Bonusmeilen-Sammler Ben Schlappig:"Habe nicht die Zeit, mal anzuhalten und alles zu verarbeiten"

Seine Eltern haben den Flugbegeisterten bereits als 15-Jährigen am Samstag zum Flughafen gefahren und am Sonntagabend wieder abgeholt. In der Zwischenzeit flog der Teenager quer durch die Staaten und sammelte Meilen. Ein Hobby, von dem die ganze Familie profitierte: Mit den Bonuspunkten konnte sie Erster Klasse in den Urlaub fliegen und zahlte dafür weniger als für denselben Flug in der Economy Class.

Flugzeuge und das Fliegen interessieren Sie seit frühester Kindheit. Was fasziniert Sie daran?

Meine Familie stammt aus Deutschland. Daher bin ich schon als Kind von den USA nach Deutschland gereist, um Verwandtschaft zu besuchen. Zwei Sachen begeistern mich: Zum einen ist das Fliegen als solches für mich ein Wunder. Es ist unglaublich, mit 1000 km/h hoch über die Erdoberfläche zu gleiten und innerhalb weniger Stunden Ozeane zu überqueren.

Außerdem höre ich gerne die Geschichten der Passagiere. Flugzeuge sind ein globaler Schmelztiegel, in dem Leute mit ganz verschiedenen Hintergründen für ein paar Stunden an einem Ort zusammenkommen.

Dafür leben Sie in einer Art Parallelwelt aus Erste-Klasse-Flugzeugkabinen, Transit-Bereichen und Hotelzimmern.

Das ist für mich auch immer noch ein bisschen surreal, trotz der vielen Trips in den vergangenen Jahren. Doch ich bin immer so schnell wieder weg, dass ich gar nicht die Zeit habe, mal anzuhalten und zu verarbeiten, was eigentlich vor sich geht.

Kann Sie das Reisen denn noch überraschen?

Ich bin immer wieder erstaunt, wie freundlich die Menschen sind. Trotz der verschiedenen Kulturen gibt es doch so etwas wie eine universelle Sprache der Freundlichkeit. Die große Mehrheit der Menschen freut sich einfach, anderen helfen zu können.

Was vermissen Sie in Ihrem Leben?

Auch wenn ich die Freundschaften sehr schätze, die ich über die Jahre mit anderen Reisenden geschlossen habe und die ich global pflege: Zu einem bestimmten Grad fehlen mir Stabilität und Sicherheit in meinem Leben. Ich bin ständig unterwegs, da ist es schon eine schöne Vorstellung, in einem Haus zu wohnen, in einer Beziehung zu leben, einen Hund zu haben.

Können Sie sich vorstellen, irgendwann etwas anderes zu machen?

Ich war schon immer so eine Art "misfit" und wusste nie wirklich, was ich anfangen soll mit meinem Leben. Ich dachte, dass es nie funktionieren würde, mit Reisen mein Geld zu verdienen. Jetzt bin ich unglaublich glücklich, dass ich genau das als Job machen kann, was ich liebe. Ich habe keine Ahnung, was ich sonst tun sollte.

Tipps von Vielflieger Ben Schlappig

400 000 Meilen fliegt Schlappig im Jahr, seit einem Jahr hat er keine Wohnung mehr. Er kennt die großen Flughäfen dieser Welt, Eigenheiten der Airlines und Luxushotels der Metropolen. Dieses Wissen teilt der 25-Jährige auf "One mile at a time" und in seinem Instagram-Account.

Seine Tipps für alle, die günstiger und besser reisen wollen:

"Es gibt mittlerweile viele einfache Arten, Punkte zu sammeln, die nichts mit Bonusmeilen zu tun haben. Schauen Sie sich genau die Bedingungen an und überlegen Sie, welche Angebote Ihnen am meisten bringen. US-Airlines verkaufen manchmal Bonusmeilen zu hohen Rabatten. Das können auch Europäer nutzen: Wer die Meilen zu einem guten Preis kauft, kann oft günstiger mit der Ersten Klasse oder Business Class fliegen als Economy.

Seien Sie immer freundlich zu den Angestellten in der Reiseindustrie - einfach um nett zu sein und nicht, weil Sie etwas im Gegenzug erwarten. Sie werden überrascht sein, wie viel Macht diese Leute darüber haben, Ihre Reise angenehmer zu gestalten. Außerdem kann es nie schaden, einfach zu fragen. Ich würde aber nicht plump um ein Upgrade bitten, sondern eher um einen Platz in der Notausgang-Reihe oder ein Zimmer mit Aussicht.

Und reisen Sie leicht: Die Leute überladen sich jedes Mal und bringen viel mehr Gepäck mit, als sie eigentlich brauchen - das macht alles behäbig und langsam."

© SZ.de/kaeb/rus
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