche Hygieneregeln und Warnungen gelten, erfahren Reisende in den Reisehinweisen des Auswärtigen Amts. Wer aus einem Risikogebiet nach Deutschland zurückkehrt, muss entweder einen aktuellen Nachweis vorlegen, dass er nicht mit Covid-19 infiziert ist, oder sich nach der Heimkehr testen lassen - und in Quarantäne, bis das negative Ergebnis vorliegt.

Österreich: Après-Ski fällt aus

24. September: Im Februar befeuerten Après-Ski-Partys vor allem im Tiroler Skiort Ischgl die Ausbreitung des Corona-Virus, in der kommenden Saison sollen sie ausfallen. "Après-Ski in der Art und Weise, wie wir es aus der Vergangenheit kennen", werde nicht möglich sein, kündigte Bundeskanzler Sebastian Kurz an. Ziel sei es, einen sicheren Wintertourismus zu ermöglichen.

Geplant sind deshalb unter anderem folgende Maßnahmen: In Gondeln muss ebenso wie in den öffentlichen Verkehrsmitteln ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden, statt drängelnder Menschentrauben am Einstieg soll ordentlich in Reihe mit jeweils einem Meter Abstand gewartet werden. Speisen und Getränke gibt es in den Hütten nur am Tisch, nicht mehr im Stehen an der Bar. Skischulgruppen werden auf maximal zehn Personen begrenzt, Skilehrer und Hotelangestellte sollen sich regelmäßig testen lassen.

59 Millionen Übernachtungen gibt es in Österreich im Schnitt pro Wintersaison, vor allem in den Bundesländern Tirol und Vorarlberg, das gerade erst zum Corona-Risikogebiet erklärt wurde, ist der Tourismus eine wichtige Einnahmequelle.

Reisebeschränkungen auch im Inland

23. September: Die hohen Corona-Zahlen in einigen deutschen Regionen könnten Herbstferienpläne durchkreuzen. In mehreren Bundesländern ist es Hotels und Vermietern von Ferienwohnungen untersagt, Gäste zu beherbergen, die aus einem Corona-Hotspot kommen. Maßgeblich ist der Schwellenwert von 50 neu gemeldeten Covid-19-Fällen pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. Dieser wird aktuell beispielsweise in München und Würzburg, in Cloppenburg und Hamm überschritten. Reisende aus diesen Städten müssen ein aktuelles negatives Testergebnis vorlegen, nur dann dürfen sie in ihrem Quartier einchecken. Solche Verordnungen gibt es nach Angaben des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes in Baden-Württemberg, Brandenburg, Hamburg, Hessen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und im Saarland. Mecklenburg-Vorpommern verbietet nicht nur die Übernachtung, sondern auch die Einreise; in Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein wird eine 14-tägige Quarantäne verhängt.

Doch was ist, wenn die Reise schon lange gebucht war? Wer muss die Kosten übernehmen, wenn der Urlaub aufgrund behördlicher Auflagen platzt? Nach Einschätzung des Reiserechtsexperten Kay P. Rodegra können Betroffene ihren Hotelaufenthalt in Deutschland in vielen Fällen kostenlos stornieren, wenn ihnen der Hotelbetreiber seine Leistungen wegen der Coronaschutz-Vorschriften nicht zur Verfügung stellen darf. Ähnlich sieht es bei Pauschalreisen aus: "Ein generelles Beherbergungsverbot oder auch Einreiseverbot am Reiseziel berechtigt dazu, wegen unvermeidbarer, außergewöhnlicher Umstände, die die Reise unmöglich machen, kostenfrei vom Reisevertrag zurückzutreten."

Pauschalreise: Tui streicht Teil seines Winterangebots wieder

22. September: Der weltgrößte Reiseanbieter Tui hat ob der neuen Reisewarnungen wegen der Covid-19-Pandemie sein Angebot weiter eingedampft. Für die Wintersaison sagt Tui etwa ein Fünftel des Programms ab, insgesamt stehen damit noch 40 Prozent des ursprünglichen Angebots. "Dies spiegelt die anhaltende Unsicherheit im Hinblick auf Reisebeschränkungen wider", hieß es aus dem Unternehmen. Für knapp ein Drittel der nun gestrichenen Pauschalurlaube hatte es bereits Buchungen gegeben. Im Sommer 2021 will Tui 80 Prozent der ursprünglich geplanten Kapazität anbieten. Viele Urlauber haben ihre Reisen auf das kommende Jahr umgebucht oder wollen sich ihren Urlaub frühzeitig sichern - mit der Nachfrage steigen auch die Durchschnittspreise wieder.

© SZ.de/ihe/kaeb/edi/mit Material von dpa/Reuters/AFP
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