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Reedsee in Österreich:Nahezu perfekt

Reedsee im Nationalpark Hohe Tauern

Wie gut, dass der Weg zum See kein leichter und die Hütte am Ufer nicht bewirtschaftet ist: Deshalb ist der Ort noch nicht so überlaufen.

(Foto: privat)

Der Reedsee hat sich seine unberührte Schönheit bewahrt. In seinem klaren Wasser spiegeln sich Bäume, Berge und Himmel.

Von Karoline Meta Beisel

Die ersten Meter wandert man noch malerisch an einem Bächlein entlang, auf der Forststraße hinein in ein grünes, enger werdendes Tal. Schon bald aber sind nicht mehr die Augen gefordert, sondern vor allem Muskeln und Puste. Auf dem Wegweiser am Abzweig steht "STEILER AUFSTIEG", und das Versalienhafte der Warnung ist durchaus ernst zu nehmen: Etwa 800 Meter geht es in engen Serpentinen durch den Wald hinauf, links, rechts, links, rechts, und zwar ohne dass unterwegs eine Hütte, Alm oder wenigstens ein Fleckchen Wiese zur Rast einladen würde. Statt dessen führt der Weg stumpf bergauf, Kurve für Kurve, links, rechts. An ein, zwei Stellen hilft es, die Hände dazuzunehmen.

Letztlich ist der harte Aufstieg dem Ziel aber angemessen, aus gleich zwei Gründen. Zum einen wirkt der Hinweg wie eine natürliche Barriere, die den Reedsee im Nationalpark Hohe Tauern vor dem schützt, was man neuerdings als Overtourism bezeichnet: einem Ansturm von Besuchern, die irgendwo im Internet ein schönes Foto von einem nahezu perfekten Bergsee gesehen haben, und jetzt auch so ein Foto machen wollen.

Denn der Reedsee ist solch ein nahezu perfekter Bergsee, in dessen klarem, grünen Wasser Fische schwimmen und in dem sich Bäume, Berge und Himmel spiegeln. Am gegenüberliegenden Ufer steht eine Blockhütte. Die ist zwar nicht bewirtet - ein Glück für den Reedsee -, führt aber dazu, dass man sich in dieser Kulisse beinahe vorkommt wie in den Nationalparks von Nordamerika (vielleicht sagen Besucher in den USA aber auch schon längst: "Look, it's exactly like the Reedsee in Hohe Tauern National Park!").

Kurzum: Wenn der Weg dorthin leicht wäre, würde der kleine See sicher schnell überrannt und die Schönheit des Ortes wäre dahin. Ein Foto vom Reedsee aber muss man sich erst verdienen, und man erreicht ihn stets vollkommen verschwitzt.

Das Schwitzen ist der zweite Punkt, an dem man dem steilen Aufstieg etwas abgewinnen kann: Baden im Reedsee ist möglich. Angesichts seiner Temperatur muss man es aber schon auch wirklich wollen, und Erhitztsein vom Aufstieg dürfte bei dem ein oder anderen die Motivation erhöhen. Wer lieber trocken bleibt, fotografiert die anderen beim Baden.

Die Wanderung zum Reedsee beginnt im Kötschachtal, einem Seitental des Gasteinertals, und dauert hin und zurück etwa fünf Stunden. Alternativ kann man vom Reedsee auch noch weiter auf den Graukogel aufsteigen und mit dem Sessellift hinunter nach Bad Gastein fahren. Die Wanderung verlängert sich dadurch um knapp 600 Höhenmeter.

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© SZ vom 13.08.2020/ihe
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