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Reisebücher:Nach dem Skizirkus

Sölden, Ötztal: Bilder von Peter Mathis

Und wenn die Lifte dauerhaft stillstünden? Auf Licht und Schatten, Fotografie in ihrem Kern, reduziert Peter Mathis seine Werke.

(Foto: Peter Mathis)

Zwei Bücher zeigen, wie Menschen die Berglandschaft prägen - und erklären, weshalb von manchen Skigebieten nichts bleibt als leere Liftanlagen.

Rezension von Stefan Fischer

Mitunter fotografiert Peter Mathis auch in Skigebieten, einige solcher Bilder sind in seinem Band "Schnee" enthalten. Weil auch diese Motive ihn reizen. Mathis fotografiert konsequent in Schwarz-Weiß, die Liftanlagen und die Skifahrer sowie die Schatten beider, dazu die präparierten Hänge geben der alpinen Winterszenerie eine Struktur, legen grafische Muster in die Landschaft.

Häufiger sind Eingriffe der Menschen auf seinen Bildern jedoch dezenter. Da sind Spuren von Tourengehern, die sich wie gezackte Nähte die Bergflanken hinaufziehen. Oder die geschwungenen Linien, die Skifahrer bei der Abfahrt in den Pulverschnee fräsen. Oft ist die Schneelandschaft auch gänzlich unverbaut und unberührt. Und die Hell-Dunkel-Kontraste entstehen durch Bäume, freiliegenden Fels, Unebenheiten in der Schneedecke, was bei tiefstehender Sonne zu beeindruckenden Licht-und-Schatten-Gebilden führt.

Licht und Schatten, das ist Fotografie in ihrem Kern, und darauf reduziert Peter Mathis seine Werke. Sehr früh ist er stets unterwegs: Wenn die Sonne von der Seite scheint und der Schnee noch unberührt ist, findet er seine Motive. Er zeigt Berglandschaften, die in der Regel nicht Teil eines alpinen Freizeitparks sind. Ohne dass diese Areale deshalb außerhalb jeder Zivilisation lägen. Lawinenverbauungen sowie Hütten und Häuser sind immer wieder Teile der Fotografien, und all die Regionen, in denen Mathis unterwegs ist, sind für Wintersportler erreichbar - sei es in Vorarlberg, wo er lebt, in Alaska oder British Columbia. Aber es kostet sie eine größere Anstrengung, und ein gewisses Können ist außerdem erforderlich.

Mathis dokumentiert nicht zuletzt die herausfordernde Variante eines sanften Wintertourismus. Um die Abkehr vom alpinen Skizirkus dreht sich indessen Christoph Schucks und Matthias Heises "Letzte Bergfahrt". Die beiden Wissenschaftler der Universität Dortmund haben anhand von vier aufgegebenen Skigebieten in der Schweiz untersucht, welche Entwicklungen zu den Schließungen geführt haben.

Ihre Erkenntnisse sind aufschlussreich, wenn sich die Lektüre des Buches auch als relativ zäh erweist. Den Autoren misslingt es, ihre Forschungsergebnisse, die ja keinem überkomplexen Bereich entstammen, lesenswert zu präsentieren. Was den Wert dessen, was sie herausgefunden haben, nicht schmälert. Die Klimaerwärmung ist natürlich ein Faktor, warum inzwischen rund 50 Skigebiete in der Schweiz geschlossen haben, und auch der seit einigen Jahren starke Franken, der das Skifahren für EU-Bürger in der Schweiz erheblich verteuert hat.

Aber es gibt auch etliche Gründe, die auf Missmanagement zurückzuführen sind. Angefangen von kleinkarierten Streitereien über Fehlkalkulationen bis hin zu einer unklaren Positionierung: Confin in Graubünden etwa ist weder für Anfänger noch für Geübtere besonders geeignet. Die zentrale Erkenntnis allerdings ist: Es geht nicht erst seit ein paar Jahren bergab mit den kleineren Skigebieten. Viele sind ab den Sechziger- und Siebzigerjahren eröffnet worden mit überzogenen Hoffnungen - und haben, von wenigen Wintern abgesehen, von Anbeginn fast durchgehend Verluste erwirtschaftet.

Matthias Heise, Christoph Schuck: Letzte Bergfahrt. Aufgegebene Skigebiete und ihre touristische Neuausrichtung. AS Verlag, Zürich 2020. 222 Seiten, 52 Euro.

Peter Mathis: Schnee. Prestel Verlag, München 2020. 160 Seiten, 50 Euro.

© SZ
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