Bayern: Fränkisches Seenland:Am Reißbrett entstanden

Glücklicherweise sieht man dem Fränkischen Seenland nicht an, dass es am Reißbrett entstanden ist. Die Stauseen fügen sich so harmonisch zwischen die sanften Hügel im südlichen Franken ein, als wären sie schon immer dagewesen. Von der gewaltigen Umwälzung, welche diese Landschaft erlebt hat, sind ihr keine Narben geblieben.

Ställe zu Ferienwohnungen

Die schönste Aussicht hat man vom Hügel oberhalb von Ramsberg aus. Der Blick schweift über das Dorfkirchlein und die an den Hang geschmiegten Häuser hinweg auf den Großen Brombachsee, wo ein futuristisches Passagierschiff seine Bahnen zieht, ein gläserner Trimaran. Früher war Ramsberg ein Bauerndorf. Mehr als die Hälfte seiner Fläche ging im See unter.

Viele Einwohner sattelten um. Sie gaben die Landwirtschaft auf und bauten Ställe zu Ferienwohnungen aus. Gaststätten und Cafés eröffneten, ein Hafen mit mehreren hundert Liegeplätzen für Segelboote entstand. Aus dem einstmals trostlosen Ramsberg wurde - zumindest in der warmen Jahreszeit - ein quirliger Fremdenverkehrsort.

Die Ufer gehören der Allgemeinheit

Unmittelbar entlang der Seen bewegt man sich im Fränkischen Seenland am besten zu Fuß oder mit dem Rad. Die Ufer sind vollständig der Allgemeinheit vorbehalten; kein Investor oder Privatmann darf sie zubauen. Das ist ein großer Unterschied etwa zum Starnberger See oder dem Tegernsee. Unmittelbar an der Wasserkante entlang führt ein Rad- und Wanderweg. Er führt vorbei an künstlich aufgeschütteten Stränden, grünen Liegewiesen, Cafés, Biergärten und Restaurants, die allerdings rücksichtsvoll in die Landschaft gesetzt wurden. Die Preise in dieser Region sind in der Regel moderat, die gastronomische Qualität jedoch ist sehr unterschiedlich.

Die gut ausgeschilderten Wander- und Radrouten führen auch über die Dämme der Seen. Der imposanteste ist jener, der den Großen Brombachsee nach Osten hin abschließt: 1,7 Kilometer lang und bis zu 34 Meter hoch, hält das mächtige Bollwerk 137 Millionen Kubikmeter Wasser zurück. Wer den Damm von Allmannsdorf Richtung Pleinfeld überquert, blickt linker Hand in eine grüne Talidylle mit saftigen Wiesen, Weihern, in die Landschaft getupften Wäldchen und der Mandlesmühle. 1315 erstmals urkundlich erwähnt und bis 1983 bewirtschaftet, ist in ihr heute ein kleines, aber feines staatliches Mühlenmuseum untergebracht sowie eine Ausstellung über Bau, Sinn und Zweck des Seenlandes.

Untergegangen in den Fluten

Das prächtig herausgeputzte Anwesen erinnert an die elf Mühlen, die sich entlang des kleinen Flüsschens Brombach reihten und die im Großen Brombachsee untergegangen sind. Einige von ihnen hatten ihren Ursprung im 14.Jahrhundert. Als letzter gab der Langweidmüller seine Mühle auf; die Flutung des Brombachsees hatte bereits begonnen und das Wasser war seinem Anwesen schon sehr nahe gekommen. Er wurde wie alle Mühlenbesitzer vom Staat entschädigt. Der inzwischen verstorbene, alte Mann litt dennoch für den Rest seines Lebens auch gesundheitlich am Verlust der seit Generationen von seiner Familie bewirtschafteten Mühle.

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