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Berchtesgadener Alpen:Wenn selbst die Watzmann-Frau klein wirkt

Mehr Panorama als diese zweitägige Watzmann-Überschreitung vom Königssee aus bieten nur wenige Bergtouren. Nur den Abstieg würde man sich gern sparen.

Von Carolin Gasteiger

14 Bilder

Watzmannüberschreitung, Watzmann, Berchtesgaden, Watzmannhaus

Quelle: Carolin Gasteiger

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Viele unternehmen die Watzmann-Überschreitung von der Wimbachbrücke aus als eintägige Bergtour. Aber auf dieser zweitägigen Route vom Königssee aus bleibt mehr Zeit zum Genießen.

Sie beginnt ganz pittoresk auf dem Wasser: Von Schönau geht es mit dem Schiff nach St. Bartholomä (in der Hochsaison sollte man Wartezeiten an der Ablegestelle mit einplanen). Bis gegen Ende der Fahrtzeit langsam, aber umso beeindruckender das Watzmann-Massiv ins Bild rückt und erahnen lässt, worauf man sich bei der Watzmannüberschreitung eingelassen hat. Unten rechts, im dunkelgrünen Waldgebiet, beginnt der Rinnkendlsteig.

Tipp: Wer nicht abends noch öffentlich oder per Anhalter zurück nach Schönau fahren will, stellt das Auto an der Wimbachbrücke ab. Dort endet am nächsten Tag die Tour.

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Quelle: Carolin Gasteiger

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Anfangs geht es steil durch den Wald nach oben. Bei sommerlichen Temperaturen spenden die Bäume angenehmen Schatten. Immer wieder blitzt zwischen dem Geäst der dunkelgrüne See hindurch, bis Leitern und Seil bald entlang des Mooslahnerkopfes führen. An einer Weggabelung geht es links weiter zur Kührointalm, rechts zur Achenkanzel. Die paar Minuten Abstecher lohnen sich, bietet der Aussichtspunkt doch einen wunderschönen Blick auf den Königssee, die Ausläufer des Steinernen Meeres und die steil aufragende Schönfeldspitze.

Gehzeit: St. Bartholomä - Achenkanzel ca. 2h

Berchtesgaden Kührointalm St. Bernhard Watzmann

Quelle: http://www.berchtesgadener-land.com/

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Anschließend führt der Weg eher flach durch Wald und über Almwiesen zur nahe gelegenen Kührointalm. Wer mag, kann sich hier für den weiteren Aufstieg zum Watzmannhaus stärken. In der kleinen St. Bernhard-Kapelle flößen einem Gedenktafeln an verstorbene Bergopfer, nicht nur die der berüchtigten Ostwand, noch einmal Respekt ein - der Watzmann ist eben kein Gipfel, den man unvorbereitet besteigen sollte (Tipps zum sicheren Bergsteigen finden Sie hier).

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Quelle: Carolin Gasteiger

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Von der Kührointalm scheint das Watzmannhaus nah, doch der Eindruck täuscht. Vom Falzsteig hinauf zum Falzköpfl dauert es noch einige Zeit. Der Weg führt über eine bunt bewachsene Almwiese, von der aus der Blick auf die Schlafende Hexe (links) und den Untersberg (rechts) reicht.

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Quelle: Bettina Schmidt

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Der Legende nach wurde nicht nur der grausame König Watzmann versteinert, sondern auch dessen Frau und Kinder. Auf dem Weg hinauf zum Watzmannhaus leuchtet der kleine Watzmann, auch Watzmann-Frau genannt, in der Sonne, rechts daneben liegen die kleineren "Kinder"-Gipfel. Aus dieser Perspektive ragt die Watzmann-Frau noch imposant empor, aber das soll sich am nächsten Tag ändern.

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Quelle: Bettina Schmidt

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Etwa fünf Stunden dauert der Aufstieg von St. Bartholomä bis zum auf dem Falzköpfl thronende Watzmannhaus. Auf der Terrasse kann man den Sonnenuntergang genießen und sich ein Wiener Schnitzel oder einen Kaiserschmarrn schmecken lassen.

Kührointalm - Watzmannhaus: ca. 2h

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Quelle: Carolin Gasteiger

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Sonnenaufgang am Gipfel des Hocheck - wer diesen Anblick nicht missen will, sollte früh aufstehen und sich das Frühstück einpacken. Zum Anstieg vom Watzmannhaus zum auf 2651 Meter gelegenen Hocheck sollte man gegen 4 oder 5 Uhr aufbrechen. Mit Stirnlampen ist der Weg über den Felsensteig gut zu meistern, allerdings sollte man auf die teilweise aberwitzig gesetzten Wegmarkierungen achten.

Watzmannhaus - Hocheck: 2-2,5h

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Quelle: Bettina Schmidt

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Vom Hocheck aus ist die Mittelspitze (2713m) schon zu sehen, von hier ist der Weg auch immer wieder mit Seilen befestigt, allerdings nicht durchgängig. Viele meistern die Überschreitung ohne Klettersteigset, aber sicherer ist es allemal mit Seil und spätestens beim Abstieg kann es zu Steinschlag kommen. Also am Hocheck Gurt und Helm anlegen!

Hocheck - Mittelspitze: 0,5-1h

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Quelle: Carolin Gasteiger

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Dann wäre da noch der dritte Gipfel, die Südspitze. Ließ sich der Weg zur Mittelspitze noch ohne größere Schwierigkeiten bewältigen, geht es nun über teils ausgesetzte Passagen rauf und runter. Schon von der Mittelspitze aus ist rechts unterhalb der Südspitze das Wimbachtal mit seinen Schuttströmen zu erkennen. Hier führt später der Abstieg durch.

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Quelle: Carolin Gasteiger

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Von der 2712 Meter hohen Südspitze aus ragt die Watzmannfrau (vorne links im Bild) gar nicht mehr so imposant in den Himmel. Das Panorama dominieren Hoher Göll (hinten links), der Dachstein-Gletscher (hinten in der Mitte) und der am Fuße der berüchtigten Ostwand liegende Königssee.

Mittelspitze - Südspitze: ca. 2h

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Quelle: Bettina Schmidt

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Drei Gipfelbesteigungen haben es in sich, aber das Schlimmste wartet noch: der lange und Kräfte zehrende Abstieg. Es geht durch felsiges Gelände, in dem immer wieder lockere Steine liegen, später wechselt der Weg in unebenes Geröll: Höchste Konzentration ist gefordert. Man sollte ausreichend Pausen einplanen und viel Wasser mitnehmen.

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Quelle: Bettina Schmidt

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Weiter unten spenden Latschen den ersten Schatten, der mit Ketten gesicherte Weg wird kiesiger, ...

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Quelle: Carolin Gasteiger

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... bis man nach gut 2000 Höhenmetern Abstieg irgendwann im Wimbachtal steht. Ausgewaschener Schotter, die schiere Weite des Tales und die abgestorbenen Bäume erinnern an Szenen aus einem Western. Nach etwa einer halben Stunde Fußmarsch im Flachen erreicht man die Wimbachgrieshütte, die letzte Einkehrmöglichkeit auf der Tour.

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Quelle: Carolin Gasteiger

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Gemeinerweise ist die Hütte aber nicht der Abschluss, dauert es doch noch einmal ein paar Stunden bis zur Wimbachbrücke - hier kommt es nur noch auf Nervenstärke und Durchhaltevermögen an. Ein letzter Blick zurück zum Gipfel (im Sonnenlicht hinten) versöhnt wieder mit dieser anstrengenden, aber beeindruckenden Bergtour.

Südspitze - Wimbachgrieshütte - Wimbachbrücke: 4-6h

© SZ.de/ihe/sks
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