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Europa:Lieblingsplätze für den Campingurlaub

Strand, Berge oder doch lieber an einen See? Gar nicht so leicht, sich für einen Campingplatz zu entscheiden. Sieben Tipps aus der SZ-Redaktion.

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Tirol:Berge, Wasser und Kiefernduft

Personen auf einem Stand-Up-Paddle und Kayak am Ufer des Plansee, Reutte, Tirol, Österreich, Europa *** People on a Stan

Quelle: Moritz Wolf/Imago/imagebroker

Ein Plätzchen findet sich dann doch noch am Rande einer dieser Terrassen, auf denen man seinen Camper parken oder sein Zelt aufstellen kann und von denen aus man einen wunderbaren Blick auf den Plansee und die umliegenden Berge hat.

Der Campingplatz Seespitz am Plansee in Tirol ist Ende Juli in der Regel voll besetzt, aber die Frau an der Rezeption ist ausgesprochen freundlich und hat offensichtlich ein wenig Mitleid mit den spät angekommenen Gästen. Vermutlich hat die unbebaute Umgebung des auf knapp 1000 Meter Höhe gelegenen Sees positive Auswirkungen auf die Stimmung.

Terrasse für Terrasse fällt der Platz zum Plansee hin ab, die einzige Hürde auf dem Weg zum Ufer des in Grün und Blau schimmernden Gewässers ist die Uferstraße, die an schönen Tagen stark befahren ist. Das ist zwar bedauerlich, aber irgendwie auch kein Wunder, denn der See, versteckt gelegen an der schmalen Verbindungsstraße zwischen Ettal bei Garmisch-Partenkirchen und Reutte in Tirol, ist ein Erholungswunder.

Schwimmen oder Bootfahren? Oder auf dem Wurzelweg unter Kiefern am Seeufer entlangwandern in Richtung Heiterwang? Wenn der See schimmert und der harzige Duft der Kiefern in der Wärme des Tages intensiver wird, wirkt die Gegend fast mediterran. Oder vielleicht doch erst eine lange Berg- oder Radltour im Wettersteingebirge oder im Mieminger Gebirge, das sie hier "die Mieminger" nennen, unternehmen - und dann baden? Eine schwierige Wahl.

Wie auch immer man sich entscheidet, man kommt gerne zurück auf den Campingplatz. Von den Sanitäranlagen bis zum Seespitzkiosk befindet sich alles in bestem Zustand. Da lässt sich auch des Campers Feind, ein Regentag, gut aushalten. Johanna Pfund

Camping Seespitz, Breitenwang/Reutte, camping-plansee.com

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Toskana:Weit, wild, wellig

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Quelle: Danita Delimont/Mauritius Images

Es soll ja Leute geben, die es am Abend gern laut und lebendig haben. Wer also animazione per bambini sucht, damit die Kinder den Vortänzern nachtanzen lernen, sollte zu einem der Nachbar-Campingplätze gehen und an Camping Europa einfach vorbeifahren. Auswahl gibt es reichlich an der Straße, die nach Torre del Lago Puccini führt, vorbei an dem die Hochstimmung trübenden Straßenstrich. Der Ort gehört zur Gemeinde Viareggio, und Viareggio zu besuchen, hier essen zu gehen oder auch mal in eines der liegebestuhlten Bäder, ist zur Abwechslung nett. Aber der Strand südlich von Viareggio ist eben anders. Wild und weit hinter den Dünen. Und mit Wellen manchmal, die adriasozialisierte Italien-Fans erst mal überraschen. Und dann sehr glücklich machen können.

Camping Europa hat Bäume zu bieten, die die Hängematte tragen, eine ordentliche Pizzeria, einen kleinen Pool, Tischtennisplatten und einen Platz, wo die Jungs (und ein paar Mädchen) am Abend länderübergreifend Fußball spielen. Man spricht im winzigen Lebensmittelladen so weit italienisch, dass es sich nach Urlaub anfühlt, und so viel Englisch, dass man in jedem Fall durchkommt. Die Dauercamper sind Einheimische, die die blassen Nordländer freundlich dulden, die Nachbarn in der Zelt-und-Wohnwagen-Gasse sind nicht selten Männer-Paare, die für stimmungsvolle Illumination ihres Vorgartens auf Zeit sorgen.

Der Tag besteht aus (Leih-)Radfahren in der Pineta, Dösen am Strand, Sundowner in einer der Bars an der Marina von Torre del Lago - hier gut aufpassen auf die Fahrräder. Schirm und Mückenspray für den Gang durch die Pineta gehören zur Grundausstattung. Ach ja, da war ja noch was: Pisa in der Nähe. Florenz liegt auf dem Weg. Schon schön. Monika Maier-Albang

Camping Europa, Torre del Lago Puccini, europacamp.it

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Korsika:Alte Liebe

Corsica Korsika Les trois pisques U Cavu St Lucie de Porto Vecchio Corsica Frankreich Europa

Quelle: Thomas Frey/Imago

Alte Urlaubslieben wieder aufleben zu lassen, das endet gern in grober Enttäuschung. Das grelle Licht der Gegenwart zerstört jenen schummrig-pastelligen Ton gnadenlos, in dem wohlige Erinnerungen verwahrt werden. Ein Besuch des Camping California an der Ostküste Korsikas ist insofern sehr riskant für Menschen, die früher zum Camping Vilata gleich nebenan pilgerten: Die kreisrunde Bucht, in der das Wasser so türkis glitzerte, das Inselchen mit dem Genueser-Turm, zu dem man gerade so schwimmen konnte, die Lagune hinter dem Strand, aus der einen die Schildkröten so neugierig betrachteten, und der nahe Fluss Cavo, dessen Gumpenkaskaden eine riesige Naturrutsche bilden - was davon kann heute noch so schön sein wie früher? Wahrscheinlich nichts.

Wenn auf dem herrlich einfachen, unparzelliert zum Meer abfallenden Gelände der Campingtisch steht und die Hängematte zwischen den uralten Pinien aufgehängt ist, folgt also ein banger Spaziergang. Und siehe da: Die Bucht ist auch heute nicht mit Liegestühlen und Schirmen verbaut - und von dem fiesen Teer, der früher oft an den Klippen klebte, ist nichts mehr zu sehen. Die Lagune ist nicht vermüllt, neben Schildkröten gibt es mittlerweile auch Flamingos, der Ausflug zum Inselchen immer noch ein Abenteuer. Vor einem Tagesausflug zum wie eh und je eiskalten Cavo lohnt sich eine Besichtigung der Überreste des Camping Vilata, der vor vielen Jahren in einen Märchenschlaf versank, wohl wegen Erbstreitigkeiten. Die verfallene Bar, das ehemalige Restaurant, die Ruinen der Waschräume umweht der Schauer von David-Lynch-Filmen - und Fotos bekommen automatisch einen schummrigen Retro-Touch, ganz ohne Filter. Moritz Baumstieger

Camping California, Capu di Fora Pinarello, Korsika. camping-california-corsica.com

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Bayern:Insel im Urwald

Paddler in Kanu Kanadier auf dem Schwarzer Regen in Viechtach Niederbayern Bayern Deutschland m

Quelle: Volker Preußer/Imago

Adventure Camp hieß dieses idyllische Plätzchen im Bayerischen Wald schon, bevor die Mikroabenteuer zum Trend wurden. Als Sebastian und Kristian Nielsen, zwei Brüder mit dänisch-bayerischen Wurzeln, den Campingplatz samt Gasthaus und Fremdenzimmern bei Viechtach übernahmen, nervte sie vor allem das Hinterwäldler-Etikett, das dieser Region nahe der Grenze zu Tschechien mit ihren weiten Wäldern und grünen Hügelketten gern angehängt wird. Sie wollten eine andere Geschichte erzählen.

Und so gibt es auf dem Platz, der auf einer Insel im Schwarzen Regen liegt, ein Mini-Stonehenge mit Feuerstelle, eine Bongo-Bar und keine schnöden Waschräume, sondern ein Körper-Kultur-Haus. Wer nicht den Campingkocher anwerfen will, kann im Restaurant des Hotels essen, gekocht wird "Thai-Bay".

Die Lage am Fluss ist optimal für Kanufahrer, der Nationalpark Bayerischer Wald mit seinen Urwäldern, in denen alte Bäume sterben dürfen und aus totem Holz neues Grün entstehen kann, ohne dass der Mensch eingreift, ist ebenfalls schnell erreicht. Anreisen kann man - von wegen abgelegene Hinterwäldler-Region - mit der Waldbahn: Die Schnitzmühle hat eine eigene Haltestelle.

Tipp: Mit dem Zug bis Gumpenried fahren und am oder auf dem Schwarzen Regen zum Campingplatz zurückwandern oder -paddeln, durch eine der wenigen wirklich noch ursprünglichen Flusslandschaften in Bayern, die der Region den Beinamen "Klein Kanada" eingebracht hat. Der Weg zurück in die Zivilisation ist glücklicherweise nicht ganz so weit wie im nordamerikanischen Vorbild.

Nur kein Stress, alles ganz relaxed: Auch das gehört zum Konzept des Adventure Camps. Der Platz ist nicht säuberlich parzelliert, die Wiese schon mal etwas feucht und manches vielleicht nicht immer ganz perfekt - aber genau das macht schließlich ein Abenteuer aus. Eva Dignös

Adventure Camp Schnitzmühle, Viechtach, schnitzmuehle.de

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Kroatien:Bitte mit Hund

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Quelle: Titus Arnu

Heringe braucht man beim Zelten auf jeden Fall, aber Hunde? Nicht unbedingt. Hunde haaren, müffeln und kauen an Leinen und Gummimatten herum. Sie knurren Nachbarn an, hecheln einem nachts die Ohren voll und aus ihrem Fell rieselt ständig Sand. Vieles spricht also gegen Camping mit Hund. Aber auch vieles dafür: Was gibt es Schöneres, als mit dem besten Freund am Strand zu liegen, zu schwimmen, zu picknicken und auf einer Luftmatratze zu chillen?

Ein ideales Gemeinschaftsziel ist die kroatische Insel Cres, ganz im Norden der Adria neben Krk gelegen. Sie ist erstaunlich grün und groß, man kann dort stundenlang im Schatten von Kastanien und Eichen wandern, an steinigen Stränden baden und hübsche Fischerdörfer besuchen. Der Campingplatz Slatina beim Örtchen Martinščica an der Westküste ist vorbildlich ausgestattet für Hundehalter. Alles ist so geschickt organisiert und gestaltet, dass man als Tierfreund den tierlosen Touristen nicht auf die Nerven geht.

"Camping Cum Cane" nennt sich das Konzept, das auf dem Clampingplatz Slatina konsequent umgesetzt wird. Es gibt eine komplette Hunde-Infrastruktur: eigene Zugangswege zum Strand, Badestellen für Hunde, einen Gassiweg, eingezäunten Hundepflegebereich unter schattigen Steineichen, Hundeduschen, selbstverständlich stehen überall Hundekot-Mülleimer bereit. Während der Hauptsaison bietet ein lizenzierter Hundetrainer auf einem eingezäunten Übungsplatz Gruppen- und Einzelunterricht an, übrigens kostenlos. Zudem werden diverse Schulungen angeboten, Geschicklichkeitsspiele und Rudelsport: Bildungsurlaub für Hunde.

Slatina wird immer wieder zu einem der besten Campingplätze Kroatiens gewählt, für die innovativen Hunde-Ideen gab es auch eine Auszeichnung vom ADAC. Zu Recht: Bei unserem Besuch fühlte sich Testhund Bruno so wohl, dass er am liebsten Dauercamper geworden wäre. Tagsüber im Schatten eines Felsens liegen, ab und zu mit Herrchen im glasklaren Wasser der Adria kraulen, Fische und Krebse beobachten, vergeblich Eidechsen jagen, abends gemeinsam Goldbrasse grillen und die Schwanzflosse verzehren - ein Traum für ihn. Und damit auch für den Menschen. Hunde beim Campen? Braucht man unbedingt. Titus Arnu

Camping Slatina, Vidovići, Insel Cres, Kroatien, camp-slatina.com

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Italien:Fein und entspannt

Online nur, wenn das Bild auch in Print verwendet wird!!

Quelle: Reiner Harscher/mauritius images

Die Isola del Giglio ist die kleinere Schwester der Insel Elba im toskanischen Archipel. Ihre Berühmtheit in der Welt verdankt sie einem Unglück: Die Costa Concordia strandete 2012 auf ihren Felsen und wurde erst zwei Jahre später weggeschleppt, um in Genua verschrottet zu werden. Seitdem ist der Name Giglio mit dem Schiff liiert: Überraschend ist es nicht, ungerecht aber schon.

Im Herzen des Tyrrhenischen Meers bietet die Isola del Giglio schöne Buchten, kristallklares Wasser und wunderbare Ausblicke von ihren Hügeln. Sie ist nur acht Kilometer lang und lässt sich deshalb in wenigen Tagen gut erkunden, bewohnt wird sie von rund 1500 Menschen, die sich auf die Orte Giglio Porto, Campese und Giglio Castello verteilen. Letzteres ist ein mittelalterliches Dorf, das imposant auf der Spitze der Insel steht und von Mauern umgeben ist, man gelangt dorthin über die Straße oder über schmale Pfade direkt vom Meer aus.

Der einzige Campingplatz auf der Insel heißt Baia del Sole, auf Deutsch Sonnenbucht, er befindet sich an der nordwestlichen Küste und ist im Kleinen das, was die Insel so empfehlenswert macht: fein, entspannt, nicht allzu groß. Der Campingplatz verfügt über einen felsigen, aber bequemen Zugang zum Meer, wer lieber auf Sand setzt, dem steht der etwa einen Kilometer entfernte Strand von Campese zur Verfügung. Er ist terrassenförmig aufgebaut und bietet daher weitgehend Ausblick aufs Meer, am schönsten ist aber die Sicht von der Restaurant-Terrasse, von wo aus man die anderen toskanischen Inseln in der Ferne entdecken kann. Francesca Polistina

Camping Baia del Sole, Sparavieri, Giglio, campeggiobaiadelsole.com

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Brandenburg::Lodge und Badesee

Ausflugsziel Spreewald

Quelle: Patrick Pleul/dpa

Brandenburg ist nicht der erste Ort, an dem man Unterkünfte wie "Safari Lodges", "Mobile Homes" oder "Tiny Houses" erwarten würde. Und doch gibt es die, und zwar mitten auf einem Campingplatz. Zwischen Zeltplätzen, Gemeinschaftsduschen, Minimarkt und den Wohnwagen der Dauercamper stößt man auf hölzerne Häuschen mit Küche und Kamin, auf befestigte Zelte mit Betten darin und Terrassen davor oder aber auf helle Gebäude, die etwas von skandinavischen Ferienhäusern haben. "Glamping" heißt der Trend, der aus dem Campen eine glamouröse Erfahrung machen soll. Und der hat es inzwischen auch nach Brandenburg geschafft.

Wieviel Glamour man im Eurocamp im Spreewald erkennt, liegt im Auge des Betrachters. Tatsache ist jedoch, dass die fertig ausgestatteten Zelte und Lodges eine stressfreie und relativ günstige Möglichkeit sind, mit der Familie oder einer Gruppe von Kindern und Jugendlichen ein paar Urlaubstage zu verbringen. Auf diese Gruppe ist der Campingplatz dann auch zugeschnitten. Es gibt einen großen Pool und einen Spielplatz, man kann mit Kettcars über das Gelände düsen, einen Schwimmkurs buchen oder die Kinder mit einer Animatorin auf Schatzsuche schicken, während man selbst in der Sauna liegt oder am Strand des nahen Badesees.

Die unterschiedlichen Welten prallen zwar auch im Eurocamp aufeinander, also die ruhebedürftigen Dauercamper, die feierwütigen Jugendlichen und die Familien. Die Anlage ist aber weitläufig genug, um das Konfliktpotenzial klein zu halten. Den nahen Spreewald mit seinen Radwegen, den Flüsschen zum Paddeln und den historischen Städtchen, die schon Theodor Fontane fasziniert haben, gibt es dann noch oben drauf. Verena Mayer

Eurocamp Spreewaldtor, Märkische Heide, eurocamp-spreewaldtor.com

© SZ
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