Süddeutsche Zeitung

Blutige Krawalle in Tunesien:Rettung aus dem Urlaubsparadies

"Nur schnell raus": Angesichts der chaotischen Sicherheitslage holt nach Thomas Cook auch Tui seine Urlauber aus Tunesien zurück. Die ersten Rückkehrer zeigen sich geschockt über das Erlebte - und knapp 3000 Deutsche warten noch auf ihren Heimflug.

Eigentlich hatten sich die deutschen Urlauber auf sonnige Tage in Tunesien gefreut. Doch als die Krise in dem Mittelmeerland eskalierte, war an Entspannung am Pool oder am Strand nicht mehr zu denken. Mitunter waren schon Schüsse zu hören, als die Urlauber Hals über Kopf ihre Sachen packen und die Hotels verlassen mussten, um nach Deutschland ausgeflogen zu werden.

Müde und erleichtert kamen die ersten Touristen dann am Freitagabend an den Flughäfen in Düsseldorf und Berlin an. Manchen stand der Schock ins Gesicht geschrieben. "Ich bin froh, dass ich daheim bin. Nur schnell raus. Es sind Schüsse gefallen", berichtete ein Urlauber aus Baden-Württemberg nach der Landung in Düsseldorf. Einige Rückkehrer präsentierten ihren Angehörigen statt idyllischer Strandimpressionen noch am Flughafen Handyfotos geplünderter Supermärkte und eingeschlagener Geldautomaten.

"Mir ist das Herz in die Hose gerutscht"

Manche Urlauber erfuhren allerdings auch erst im Flieger zurück vom Ausmaß der blutigen Proteste. Von einer Krise hätten sie zunächst nicht viel mitbekommen, berichtete eine Tunesien-Touristin aus Kassel. Dann habe es auf einmal geheißen, "dass wir sofort evakuiert werden müssen". Ein Mann aus Hessen sagte, er habe im Flugzeug nach Berlin von 70 Toten erfahren: "Das ist mir schon das Herz in die Hose gerutscht."

Während sich der Reiseveranstalter Thomas Cook bereits am Freitag entschieden hatte, seine Touristen auszufliegen, hat nun auch Tui reagiert: Etwa 1000 Deutsche sollen mit Sondermaschinen zurück in die Heimat gebracht werden. Die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren, teilte das Unternehmen mit. Transferbusse seien bereits auf dem Weg zu den Hotels.

Die Chancen stehen gut, dass die Urlauber noch am Samstag wieder deutschen Boden unter den Füßen haben: Alle Flughäfen des Landes seien offen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Tap unter Berufung auf die Luftfahrtbehörde. Anderslautende Medienberichte seien falsch. Am Freitag hatte das Militär den Flughafen der Hauptstadt Tunis abgeriegelt.

Bundesregierung rät von Reisen nach Tunesien ab

Auch Thomas Cook wollte am Samstag weitere Reisende nach Deutschland ausfliegen. Die Flüge sollten in Monastir und Djerba starten und am späteren Nachmittag in Frankfurt am Main, München, Berlin-Tegel und Stuttgart landen. Derzeit befinden sich noch etwa 1800 Urlauber von Thomas Cook mit den Veranstaltern Neckermann Reisen, Thomas Cook, Bucher Last Minute und Air Marin in dem Land. 230 Reisende hatte das Unternehmen bereits nach Berlin, Düsseldorf und Wien zurückgeflogen.

Die vergangene Nacht verlief nach Angaben von Thomas Cook in den Touristenzentren ruhig. Die Gäste würden in den Hotels von der Reiseleitung aktuell informiert und betreut.

Wegen der instabilen Lage rät die Bundesregierung von Reisen nach Tunesien ab und hat deutsche Urlauber zu erhöhter Wachsamkeit aufgerufen. Menschenansammlungen sollten vermieden werden, erklärte Außenminister Guido Westerwelle.

Thomas Cook hat bis zum 21. Januar alle geplanten Flugreisen in das nordafrikanische Land abgesagt, Tui sogar bis zum 24. Januar. Details erfahren Kunden bei den Anbietern. Die aktuellen Hotline-Telefonnummern:

ITS, Jahn Reisen und Tjaereborg (REWE Touristik): 02203 42800

L'tur: 00800 21212100 (Buchungs-Hotline)

Thomas Cook, Neckermann: 06171 6565190

TUI: 0511 5678000

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