Wandern:Ganz modern: Vier ungewöhnliche Hütten in den Alpen

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Wandern: Die Mutter aller modernen Berghäuser: Monte-Rosa-Hütte über dem Gornergletscher mit Blick auf das Matterhorn.

Die Mutter aller modernen Berghäuser: Monte-Rosa-Hütte über dem Gornergletscher mit Blick auf das Matterhorn.

(Foto: GFC Collection/imago)

Schutzhütten in den Bergen müssen nicht unbedingt mit Giebeldach und Holzschindeln gebaut werden. Diese Berghäuser in Südtirol, Österreich und der Schweiz sind ein Hingucker und zugleich ein gemütlicher Ort zum Übernachten.

Von Hans Gasser

Neue Stettiner Hütte/Ötztaler Alpen

Nagelneu ist die Stettiner Hütte, Ende Juli wurde sie eröffnet. Das Schutzhaus liegt auf 2875 Meter im Passeiertal und auf dem viel begangenen Meraner Höhenweg. 2014 war der Vorgängerbau von einer Lawine weggerissen worden, weshalb jetzt ein massives Haus in Stahlbeton gebaut wurde, das sich wie ein Keil gegen die Hauptlawinenrichtung stemmt. Außen ist das im energiesparenden Klimahaus-Standard gebaute Schutzhaus mit verwitternden Stahlplatten verkleidet, innen mit hellem Holz ausgestattet. Es bietet 76 Betten in verschieden großen Zimmern sowie eine große Terrasse mit toller Aussicht. Eigentümer ist das Land Südtirol, der Neubau hat rund sechs Millionen Euro gekostet. Der gängigste Aufstieg führt von Pfelders in vier Stunden und über 1250 Höhenmeter auf die Hütte, alternativ gibt es einen Aufstieg vom Pfossental, der ebenso lang ist. Reservierung: 0039/0473/424244

Seethalerhütte/Dachstein

Weil sich, vermutlich wegen des zurückgehenden Permafrostes, ein Loch unter der alten Holzhütte aufgetan hatte, entschied sich der Österreichische Alpenverein, die 2740 Meter hoch gelegene Seethalerhütte 2018 ganz neu bauen zu lassen. Das Architekturbüro "Dreiplus" gewann den Wettbewerb und stellte einen bergkristallartigen Baukörper an die Kante zwischen der 1000 Meter abfallenden Dachstein-Südwand und dem Dachsteingletscher: das Untergeschoss in stabilem Stahlbeton, der Hüttenbau in Fertigholz-Bauweise. Das Regenwasser vom Dach wird aufgefangen und in der Hütte verwendet, eine Photovoltaikanlage liefert den Strom. 22 Betten stehen Bergsteigern in mehreren Lagern zur Verfügung. Wem der Aufstieg über den Johann-Klettersteig, der direkt an der Hütte herauskommt, zu anstrengend ist, der kann die Dachsteinseilbahn von Ramsau nehmen und wandert dann noch etwa 45 Minuten bis zur Hütte (50 Höhenmeter).

Schwarzensteinhütte/Zillertaler Alpen

Schon bevor sie 2018 eröffnet wurde, fegte ein Shitstorm über die Architekten der neuen Schwarzensteinhütte hinweg, die hoch über dem Südtiroler Ahrntal liegt. Traditionalisten gefiel der moderne, mit Kupferblech verkleidete Baukörper nicht, andere sahen Verschwendung von Steuergeld, da sich das Land Südtirol die schwer zu erreichende Hütte drei Millionen hatte kosten lassen. Die Kritik verstummte bald, die prismenartige Architektur auf 3026 Meter kontrastiert hervorragend mit der Landschaft. Das Niedrigenergiehaus ist so gut isoliert, dass 80 Prozent der Räume keine Heizung brauchen, Photovoltaikanlage und Schmelzwassertanks sorgen für Strom und Wasser. Durch große Glasfenster öffnet sich ein einzigartiger Blick auf Großvenediger, Dreiherrenspitze und bis zu den Dolomiten. 50 Bergsteiger können hier unterkommen, vom Doppelzimmer bis zum Zehner-Lager, alles ist in hellem Fichtenholz gehalten. Der schnellste und "einfachste" Aufstieg führt von St. Johann im Ahrntal (Parkplatz Stallila) über 1550 Höhenmeter zur Hütte, im oberen Bereich geht es über Gletscherreste.

Monte-Rosa-Hütte/Walliser Alpen

Sie ist sozusagen die Mutter vieler neuer, moderner Berghütten, die ihr verdächtig ähnlich sehen. Die neue Monte-Rosa-Hütte wurde bereits 2009 eröffnet, es war ein Jubiläums-Projekt der ETH-Zürich, wo Studenten und Professoren jahrelang an der optimalen zeitgenössischen Berghütte getüftelt haben. Sie steht auf 2883 Metern über dem Gornergletscher und bietet einen fantastischen Blick auf das Matterhorn und andere Viertausender. Auf einem achteckigen Fundament aus Beton wurde das futuristische und Maßstäbe setzende Berghaus in Holzbauweise und mit Metallverkleidung gebaut. Eine ganze Fassade mit Photovoltaikmodulen, Solarthermie und ein kleines eigenes Blockheizkraftwerk machen die Hütte zu 90 Prozent energieautark. Es stehen 120 Betten zur Verfügung. Der schnellste Zustieg führt von der Station Rotenboden der Gornergratbahn auf dem Panoramaweg über den Gletscher in etwa vier Stunden zur Hütte.

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