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Cäsar-Spruch als Werbeslogan:Er kam, sah und kriegte

Nur kurz erlangte die türkische Stadt Zile Bedeutung in der Weltgeschichte und das ist auch schon sehr lange her. Ein Türke will sich Julius Cäsars in Bezug auf Zile geprägten Satz "Veni, vidi, vici" nun schützen lassen, um damit Geschäfte zu machen. Das könnte einen Tabak-Weltkonzern Geld kosten.

Kai Strittmatter

Julius Cäsar kam, sah und siegte. Die Zeit: der 21. Mai 47 vor Christus. Der Ort: die alte kleinasiatische Stadt Zela, heute bekannt (oder besser: nicht bekannt) als Zile. Hier prügelten sich schon die Hethiter, hier herrschten die Perser, hier feierte Alexander der Große einen seiner vielen Triumphe. Aber das war auch schon wieder 300 Jahre her, als Cäsar eintraf. Es tobte ein Bürgerkrieg im römischen Reich. Gerade mal vier Stunden brauchte der römische Feldherr, um dort die Truppen seines Feindes Pharnakes auszulöschen. Dann, so überliefert es 150 Jahre später Plutarch, setzte er sich hin und schrieb an einen Freund in Rom den lakonischsten Schlachtenbericht der Weltgeschichte: "Veni, vidi, vici." Die Stadt Zela sah Cäsar danach nie wieder. Und die Welt hörte nie wieder von Zela. Bis zum Jahr 2012.

Das heutige Zile rühmt sich seiner Trauben und Kirschen. Es gibt ein Kirschenfest, und aus den Trauben machen sie Pekmez, dickflüssigen Sirup. Es gibt Fabriken für Schuhe und für Tomatensoße und den dringenden Wunsch, der alten Stadt neues Leben einzuhauchen. "Wir sind die Lokomotive der Region", sagt der Bürgermeister tapfer. Aber die Menschen ziehen weg, Zile hat nur noch 35 000 Bürger. Es gibt eine gut erhaltene römische Festung, aber die Touristen fahren bislang nur ins historische Amasya, eine Autostunde nördlich von Zile.

Zile wird regiert von der AKP, der Partei von Premier Tayyip Erdogan. Wenn Bürgermeister Lütfi Vidinel "Veni, vidi, vici" sagt, dann hat das wenig Cäsarisches, er wirkt dabei eher wie ein Seelenverwandter des Geschäftemachers "Technokratus", der in "Obelix GmbH & Co KG" Hinkelsteine zu Gold machen möchte und dabei den Spruch auch einmal sagen darf. Der Bürgermeister hat sich bei seinem Premier nicht nur den Schnauzer, sondern auch die demonstrative Tatkraft abgeschaut. "Ich bin Industrieller", sagt Bürgermeister Vidinel der SZ: "Ich weiß, was eine Marke wert ist." Und so marschierte er zum Patentamt und beantragte die Registrierung des historischen Satzes "Veni, vidi, vici" als geschützte Marke.

Jetzt, zweieinhalb Jahre später, kam der Bescheid aus Ankara: Die Rechte an der Wortfolge "Veni, vidi, vici" gehören zumindest in türkischem Hoheitsgebiet - Patentnummer "2011-00640-Ticaret" - von nun ab der Gemeinde Zile.

"Sehr schön ist das", sagt Bürgermeister Vidinel am Telefon. "Unsere Anwälte haben heute einen Brief an Marlboro geschickt." Auf jeder Marlboro-Schachtel findet sich nämlich das mit "Veni Vidi Vici" verzierte Philip-Morris-Logo. "Wir hätten gerne wenigstens ein Viertel Kurus pro Packung", sagt Vidinel. Das wären umgerechnet 0,1 Cent. Das Geld wolle die Gemeinde dann Opfern des gesundheitsschädlichen Tabakkonsums spenden. Wenn man bei Marlboro allerdings klug sei, meint er, dann gehe der Konzern auf sein Alternativangebot ein: "Sie sollen auf jede Schachtel den Namen unseres Ortes drucken. Dann wollen wir auch kein Geld."

© SZ vom 17.04.2012/dd
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