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Bond-Drehort Hashima in Japan:Insel des Bösen

Im neuen James-Bond-Film "Skyfall" dient eine Insel als Versteck für den Schurken Raoul Silva und wirkt dabei wie von Bühnenbildnern erdacht. Dabei gibt es die Insel tatsächlich - und Hashima hat auch in der Realität eine düstere Geschichte.

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James Bond Skyfall Silva Insel Hashima Japan Gunkanjima Drehort

Quelle: Jordy Theiller / CC-by-sa-3.0

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Im neuen James-Bond-Film "Skyfall" dient eine Insel als Versteck für den Schurken Raoul Silva und wirkt dabei wie von Bühnenbildnern erdacht. Dabei gibt es die Insel tatsächlich - und Hashima hat auch in der Realität eine düstere Geschichte.

Zu unheimlich, um wahr zu sein? Im aktuellen James-Bond-Film "Skyfall" hat der Bösewicht Raoul Silva (Javier Bardem) sein Hauptquartier auf einer Insel, die von Menschen in Panik verlassen worden war. Dort kommt es zum ersten Zusammentreffen zwischen ihm und James Bond (Daniel Craig), in einer Szenerie, die sich nur Set Designer ausgedacht haben können, denkt der Kinobesucher. Doch diese Insel existiert tatsächlich. Sie liegt vor Japans Küste in der Nähe von Nagasaki und gilt als Symbol für Vergänglichkeit: Hashima, die "Grenzinsel". Aber die meisten Japaner nennen sie Gunkanjima, "Kriegsschiffinsel". Aus der Ferne wirkt die dicht bebaute Insel wie ein monströses Kampfschiff, allerdings wie eines, das kurz vor der Havarie steht. Mit Militärindustrie hat die Insel aber nichts zu tun: Hier wurde einst Kohle abgebaut, in tiefen Stollen unter dem Meer.

Häuserblock 65 auf Hashima

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Quelle: AP

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Bond-Girl Sévérine (Bérénice Marlohe) bringt den Geheimagenten 007 zum Versteck des abtrünnigen MI6-Agenten Silva, das im Film vor dem chinesischen Glücksspielort Macao liegt. In der Realität gehört die Insel Hashima zur japanischen Stadt Takashima, die wiederum inzwischen zu einem Teil von Nagasaki im Südwesten Japans wurde.

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Quelle: Hisagi / CC-by.-sa-3.0

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Doch es gibt auch Übereinstimmungen zwischen dem Film und der tatsächlichen Historie von Hashima. Die Insel wurde jeweils fluchtartig von den Bewohnern verlassen: Im Bond-Film aus Angst vor Verseuchung - in der Realität, weil der unterseeische Kohleabbau im Jahr 1974 eingestellt wurde und die Betreiberfirma Mitsubishi angeblich denjenigen eine neue Anstellung versprochen haben soll, die zuerst aufs Festland umsiedelten. Innerhalb weniger Wochen verließen Tausende Bewohner das winzige Eiland.

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Quelle: AP

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Seitdem verfallen die Gebäude, wie auch im Film (hier optisch ansprechend rings um Bond-Bösewicht Raoul Silva dekoriert). Jahrzehntelang war das Betreten der echten Insel verboten: zu gefährlich.

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Quelle: AP

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Noch viel gefährlicher ist es für James Bond, hier das erste Mal auf seinen Rivalen zu treffen. Dieser versucht nicht nur, dem Agenten seiner Majestät näherzukommen, sondern auch, ihn zum Überlaufen zu bewegen. Wir verraten an dieser Stelle sicher nicht zu viel, wenn wir schreiben: Natürlich gelingt Silva dies nicht, schließlich hat er es mit Bond zu tun, James Bond. Doch nicht nur der Filmbösewicht, auch der Drehort Hashima birgt düstere Geheimnisse.

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Quelle: Jordy Theiller

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Von 1887 bis 1974 wurde hier Kohle abgebaut, auch von Zwangsarbeitern. Im Zweiten Weltkrieg wurde die ursprüngliche Belegschaft in Sicherheit gebracht. Ihre Plätze auf der exponierten Grenzinsel nahmen chinesische und koreanische Zwangsarbeiter ein. Mehr als tausend sollen auf der Insel gestorben sein. Überlebende Zwangsarbeiter hoffen noch immer auf Entschuldigung und Entschädigung - und protestierten gegen die Verleihung des Unesco-Welterbetitels an Hashima.

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Quelle: www.ehagaki-nagasaki.com

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Ihre beste Zeit hatte die Insel von 1916 an, als der Mitsubishi-Konzern die Bergbau-Leitung übernahm. Mit dem wirtschaftlichen Erfolg vergrößerte sich auch die Insel selbst: Ursprünglich war Hashima 320 Meter lang und 120 Meter breit. Mit dem Gestein aus den Stollen wurde sie auf etwa 480 Meter Länge und 160 Meter Breite aufgeschüttet. Auch die Bewohnerzahl wuchs: In manchen Jahren drängten sich fast 5300 Arbeiter und ihre Angehörigen auf den 6,3 Hektar - eine der höchsten Bevölkerungsdichten weltweit.

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Quelle: Citrinitas / CC-by-sa-3.0

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Bei so wenig Platz mussten die Häuser in die Höhe wachsen, so dass auf Hashima Japans erstes mehrstöckiges Wohnhaus aus Beton errichtet wurde. Auch in den Untergrund wich man aus. Auf der Insel gab es alles, dicht an dicht: Krankenhaus, Kindergarten und Schwimmbad auf den Dächern, Bordell und Tempel - nur einen Friedhof nicht. Im Januar 1974 wurde das Ende des Kohleabbaus auf Hashima verkündet, man setzte nun auf Erdöl. Bis zum April hatten alle Bewohner die Insel verlassen. Zurück blieben Möbel, Hausrat, Spielzeug - und eine dichte Bebauung, die seitdem von der Natur zurückerobert wird. Das Betreten war 35 Jahre lang verboten, doch inzwischen gibt es einen gesicherten Weg zwischen den Ruinen, so dass Touristenboote anlegen. Wer auf Bonds Spuren wandeln will, kann nun also eine Fahrt nach Hashima buchen.

Für Japaner hat sich dieses einstige Zeichen des Wohlstands gewandelt in ein Mahnmal für Ausbeutung und Vergänglichkeit. Die Insel trägt heute einen neuen Beinamen: Geisterinsel.

© Süddeutsche.de/kaeb/ihe/bavo
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