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Benidorm:Geradeaus in den Himmel

Dank des milden Klimas an der Costa Blanca hat Benidorm das ganze Jahr lang Saison, und das bereits seit vier Jahrzehnten. 2005 werden die Unterkünfte wieder meistens voll sein, zuvor waren die Zahlen leicht rückläufig gewesen.

Das frühere Fischerdorf ist mit Abstand europäischer Marktführer - elf Prozent der Einnahmen von Spaniens Tourismusindustrie werden an diesen beiden geschwungenen Buchten namens Levante und Poniente erwirtschaftet und 60 Prozent der Region Valencia.

Das Ende der Idylle

Deshalb beschäftigt das konservative Stadtoberhaupt 1000 Mitarbeiter, unter ihnen Soziologen und Grafiker und Pressesprecher. Deshalb empfängt er wie ein Staatsmann in seinem riesigen Büro, um das ihn Kollegen in großen Metropolen beneiden dürften.

Das Rathaus ist die modernste Schöpfung in diesem mediterranen Manhattan, es wurde 2003 eröffnet und sieht so ähnlich aus wie die Clinton-Bibliothek in Arkansas. Das lichtdurchflutete Gebäude liegt quer auf zwei Sockeln.

In die Fensterlamellen wurden die Namen aller damals gemeldeten 62.200 Bürger eingeritzt, als müsse man Einheimische unter Denkmalschutz stellen. Die horizontale Form ist ein gewollter Kontrast zum vertikalen Urbanismus, dem Erfolgsrezept von Benidorm.

Erfunden hatte das Konzept einer von Pérez Devesas Vorgängern, Pedro Zaragoza. 1956 erließ der Visionär einen revolutionären Bebauungsplan, 2006 wird das fünfzigsteJubiläum gefeiert. Zaragoza beschloss seinerzeit, breite Hauptstraßen anzulegen und geordnet in die Höhe bauen zu lassen statt in die Breite.

Außerdem fuhr er mit dem Moped nach Madrid und überredete den Diktator Franco sowie katholische Würdenträger, ein wenig Freizügigkeit wie das Tragen von Bikinis zu erlauben, nachdem der Klerus Halbnackten mit Exkommunizierung gedroht hatte.

Inbegriff enthemmter Ferienindustrie

1950 standen an den beiden Stränden 19 flache Häuser, die Bewohner lebten bescheiden von Fischfang und Landwirtschaft. Es gibt Schwarzweißbilder, der 1942 geborene Pérez Devesa kennt die Idylle noch. Jetzt steht ein schlanker Betonriese neben dem anderen, minimal sieben Meter voneinander entfernt und maximal 800 Meter weit weg vom Ufer. Auch viele Politiker sind damit recht wohlhabend geworden.

Schön finden muss man den Anblick nicht, für viele ist Benidorm Inbegriff enthemmter Ferienindustrie. Das Klischee ähnelt dem von Mallorcas Ballermann.

"Es ist noch schlimmer, als du es dir vorstellst", warnte vor einigen Jahren der Reiseführer Lonely Planet, regte damit allerdings eine Neugierde an, wie sie Reisende auf dem Weg nach Las Vegas verspüren.