bedeckt München 10°

Bus-Erlebnisse:"Nur einer im Bus war Optimist - der Fahrer"

Indische Sikhs auf einem Bus in Amritsar unterwegs zum Hola Mohalla Fest.

(Foto: AFP)

Beinahe-Abstürze, Reisen mit Huhn und andere Irrfahrten: schön schreckliche Erfahrungen von SZ-Autoren.

Wer gerne auf die Bahn schimpft, überlegt vielleicht, das nächste Mal den Bus zu nehmen - doch das ist im In- und Ausland nicht immer eine gute Idee, wie diese SZ-Autoren lernen mussten. Außer man will mit einer guten Geschichte nach Hause reisen.

Südindien

Fünf Uhr morgens in einem südindischen Überlandbus. Eine harte Nacht lag hinter uns und ein fremdes Baby ohne Windeln auf meinem Schoß. Ich Glückliche hatte einen Sitzplatz bekommen und teilte mir mit drei Inderinnen die Zweiersitzbank, die Füße auf dem Reisegepäck. Die Expressbusse in die Stadt wollten uns in der Nacht am Bahnhof nicht mitnehmen, deswegen mussten wir demütig warten, bis uns der langsamste, aber auch billigste und damit vollste Bus aufsammelte. Wir waren übernächtigt, hungrig und durstig, es war heiß. Da ging die rote Sonne über den Feldern auf und ich spürte trotz allem einen Frieden in mir, wie ich ihn zuvor noch nie gespürt hatte. Indien eben.

Bei einer weiteren Tour hielt der Bus kurz nach der Abfahrt nochmal rechts, um zur Sicherheit einen Segen für unterwegs abzuholen in einer Art Blessing-Drive-In: ein großes Brimborium mit hinduistischem Priester, viel Weihrauch und Gesang. Es scheint aber der falsche Gott gewesen zu sein. Noch während der Hilfspriester mit dem Klingelbeutel rumging, fuhr ein Lastwagen unserem Bus den Seitenspiegel ab.

Alena Lies

USA

Fahrt von Washington nach New York. Der Bus hat zwei Stockwerke, im oberen hört man einen schrillen, sehr unangenehmen Piepton, die Passagiere beklagen sich. Der Fahrer hält am Highway an, schaut oben nach, telefoniert mit seiner Zentrale, während die Gäste weiter murren und sich die Ohren zuhalten. Schließlich verkündet er das Ergebnis: Um das Piepen zu stoppen, müsse er den Strom abstellen. Das bedeute aber auch: keine funktionierenden Steckdosen mehr - und kein Wlan. "Nooo", ruft einer der Fahrgäste, weitere stimmen ihm zu, Gegenstimmen gibt es keine. Klare Entscheidung: Lieber ein Piepton aus der Hölle als eine Busfahrt ohne Wlan und Steckdose.

Nadja Schlüter

Vietnam

Eigentlich sollte die Busfahrt über die Grenze von Kambodscha nach Vietnam nur etwa sechs Stunden dauern, tatsächlich waren es am Ende acht. Dabei gab es leider nur ein Motto: Geht nicht, gibt's nicht. Das galt auch für die Anzahl an Menschen im Bus. Als alle Plätze besetzt waren, mussten die übrigen Passagiere entweder in einer eigentlich nicht menschenmöglichen Haltung ausharren oder sich mit kleinen Plastikstühlen auf den Boden des Busses setzen. Dazu kam auch noch ein riesiges Paket, gegen das sich zwei Männer so lange stemmten, bis die Bustür schließen konnte. Tatsächlich war ich aber froh, nicht immer aus dem Fenster sehen zu können. Denn die Straßen in Vietnam sind wirklich eng! Eigentlich zu eng für die vielen Lastwagen, Mopeds, Autos und die Busse. Wir fuhren minutenlang einfach auf der falschen Straßenseite, um die anderen zu überholen. Teilweise schwenkte der Busfahrer dabei so knapp vor einem entgegenkommenden Fahrzeug ein, dass ich die Augen zukneifen musste.

Anne Kleinmann

Chile

Wie sich herausstellte, saßen in unserem Bus nur Pessimisten, die von einem leidenschaftlichen Optimisten kutschiert wurden: Im Norden Chiles wollte der Fahrer in der Atacama-Wüste auf eine Landstraße auffahren, wo gar keine Auffahrt vorgesehen war - zunächst in normaler Geschwindigkeit. Leider war die Straße frisch aufgeschüttet worden, ein kleiner, schräger Kieswall behinderte die Weiterfahrt. Wortlos legte der Fahrer den Rückwärtsgang ein. Er würde nun, so meine naive Annahme, eine andere Stelle suchen, eine Kreuzung zum Beispiel. Doch er setzte zurück, immer weiter, zurück und zurück, im rechten Winkel zur Landstraße. "Er wird doch nicht...", dachte ich, "das kann er nicht ernsthaft ..." Doch, er konnte. Krachend legte der Fahrer den Vorwärtsgang ein und fuhr mit Vollgas auf den Wall zu, wie ein Stier auf einen Torero zurast. Auch da erwartet niemand, dass die Sache gut ausgeht. Doch wir hatten Glück, weder schlugen wir in den Wall ein, noch hoben wir ab, auch kippten wir nicht, sondern schwenkten wild rumpelnd auf die Fahrbahn ein.

Ein weiteres Mal wollten wir an diesem Tag aber unser Glück nicht strapazieren: Als der Fahrer den Bus entschlossen auf die kaum autobreiten, immer schmaler werdenden Serpentinen zum nächsten Ziel lenkte, sich Zentimeter um Zentimeter vorantastete, flehten wir ihn an, ebenso langsam zurückzusetzen. Dann könnten wir aussteigen und die letzten Meter zu Fuß gehen, bitte! Ohne beim Verlassen des Busses direkt in den Abgrund zu stürzen.

Katja Schnitzler

A dog is seen on a bus in Santiago

Hund (schuldbewusst, wahrscheinlich ohne Fahrschein) in einem Bus in Santiago de Chile

(Foto: Reuters)

Nicaragua

Ich musste fast täglich mit dem Bus von Léon nach Chichigalpa fahren. Dabei hatten wir immer wieder tierische Passagiere. Wer jetzt an einen Hund denkt, liegt falsch. Meist waren es Hühner, die fröhlich gackernd während der Fahrt auf und ab liefen.

Anne Kleinmann

Russland

"Ostanavites, poschalista!", also "Anhalten, bitte!", einmal laut durch den ganzen Bus gerufen - und schon hält der einfach an der nächsten Ampel, direkt vor dem Haus des Freundes, kurz vor dem Supermarkt. Ist auf jeden Fall sehr praktisch, eine russische "Marschrutka" - so heißen die Kleinbusse, die es in vielen russischen Regionen gibt. Nur Sprachhemmungen durfte die frisch angekommene Ausländerin nicht haben. Denn die Marschrutki fahren zwar bestimmte Routen ab, die meistens auf Zetteln an die Scheiben gepinnt sind. Nur halten sie oft nur, wenn jemand im Inneren dieses verdammt lange "Ostanavites, poschalista!" ruft. Das ist für einen Russischneuling schwer genug zu merken. Wenn man dann noch dazu sagen will, wo genau der Bus halten soll... Ach herrje. Heißt es der, die oder das Ampel? Vor der Ampel, an der Ampel, bei der Ampel? Und wie war nochmal das Wort für... Ampel?

Kein Wunder, dass man manchmal vor lauter Grübelei den richtigen Stopp verpasste und auf einmal Kilometer vom eigentlichen Ziel entfernt war - denn schnell sind die Dinger auch noch. Ein banges "Wo sind wir denn jetzt?" in Richtung Fahrer hatte allerdings überraschende Folgen. "Wo musst Du denn hin, Mädchen?" fragte der zurück. Und auf die gestammelte Erklärung schaute der Fahrer sich zu den anderen Passagieren um: "Fahren wir die Ausländerin schnell?" Na klar. Also Kehrtwende, die ganze Mannschaft zurück bis vor das Haus der Gastfamilie. Wie gesagt: sehr praktisch, so eine russische Marschrutka. Schade, dass russische Großstädte sie seit einiger Zeit nach und nach aus dem Verkehr verbannen. Zu unprofessionell, zu gefährlich, zu unübersichtlich. Aber halt manchmal auch in den richtigen Momenten aus der Spur. Wortwörtlich.

Hannah Beitzer

Jeepneys in Manila - die kreativ gestalteten, aber nicht umweltfreundlichen Fahrzeuge sollen abgeschafft werden.

(Foto: AFP)

Philippinen

"Busse auf den Philippinen nennen sich Jeepneys. Wer so einen Bus nehmen will, muss die ungefähren Routen kennen und sich dann einfach an den Straßenrand stellen und sehr deutlich winken, wenn einer vorbeifährt. Pläne oder bestimmte Zeiten gab es nicht, jedenfalls habe ich keine entdecken können. Genauso wenig wie Haltestellen. Wenn man raus will, klopft man mit einem Geldstück laut an die Decke des Busses oder an die Haltestange. Erst beim Aussteigen zahlt man für die Fahrt, indem das Geld an den Vordermann weitergereicht wird und weiter und weiter, bis es vorn beim Fahrer ankommt. Ich hab keine Ahnung, woher Urlauber all das wissen sollen. Aber es hat funktioniert."

Protokoll: Valérie Müller

Südamerika

Vor Argentinien als Reiseland wurden wir gewarnt: Was bei uns in Deutschland nicht mehr gut genug sei, werde nach Argentinien verschifft, auch die Busse. Also waren wir gut vorbereitet für die 24-stündige Fahrt nach Posadas. Wir hatten Getränke, Essen, Decken, Filme waren auch heruntergeladen. Und vor allem mental waren wir bereit: Wir rechneten mit dem Schlimmsten. Am Bahnhof fanden wir unseren Bus erst nicht, irgendwo musste die alte Karre doch stehen. Mehrmals liefen wir an dem neonbuntleuchtenden Highend-Luxusliner vorbei. Drinnen: Jeder hatte einen Sessel, groß wie ein Einzelbett. Mit einem Knopf wurde er tatsächlich flachgelegt. Eigene Bildschirme mit Video-on-Demand und Daunendecken gab es auch, dazu eine durchgängige, schnelle Wlan-Verbindung - außerdem ein wunderbares, sauberes Badezimmer. Und die Stewardess kam zwischen den Mahlzeiten im Halbstundentakt, ob man noch Nüsschen möchte oder noch einen Schluck von dem hervorragenden Malbec. Wie schnell 24 Stunden vergehen, verflixt.

Übrigens: Es heißt, die Busse, die Argentinien ausrangiert, gehen nach Paraguay. Die Glücklichen.

Alena Lies

Thailand

Ich war mit Freunden in einem thailändischen Nachtbus unterwegs. Wir hätten um 3.30 Uhr beinahe unseren Stopp verpasst, weil der Busfahrer zu höflich oder schüchtern war, uns aufzuwecken. Hätte ich ihn im Halbschlaf nicht "Ko Tao? Ko Tao?" flüstern hören, wären wir vermutlich tief schlummernd 500 Kilometer weiter bis zur Grenze im Süden des Landes gefahren.

Maurizio Di Costanzo

scotland sea tide Schottland Meer

Schottische Straße (trocken)

(Foto: Katja Nemec/Unsplash)

Schottland

Ich saß mit meinen Eltern im Reisebus, wir schauten uns das schöne Schottland an. Beim Ausflug auf eine Insel war sich der Busfahrer sehr sicher, was die Gezeiten anging. Das sollte er auch sein, schließlich verschwand diese sehr spezielle Straße bei Flut im Meer. Auf der Rückfahrt wurde uns allerdings ganz anders - die Flut kam, das Wasser stieg und stieg. Die vierte Treppenstufe beim Einstieg war erreicht, da verriet leichte Panik in den Gesichtern der Mitfahrenden, dass sie sich nicht mehr nur um das Gepäck sorgten. Irgendwann schafften wir es aufs Festland. Das Wasser schwappte aus dem Bus und den Koffern. Das Salzwasser hatte das gesamte Gepäck meiner Mutter durchtränkt. Gezeiten sind mir seitdem nicht mehr geheuer, ich fahre lieber an die Ostsee und ans Mittelmeer!

Susann Wenk

Guatemala

Anstatt in einen überteuerten Touristenbus stieg ich in einen normalen Bus. Da saß ich zwischen gefühlt 20 Menschen eingepfercht in einem kleinen Van. Blond und bleich (ob der ungebräunten Hautfarbe) war ich die Attraktion für die Kinder. Erst schauten sie mich nur an. Nach einer halben Stunde traute sich ein Mädchen, meine Haare anzufassen. In den übrigen sechs Stunden Busfahrt wurden wir Freunde, es schlief sogar auf meinem Schoß ein - für das Mädchen war das sicherlich bequem.

Anne Kleinmann

Traffic Accidents At Qinghai-Tibet Highway

Eindringliche Warnung an der Qinghai-Tibet-Fernstraße

(Foto: Getty Images)

Tibet

Wir hatten alles versucht, um an Zugtickets bis nach Lhasa zu kommen - vergeblich. Dann eben nur bis zur Grenze in die Provinz Sichuan. Ab hier fahren die Kleinbusse minutengenau ein Mal in der Woche, alles schien gut. Was wir unterschätzt hatten, waren die Bergpässe auf fast 5000 Metern. Dem Himmel sehr nah, in doppelter Hinsicht. Ohne Sauerstoff nickten alle im Bus weg. Auch der Busfahrer. Links neben unserer Schotterpiste ging es gefühlt ebenfalls 5000 Meter steil bergab. Ich griff dem dösenden Busfahrer ins Lenkrad, schrie "STOPP!", doch harscher Befehlston kommt in der chinesischen Kultur nicht so gut an. Der Busfahrer wollte unbedingt weiterfahren. Ich weckte meine Mitfahrer, darunter auch ein deutscher SEK-Polizist, bat um Unterstützung - doch alle blieben gleichgültig im Höhen-Delirium. Zum Glück erbarmte sich eine italienische Journalistin mit rudimentären Chinesischkenntnissen und handelte einen Zwischenhalt aus. Höflichst entsprechend chinesischer Umgangsformen.

Alena Lies

China

Wer sich eine Karte Chinas ansieht, dem fällt sofort diese Zweiteilung auf: Der Osten des Landes, wo die großen Metropolen liegen, ist von einem engmaschigen Netz an großen Straßen und Eisenbahntrassen durchzogen. Richtung Westen reißt das Netz geradezu schlagartig ab. Wer eine längere Reise durch China unternimmt, will natürlich auch einen Abstecher in diesen unerschlossenen, von Gebirgen und Wüsten geprägten Westen machen. Ein guter Ausgangspunkt dafür ist Chengdu, Hauptstadt der Provinz Sichuan und nach Ansicht aller, die einmal dort waren, Heimat der besten Küche der Welt. Von Chengdu fährt ein Bus nach Daocheng, 750 Kilometer entfernt und 3750 Meter über dem Meer. Etwa 30 Stunden dauert die Fahrt, wobei schnell mal vier oder fünf Stunden Verspätung dazu kommen können.

Unterbrochen wird die Fahrt auf dreierlei Art: Erstens durch Stopps an Raststätten, wo Reis mit Spinat verkauft wird und die hygienischen Bedingungen von Mal zu Mal schlechter werden, bis es schließlich nur noch stinkende Erdlöcher ohne fließend Wasser gibt (Kenner schützen sich vor dem Gestank, indem sie ausschließlich durch den Filter ihrer Zigaretten atmen). Zweitens von Checkpoints: Daocheng liegt im tibetischen Hochland, weshalb der Zentralstaat dauernervös ist. Gelegentlich wird das Gebiet für ausländische Besucher gesperrt, und wenn man rein darf, muss man jederzeit damit rechnen, dass ein Polizist mit verspiegelter Sonnenbrille und Maschinenpistole in den Bus steigt. Etwas Erholung bietet da nur die dritte Art von Zwischenstopp. Um ein Uhr nachts hält der Bus in Kanding vor einem heruntergekommenen Hotel. Viel Zeit zum Schlafen bleibt bis zur Weiterfahrt am frühen Morgen zwar nicht. Aber wer mit Chinesen das Zimmer teilt, den werden sie mit etwas Glück am abendlichen Brauch eines heißen Fußbades teilhaben lassen.

Christian Endt

Tansania Tanzania Traffic road street bridge kalenga

Brücke in Kalenga, Tansania

(Foto: Rahim Abas Kiobya/Unsplash)

Tansania

Eine Busfahrt vom Stadtzentrum im tansanischen Daressalam zur Uni, eine Strecke von zwölf Kilometern, kann zur Rushhour fünf Stunden dauern. Ein Sitzplatz ist nicht garantiert. Die Busse und Dalladallas, also Minibusse, werden bis kurz vor dem Bersten mit Menschen und ihren Habseligkeiten vollgestopft. Die Bezahlung läuft unkonventionell ab: Kurz vor dem Ziel wird das Fahrgeld von Mitfahrer zu Mitfahrer bis zum Busfahrer durchgereicht, der auf Zuruf anhält. Was chaotisch erscheint, funktioniert reibungslos.

Wer allerdings Tickets für Langstrecken kauft - die können auch mal 40 Stunden dauern - sollte sich erst mal den Bus ansehen, bevor er sich für einen der Anbieter entscheidet. Wir hatten das nicht gemacht. Nach einem Zwischenstopp in einem Nationalpark wollten wir unsere Langstrecke nach Kigoma antreten, eine Stadt im äußersten Nordwesten Tansanias am Tanganjikasee. Wir stellten uns an die Haltestelle auf der einzigen geteerten Straße weit und breit und warteten. Als der Bus endlich kam, durften wir zusteigen - nur eines hatten wir nicht bedacht: Unsere reservierten Sitzplätze waren längst belegt. So fuhren wir fünf geschlagene - das ist wörtlich zu verstehen - Stunden im Stehen und zehn weitere im Sitzen in einem übervollen Bus. Die Straße war so schlecht, dass wir alle fünf Meter mit dem Kopf an die Decke donnerten. Trotz der Hitze trank ich viel zu wenig: Gepinkelt wird auf solch einer Fahrt oft gemeinschaftlich mit anderen Frauen "diskret" neben dem Bus. Auf etwa halber Strecke hatten wir einen Reifenschaden, kurz vor Einbruch der Dunkelheit im Dschungel. Erst da bemerkte ich, dass wir von bewaffneten Sicherheitsleuten begleitet wurden. Entspannt habe ich mich auf dieser Fahrt nicht. Zurück leisteten wir uns einen Luxusbus mit Klimaanlage und Dämpfung.

Nadine Regel

München

Kurz vor 22 Uhr, ich hatte nach der Arbeit direkt mit Sport weitergemacht und wollte jetzt nur noch nach Hause. Es schneite und fror, und ein Winterwunder geschah: Ich konnte direkt in den 100er Bus springen. Doch es erwarteten mich sechs feucht-fröhlich angetrunkene Bamberger mit riesigen Pizzen in dem sonst leeren Bus, eigentlich eine Höchststrafe für Ruhesuchende. Doch die kam erst noch: Der Busfahrer hielt vor der Universität auf der Ludwigstraße, machte den Motor aus, stieg aus und sagte, er gehe "jetzt zum Biesln" und war nicht mehr gesehen!

Fünf Minuten war es ja noch witzig, jeder muss mal für kleine Königstiger, auch Busfahrer. Die Bamberger Besucher laufen zur Höchstform auf, diese verrückte Großstadt. Meine Laune dagegen kühlte auf Außentemperatur ab. Nach 20 Minuten kam der nächste Bus auf der Linie, wir stiegen um. Die MVG hatte mir dann anstandslos die 6,70 Euro Pünktlichkeits-Garantie erstattet, "für Vorkommnisse, bei denen die Mobilitätsleistung nicht zufriedenstellend ist". Von dem Geld habe ich mir eine Pizza gekauft.

Alena Lies

© SZ.de/kaeb/edi/sks
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema