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Reisen im Winter:Was ist erlaubt, was bleibt verboten?

Coronavirus - Ministerpräsidentenkonferenz

Ein Lampion in Form eines Coronavirus hängt über einer nahezu menschenleeren Einkaufsstraße in Schwerin. Es bleibt in Deutschland noch bis mindestens Ende Januar bei den massiven Reisebeschränkungen.

(Foto: dpa)

Bitte zu Hause bleiben - das gilt in Deutschland auch in den nächsten Wochen. Doch was ist mit dem Winterurlaub oder der Reise ins Ausland? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Von Eva Dignös

Es bleibt beim Lockdown in Deutschland: Bis 31. Januar werden Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen verlängert und teilweise verschärft, um das Coronavirus an der Ausbreitung zu hindern, so der Beschluss von Bund und Ländern vom 5. Januar. Das durchkreuzt auch Reisepläne innerhalb von Deutschland. Worauf müssen sich Urlauber einstellen? Was ist mit Reisen im Winter? Und mit Buchungen für die kommenden Monate?

Darf man innerhalb von Deutschland überhaupt noch reisen?

Reisen per se ist nicht verboten, aber nach wie vor ausdrücklich nicht erwünscht. Bund und Länder appellieren eindringlich an alle, während des Lockdowns "von nicht zwingend notwendigen Reisen im Inland und auch ins Ausland abzusehen". Deshalb dürfen Übernachtungsangebote im Inland - also auch in Ferienwohnungen oder Gästehäusern - weiterhin "nur noch für notwendige und ausdrücklich nicht touristische Zwecke zur Verfügung gestellt" werden. Die zunächst bis 10. Januar verhängten Maßnahmen wurden bis 31. Januar verlängert.

Wo allerdings die Corona-Infektionszahlen besonders hoch sind, wird der Radius, in dem sich Menschen um ihren Wohnort bewegen dürfen, auf 15 Kilometer eingeschränkt; maßgeblich ist dabei nicht die private Adresse, sondern die Gemeindegrenze des Heimatorts. Das gilt für Landkreise und Städte mit einer Sieben-Tages-Inzidenz von über 200 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner. Ausnahmen gibt es nur, wenn ein triftiger Grund vorliegt, "tagestouristische Ausflüge" gehören laut dem Beschluss von Bund und Ländern explizit nicht dazu. Die Einzelheiten der Umsetzung regeln die Bundesländer. So können in Bayern Regionen mit hohen Infektionszahlen nicht nur die Bewegungsfreiheit der eigenen Bewohner einschränken, sondern im Gegenzug auch Ausflügler aus anderen Kreisen aussperren. Davon machen beispielsweise die Landkreise Miesbach, Berchtesgadener Land, Regen und Passau Gebrauch.

Kann ein schon gebuchter Urlaub in Deutschland kostenlos storniert werden?

Ja, solange die Hotels Touristen nicht aufnehmen dürfen, ist das möglich: Kann ein Hotelier oder Ferienhausvermieter die Unterkunft aufgrund behördlicher Auflagen gar nicht zur Verfügung stellen, muss der Gast nach deutschem Recht dafür auch nichts bezahlen. Er darf kostenlos von der Buchung zurücktreten und Anzahlungen zurückfordern. Urlauber sollten sich auf die "Unmöglichkeit der Leistung" berufen, heißt es beim Verbraucherzentrale Bundesverband.

Die Europäische Pauschalreiserichtlinie greift bei Urlaubspaketen: Wenn sie nicht wie geplant realisiert werden können oder sie vom Veranstalter abgesagt werden, bekommt der Kunde sein Geld zurück - und zwar binnen 14 Tagen. Gutscheine können angeboten, müssen aber nicht akzeptiert werden.

Darf man Verwandte in anderen Teilen Deutschlands besuchen?

Hier gilt weiterhin der dringende Appell, auch in den nächsten Wochen zu Hause zu bleiben - also auf private Reisen und Besuche zu verzichten, sofern sie nicht unbedingt notwendig sind. Die Kontaktbeschränkungen werden noch einmal verschärft. Private Zusammenkünfte sind nur noch mit maximal einer weiteren nicht im Haushalt lebenden Person erlaubt.

Wird man im Winter Skifahren können?

Vorerst nicht: In Deutschland bleiben auch die Skigebiete bis mindestens 31. Januar geschlossen. In Österreich ist der Skibetrieb zwar seit Weihnachten erlaubt, allerdings nur für Einheimische. Hotels dürfen auch dort keine Touristen beherbergen und Urlauber aus Risikogebieten - dazu gehört Deutschland - müssen zehn Tage in Quarantäne, werden also vermutlich gleich zu Hause bleiben. Im Nicht-EU-Land Schweiz laufen ebenfalls in vielen Skiorten die Lifte.

Und wie sind die Reiseaussichten für einen Kurzurlaub in den Nachbarländern?

Verboten sind Reisen ins Ausland nicht, aber der Appell an die Bürger, möglichst zu Hause zu bleiben, gilt auch hier. Zudem sind alle Länder, die an Deutschland angrenzen, Corona-Risikogebiete. Lediglich in Österreich gibt es mit den Exklaven Kleinwalsertal und Jungholz, die nur von Bayern aus zugänglich sind, zwei sehr kleine Ausnahmen. Die neuen Lockdown-Regeln sehen auch wieder eine Testpflicht für Rückkehrer vor: Wer sich in einem Risikogebiet aufgehalten hat, wird zu einem Corona-Abstrich entweder unmittelbar vor oder direkt nach der Heimreise verpflichtet. War man zuvor in einem Staat, in dem der Inzidenzwert über 200 liegt oder in dem Virusvarianten mit besonders hoher Ansteckungsgefahr kursieren, muss er vor der Einreise erfolgen. Die Liste der betroffenen Länder wird vom Robert-Koch-Institut veröffentlicht. Unabhängig davon bleibt es bei der Quarantäne sowie bei der digitalen Einreiseanmeldung. Mindestens fünf Tage muss man zu Hause bleiben, erst dann darf man sich testen lassen und bei einem negativen Ergebnis die normalerweise zehntägige Isolation abkürzen. Wer nicht im Homeoffice arbeiten kann, bekommt in dieser Zeit nach einer freiwilligen Reise ins Risikogebiet übrigens kein Gehalt.

Fahren Züge und Fernbusse?

Notwendige Reisen können nach wie vor stattfinden, auch mit der Deutschen Bahn. Viele Züge sind bereits deutlich leerer, weil weniger Menschen unterwegs sind. Um aber grundsätzlich für mehr Abstand in den Waggons zu sorgen, können in Fernzügen künftig nicht mehr alle Sitze reserviert werden. An den Stornobedingungen ändert sich nichts: Nur die teuren Flexpreis-Fahrkarten können vor dem ersten Geltungstag kostenlos storniert oder umgetauscht werden. Beim Sparpreis ist zwar ebenfalls bis zum Tag vor der Fahrt eine Stornierung möglich. Sie kostet allerdings zehn Euro und es gibt nur einen Gutschein. Supersparpreistickets können weder storniert noch umgetauscht werden.

Der Fernbusanbieter Flixbus hat seine Touren in Deutschland, Österreich und der Schweiz Anfang November eingestellt. Der Flugverkehr ist ohnehin schon seit Monaten stark reduziert. Sollte ein gebuchter Flug gestrichen werden, haben Passagiere nach EU-Recht einen Anspruch auf Erstattung des Flugpreises. Die aktuellen Corona-Beschränkungen berechtigen aber nicht dazu, einen Flug einfach kostenlos abzusagen.

Wie sieht es mit Reisen in den kommenden Monaten aus?

Wann und wohin in diesem Winter wieder gereist werden darf, wird davon abhängen, ob es gelingt, die Zahl der neuen Infektionen zu senken. Der lange gebuchte Skiurlaub im März kann trotzdem jetzt noch nicht kostenlos storniert werden. Die Beschränkungen für Reisen in Deutschland sind vorerst bis 31. Januar befristet und Angst vor Corona reicht als Rücktrittsgrund nicht aus. Wie es danach weitergeht, hängt von der Infektionslage ab. Urlauber, die bereits sicher sind, dass sie nicht reisen wollen, sollten ihren Gastgeber kontaktieren: Vielleicht lässt sich der Hotelier darauf ein, den Aufenthalt zu verschieben. Verpflichtet dazu ist er nicht.

Die Reiserücktrittskostenversicherung bietet keinen Schutz. Sie übernimmt zwar Stornogebühren, wenn eine Reise nicht angetreten werden kann. Gezahlt wird aber nur bei plötzlichen Erkrankungen, Todesfällen in der engeren Verwandtschaft, bei unerwarteter Arbeitslosigkeit oder schweren Vermögensschäden - und selbst dann nicht immer: Manche Versicherungen schließen Leistungen bei "Schäden, Erkrankungen und Tod infolge von Pandemien" aus.

Die meisten Ziele im Ausland bleiben unerreichbar - sei es, weil Reisewarnungen verhängt wurden, sei es, weil Urlauber aus Deutschland gar nicht ins Land gelassen werden. Denn auch Deutschland ist wegen hoher Infektionszahlen Corona-Risikogebiet. Möglich sind derzeit Reisen beispielsweise nach Kuba, aber nur mit einem negativen Coronatest. Das beliebte Wintersonnenziel Mauritius lässt Touristen ebenfalls ins Land, allerdings sollten sie Zeit mitbringen: Nach einem Test am Flughafen müssen sie erst einmal für zwei Wochen in einem dafür staatlich zugelassenen Hotel in Quarantäne, regelmäßiges Fiebermessen und weitere Tests inklusive.

Und: Die Lage kann sich schnell ändern, manchmal sogar während eines Urlaubs. Die Kanarischen Inseln waren mehrere Wochen lang als einzige spanische Region nicht auf der Liste der Risikogebiete und damit eine Möglichkeit für einige sonnige Urlaubstage. Steigende Infektionszahlen führten jedoch dazu, dass seit 20. Dezember erneut eine Reisewarnung gilt. Auch die portugiesische Urlaubsinsel Madeira war noch lange ein Winterziel ohne Reisewarnung - ab 9. Januar gilt sie ebenfalls als Risikogebiet.

© SZ.de/kaeb/ihe
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