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Calgary nach Olympia:Abschied von der Prärie

Spuren der Spiele: Was passiert, wenn der Rummel vorbei ist und die Fernsehkameras abgeschaltet sind? Calgary haben die Olympischen Spiele aus der Krise geholfen.

Am 12. Februar beginnen die 21. Olympischen Winterspiele in Vancouver. Das Spektakel rückt die kanadische Stadt in British Columbia in den Mittelpunkt des internationalen öffentlichen Interesses. Doch was passiert, wenn der Rummel vorbei ist und die Fernsehkameras abgeschaltet sind? Was bleibt von olympischen Bauten, wirtschaftlichen Erfolgen und persönlichen Erinnerungen? Diesen "Spuren der Spiele" gehen wir an vier ehemaligen Austragungsorten nach, an einem zukünftigen beobachten wir die Vorbereitungen.

Skyline Calgary; Reuters

Was für Olympia galt und gilt, gilt nunmehr auch für Calgary: schneller, höher, stärker.

(Foto: Foto: Reuters)

Von oben betrachtet, vom Calgary Tower aus, knapp 200 Meter über den Dingen, sieht die Olympic Plaza aus wie eine andere Welt. Im Winter ist sie eine kleine weiße Fläche inmitten des asphaltversiegelten, omnipräsenten Hochhausgraus, im Sommer eine baumgrüne Oase. Auch aus der Nähe betrachtet, auf Augenhöhe, will das Plätzchen nicht so recht in diese doch eher vertikale Innenstadt passen. Ringsum rauscht der Verkehr. Drei verloren wirkende Schlittschuhläufer gleiten übers Eis. Ein Schild mahnt: ,,Pleasure skating only! No hockey!'' Lärmende Eishockeyspieler würden auch nicht in dieses Stadtidyll passen.

Schwer vorstellbar, dass dieser kaum fußballfeldgroße Platz mal der bedeutendste der ganzen Stadt und zwei Winterwochen lang für manchen Sportler der bedeutendste der Welt war. Wer sich die steinernen Torbögen genauer ansieht, kommt allmählich hinter das Geheimnis: "Citius, altius, fortius" steht da in Stein gemeißelt. Schneller, höher, stärker - das olympische Motto. 1988 fanden hier vor Zehntausenden Zuschauern die meisten Siegerehrungen der Winterspiele statt. Letztlich ist der Platz aber auch das Symbol für ein Ereignis, das der Stadt aus einer schweren Krise half und von dem sie noch heute profitiert. Denn was für Olympia galt und gilt, gilt nunmehr auch für Calgary: schneller, höher, stärker - das Motto der am schnellsten wachsenden Stadt Kanadas.

Einige Sportler erlebten an der Olympic Plaza den Höhepunkt ihrer Karriere. Einige, wie die zweimaligen Goldmedaillengewinner Katarina Witt und Alberto Tomba, sind vielen im Gedächtnis geblieben, andere dagegen beinahe in Vergessenheit geraten. Hier erinnert etwa ein Dutzend Bronzeplatten an die Besten von damals. Heute hat kaum noch jemand einen Blick dafür - bis auf die kleine Sportler-Reisegruppe aus Deutschland, die sich vor den Platten gegenseitig fotografiert: Es sind Medaillengewinner von 1988. Frank-Peter Rötschs Platte ist die dritte von links, er gewann zwei Mal Gold im Biathlon, sein Gegner aus der Bundesrepublik, Peter Angerer, holte Silber. Eisschnellläuferin Christa Luding-Rothenburger ist für die DDR als Gold- und Silbermedaillengewinnerin verewigt, Mannschaftskameradin Karin Enke-Richter gewann Silber und Bronze.

Letztere kannten die Olympic Plaza gar nicht. "Ich wusste nicht, dass ich hier in Bronze liege", erzählt Enke-Richter, "wir wurden im Olympic Oval, im Eisschnelllaufstadion, geehrt." Viele Jahre war sie die beste Eisschnellläuferin der Welt. Sie beendete kurz nach Calgary ihre Karriere. Es waren die letzten Spiele mit zwei deutschen Mannschaften, und wenn die DDR-Athleten erzählen, klingt es, als sei es viel länger her als zwei Jahrzehnte. "Wir konnten uns in der Stadt frei bewegen, alles anschauen", erzählt Rötsch, "aber halt ohne Pass. Der wurde an der Grenze einkassiert."

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