Breslau vor der Fußball-EM:Partystimmung an der Oder

Nach dem Krieg weitgehend zerstört, ist die Altstadt von Breslau wieder aufgebaut und farbenfroh renoviert worden. Der beste Treffpunkt für Touristen und Fußballfans ist der Rynek, der Platz rund um das mittelalterliche Rathaus.

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Partystimmung an der Oder - Breslau macht sich fit für die EM

Quelle: Polnisches FVA/dpa-tmn

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Die tollste Stadt in Polen? Krakau, Danzig oder Warschau haben viele da bisher gesagt. Breslau, auf Polnisch Wroclaw, hatte lange keiner auf der Liste. Aber das ändert sich. Breslau, die Europäische Kulturhauptstadt 2016, ist auf der Überholspur. Es ist ein Ziel für Touristen, die Restaurants, Clubs, Museen und eine schöne Altstadt schätzen.

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Mit rund 640 000 Einwohnern hat Breslau ungefähr so viele wie vor dem Krieg, als es noch zu Deutschland gehörte. Das Stadtzentrum war am Kriegsende weitgehend zerstört - doch daran erinnert heute so gut wie nichts mehr. Breslau ist lebendiger und farbenfroher denn je. Breslau nennt sich heute "miasto spotkan". Das heißt so viel wie "die Stadt, in der man sich trifft". Der beste Treffpunkt ist der Rynek, der Platz rund ums mittelalterliche Rathaus mitten in der Altstadt.

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Quelle: Andreas Heimann/dpa-tmn

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Auch ohne Fußballfans ist dort immer etwas los. An der einen Ecke spielt ein Gitarrist, vor dem Rathaus tanzt ein Feuerschlucker. Rund um den Rynek gibt es die Pierogarnia - wo leckere Pirogi serviert werden - und die Bierhalle, die praktischerweise gleich auf Deutsch so heißt. Deutsche sind traditionell die größte Gruppe ausländischer Gäste.

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Zu den gastronomischen Betrieben mit der längsten Tradition gehört der Schweidnitzer Keller in den Gewölben des Rathauses: Schon 1273 hatte der Stadtrat das Monopol für den Ausschank von Bier, das nicht aus Breslau selbst stammte. Heute probieren Besucher dort polnische Spezialitäten wie Bigos, dunkles, tschechisches Bier und zum Abschluss gerne einen Wodka. Sie sitzen behaglich zusammen, wo früher schon Goethe, Chopin oder Gerhart Hauptmann gesessen haben - der Literaturnobelpreisträger ist in Breslau zur Schule gegangen.

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Direkt am Rynek arbeiten Pawel Margol und Wojciech Zalewski von der Stadtverwaltung im Euro-2012-Büro. Sie haben die Fanmeile direkt vor der Haustür. Denn Breslau hat seine Public-Viewing-Bereiche in bester Lage: Ein Teil der Fanmeile vom 8. Juni bis 1. Juli ist auf dem Rynek selbst, ein anderer auf dem benachbarten Plac Solny, dem Salzmarkt. Bis zu 25 000 Menschen sollen dort auf Großbildleinwänden Eckstöße und Torschüsse verfolgen.

Fontänenshow vor der Jahrhunderthalle

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Weitere Public-Viewing-Areas wird es auf den Oder-Inseln Wyspa Slodowa (Vordere Bleiche) und der Wyspa Piaskowa (Sandinsel) geben. Für die Zeit der EM erwartet die Stadt bis zu 500 000 Gäste. "Vor allem aus Tschechien werden viele Fans kommen", sagt Wojciech Zalewski. "Die tschechische Mannschaft hat in Wroclaw ihre Basis und wohnt im 'Hotel Monopol'. Und Tschechien hat alle drei Vorrundenspiele bei uns."

Blick über die Oder - auf der Dominsel gibt es gleich mehrere Kirchen.

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Quelle: PL2012/dpa-tmn

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Fußball hat in Breslau Tradition. Die erste Meisterschaft in der Stadt gab es 1903. Heute jubeln die Fans für WKS Slask Wroclaw. Das Team spielt in der polnischen Liga ganz vorne mit und hofft in diesem Jahr auf den Meistertitel. Inzwischen ist die Mannschaft im neuen Stadion zu Hause, in dem bei der EM drei Vorrundenspiele angepfiffen werden. Es hat im September eröffnet und bietet Platz für gut 42.000 Zuschauer. Die Außenhaut aus teflonbeschichteter Glasfaser soll während der EM bunt leuchten und Betrachter an einen Lampion denken lassen.

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Bunt ist es aber auch innerhalb des fast 40 Meter hohen, sechsgeschossigen Stadions: Sämtliche Stühle sind poppig-grün - angelehnt an die Vereinsfarben des Breslauer Clubs. Und von oben kommt Sonnenlicht. Das Stadiondach ist nicht komplett geschlossen, der Himmel über Breslau also immer zu sehen.

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"Für Busse, Bahn und Tram gibt es am Stadion eine Haltestelle", sagt Pawel Margol. "Bis in die Innenstadt sind es 15 Minuten." Eine neue Umgehungsstraße leitet den Verkehr am Zentrum vorbei direkt am Stadion entlang. Nach den Spielen, wenn Tausende von Fans aus dem Stadion strömen, wird es sicher etwas länger dauern auf dem Weg zurück ins Zentrum. Aber das dürfte nicht schlimm sein. Zu spät kommen geht gar nicht, auf dem Rynek ist schließlich immer etwas los.

Breslauer Oper feiert ´Maskenball"

Quelle: Polnisches Fremdenverkehrsamt/dpa-tmn

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Informationen:

Anreise: Direkflüge gibt es mit der Lufthansa und der polnischen LOT ab Düsseldorf, Frankfurt/Main und München sowie mit Wizzair ab Dortmund zum Copernicus-Airport bei Breslau, von dort geht es mit der Buslinie 406 zur Innenstadt. Mit der Bahn gibt es Direktverbindungen ab Dresden und eine Eurocity-Verbindung von Hamburg über Berlin. Von Berlin aus dauert die Bahnreise gut fünf Stunden. Der Bahnhof ist noch eine Baustelle, soll aber bis Mai komplett modernisiert sein.

Übernachtung: Breslau hat ein breites Angebot an Hotels vom Hostel bis zum 5-Sterne-Haus. Mit der Bahn sind außerdem Städte wie Legnica (Liegnitz) und Opole (Oppeln) zu erreichen, wo es weitere Übernachtungsmöglichkeiten gibt.

Die Oper von Breslau

Breslau ist die Stadt der Zwerge

Quelle: Andreas Heimann/dpa-tmn

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Diese Spiele finden in Breslau statt: Am 9. Juni Russland gegen Tschechien, am 12. Juni Griechenland gegen Tschechien, am 16. Juni Tschechien gegen Polen.

In Breslau überall zu sehen - die Zwerge gehören längst fest ins Stadtbild.

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Das sollten Fußball-Muffel in Breslau ansehen: Das Rathaus ist nicht nur von außen sehenswert. Ein Abstecher lohnt sich auf die Dominsel (im Bild), auch für diejenigen, die kein Faible für gotische Kirchen haben. Als eines der ungewöhnlichsten Bauwerke gilt die Jahrhunderthalle von 1913, die zum Unesco-Weltkulturerbe zählt. Einen Besuch lohnt die Universität, die zu den ältesten des Landes gehört und deren Aula ein Hingucker ist.

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Kurios ist die Gasse der mittelalterlichen Schlachter (Stare Jatki): Eine Bronzegruppe aus Ente, Kaninchen, Ziege und Schweinen erinnert dort ans Schlachtvieh früherer Tage. Heute gehört die Straße Künstlern und Kunsthandwerkern.

© Andreas Heimann, dpa/dd
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