Bildband Es geht um die Wurst

Wenn die USA Europa spielen und umgekehrt: Skurrile Fotos zu einem charmanten Phänomen zeigen, dass die Verbindung zwischen den Kontinenten einem verstörenden US-Präsidenten trotzt.

Von Stefan Fischer

Die USA und Europa standen einander schon näher als derzeit. Dennoch sind die Bande natürlich so fest, dass ein verstörender amerikanischer Präsident sie nicht durchtrennen kann. Die kanadische Fotografin Naomi Harris, die vermutlich mit Distanz auf beide Regionen blickt, hat in ihrem Band "EUSA" dokumentiert, wo die USA besonders europäisch sind und wo Europa zu Amerika wird. Sie sucht mit ihren Bildern nach Momenten des Authentischen, aber auch nach Augenblicken, in denen die Maskerade verrutscht und die Szenerie dadurch ins Skurrile oder leicht Tragische kippt.

Es gibt einen großen Unterschied in dem, was die einen von den anderen nachahmen. Die USA in Europa: Das ist immer entweder der Wilde Westen oder aber Motorräder und Autos. In der tschechischen Stadt Březno werden mit großem Ernst die letzten Indianerkriege nachgespielt - von Menschen, die überwiegend den Anschein erwecken, als sollte man im Kampf Mann gegen Mann nicht zu viel von ihnen erwarten. Ihre Stärke liegt eher im Konsum von Feuerwasser.

Geht es in Europa um die Adaption fremder Kultur, so werden in den USA von den Nachfahren europäischer Auswanderer deren Traditionen fortgeführt. Wurst- und Oktoberfeste, skandinavische Tage und holländische Tulpenfeste locken die Leute; es gibt einige Orte, die ganzjährig nach einem Motto bespielt werden - etwa Solvang in Kalifornien, ein Fleckchen 19. Jahrhundert-Dänemark. Für Außenstehende wirkt vieles erheiternd, vor allem diese Komik dokumentiert Harris. Wobei die Porträtierten oft viel Selbstironie zeigen beim Posieren.

Naomi Harris: EUSA. Kehrer Verlag, Heidelberg und Berlin, 2017. 240 Seiten, 45 Euro.