1. Die Musik

Der in großen Teilen Lateinamerikas omnipräsente Latino-Pop gehört zweifellos zu den besseren Gründen, die Südhalbkugel zu meiden. Rio de Janeiro ist da eine wohlklingende Ausnahme. Die Stadt hat der Welt drei bedeutende Musikstile geschenkt: den Samba, den Bossa Nova und den Baile Funk. Alle drei haben ihre besten Zeiten schon hinter sich, und doch prägen sie weiter den besonderen Klang von Rio. Samba und Bossa Nova funktionieren generationsübergreifend. In Deutschland ist es nahezu undenkbar, dass Alte und Junge dieselben Volkslieder singen, in Rio ist das normal.

Was gerade beim Bossa Nova (etwa: "das neue Ding") süchtig macht, ist der Eindruck des Desafinado, des leicht Verstimmten, dazu der beständig geschlagene Off-Beat sowie die dünnen Stimmchen der Pioniere Tom Jobim und João Gilberto. Eher gehaucht als gesungen, ist dies die bleibende Musik aus einer Zeit, in der sich die Welt halbwegs einig war, dass das Paradies an der Copacabana liegt.

Bild: REUTERS 3. August 2016, 16:162016-08-03 16:16:21 © SZ.de/sks